Was lange währt, wird endlich gut, lautet das Sprichwort. Auf die Gründungsgeschichte des Bezirks Dietikon trifft es wie die berühmte Faust aufs Auge. Bis die ersten Verwaltungsorgane am 1. Juli 1989 ihre Arbeit aufnehmen konnten, war Geduld gefragt. Die Befürworter eines Bezirks Dietikon mussten viel Ausdauer an den Tag legen, ehe sie an ihrem Ziel waren. Die Geschichte des zwölften und jüngsten Bezirks des Kantons Zürich reicht weit in das vergangene Jahrhundert zurück. Schon 1954 hatte der Birmensdorfer Hans Eicher eine Einzelinitiative zur Schaffung eines zwölften Bezirks im Kanton eingereicht. Allerdings lehnten Regierungs- und Kantonsrat das Begehren damals ab.

Ein neuer Vorstoss folgte 1970. Er kam vom Dietiker CVP-Kantonsrat Josef Stocker und viel bei der Kantonsregierung ebenfalls durch. Es dauerte fortan eine Weile, ehe wieder Bewegung in die Sache kam. Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre wurde das Thema wieder aktuell.

Richtig Fahrt nahm das «Projekt Bezirk Dietikon» im Jahr 1983 auf. Damals verabschiedete der Regierungsrat das «Gesetz über die Bezirksverwaltung». Es sah unter anderem die Bildung eines neuen Bezirks mit Hauptort Dietikon vor. Dazu sollten die Landgemeinden gehören, die bisher im Bezirk Zürich eingegliedert waren. Nachdem der Kantonsrat die Vorlage 1984 guthiess, kam sie am 10. März 1985 vors Volk.

Uneinigkeit unter den Gemeinden

Der Urnengang brachte ein bemerkenswertes Ergebnis hervor. Die Schaffung eines neuen Bezirks wurde von der Bevölkerung im Kanton mit 155 080 gegen 114 543 Stimmen deutlich gutgeheissen. In allen elf betroffenen Gemeinden des Limmat- und Reppischtals lehnte eine Mehrheit die Loslösung vom Bezirk Zürich allerdings ab. Nun wurden die Gegner des Vorhabens richtig aktiv. Kurz nach der Abstimmung lancierte der damalige Dietiker SVP-Kantonsrat Hans Wiederkehr zusammen mit seinem Uitiker Ratskollegen Werner Dörig (CVP) eine parlamentarische Initiative zur Aufhebung des beschlossenen Bezirks.

Beide vertraten die Ansicht, dass die Kosten für die Schaffung eines neuen Bezirks unnötig seien. Dieses Argument dürfte auch viele Limmattaler Stimmbürger dazu veranlasst haben, gegen die Loslösung zu votieren. Selbst die elf Gemeindepräsidenten waren sich uneins über Sinn und Unsinn eines neuen Bezirks. Die einen sprachen im Zusammenhang mit der damaligen Situation von einer Bemutterung des Limmattals durch die Stadt Zürich. Die anderen argumentierten, dass es weder für die Bürger noch die Behörden eine Rolle Spiele, ob sich die Bezirksverwaltung in Zürich oder Dietikon befinde.

Knatsch vor den Wahlen

Der Initiative von Dörig und Wiederkehr wurde im Kantonsrat allerdings die Unterstützung verwehrt. Doch die Initianten gaben nicht auf. Das Anliegen wurde in der Folge in einer Volksinitiative aufgegriffen. Die als «Abschaffungs-Initiative» bekannt gewordene Vorlage kam am 6. März 1988 an die Urne. Wiederum stimmte die Bevölkerung des Kantons deutlich für die Schaffung des Bezirks Dietikon. Im Limmattal stellten sich hingegen 54 Prozent hinter die Initiative. Von den elf betroffenen Gemeinden sprachen sich nun aber immerhin drei – Dietikon, Geroldswil und Weiningen – knapp für den eigenen Bezirk aus.

Bei dieser Geschichte passt es denn auch, dass die ersten Wahlen alles andere als in Minne verliefen. Vor dem Urnengang vom 5. März 1989 hatte sich ein interparteilicher Wahlauschuss auf einen freiwilligen Proporz geeinigt. Allerdings scherte dann die CVP aus und machte ihren Anspruch auf einen Sitz im dreiköpfigen Bezirksrat geltend. Erfolg blieb ihr nicht beschieden. Die Stimmbürger wählten den Geroldswiler Bauvorstand Werner Pagnoncini (FDP) als Statthalter sowie SVP-Nationalrat Willi Neuenschwander aus Oetwil und den Schlieremer SP-Gemeinderat Andreas Fischer als Bezirksräte. Die Amtsdauer des dreiköpfigen Gremiums begann am 1. Juli.