Region Limmattal
Der Jodel hat nicht nur die Limmattaler sondern auch die Popmusik erobert

Einst diente das Jodeln der Kommunikation, heute belebt es die Musik.

Daniel Diriwächter
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Jodler

Jodler

KEYSTONE

Wer Silben ohne Bedeutung singt, dabei sekundenschnell zwischen Brust- und Kopfstimme wechselt und eine starke Stimme hat, darf von sich behaupten, jodeln zu können. Damit ist man einer uralten Tradition mächtig: Jodeln diente einst als Kommunikationsmittel; das Zurufen von Alp zu Alp wurde durch das Jodeln klarer. Man nannte es auch den «Almschrei». Weltweit wurde diese Technik ebenso angewendet: Von China bis nach Amerika verständigte man sich in den Bergen mit solchen Lauten. Jodeln ist also ganz und gar nicht typisch schweizerisch.

Zu einer musikalischen Stilrichtung entwickelte sich das «wortlose Ausströmen einer Freude» – so bezeichnete der emeritierte Papst Benedict XVI. das frühe Jodeln – erst im 19. Jahrhundert. Heute sind in der Schweiz rund 2000 Kompositionen von Jodelliedern bekannt, hauptsächlich auf Deutsch. Das Jodeln verankerte sich fest in der hiesigen Volksmusikszene. Sei es als Solo als Naturjodel oder mehrstimmig untermalt mit einem «Schwyzerörgeli».

Die Fangemeinde ist gross: Bereits 1910 wurde der Eidgenössische Jodlerverband (EJV) in Bern zur Erhaltung des schweizerischen Brauchtums gegründet. Mit heute 21 000 Mitgliedern pflegt er auch das Fahnenschwingen und das Alphornblasen.

Mutig und frech

Über die Jodelszene entstand ein weitverbreitetes Klischee, deren Protagonisten fern der Realität leben würden. Nicht zuletzt auch wegen der Texte, die in der jüngeren Geschichte in Jodelliedern zu hören sind: Lobeshymnen auf Natur und Heimat. Dieses Bild hielt sich lange hartnäckig, bis mutige und freche Interpretinnen und Interpreten dieses Bild in den vergangenen zwei Jahrzehnten demontierten. Unter anderem der Zürcher Sänger Peter Hinnen («7000 Rinder»), der es im Jahr 1992 ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte, indem er 22 Töne in nur einer Sekunde jodelte.

Während dieser Weltrekord mit Stolz aufgenommen wurde, empörten sich Volksmusikseelen zwei Jahre später, als die Berner Sängerin Christine Lauterburg den Jodel mit Popmusik kombinierte. Der EJV befand, dass es sich um «keine Kultur» handle. Trotzdem hielt sich Lauterburgs Album «Echo der Zeit» 19 Wochen in den Charts.

An der Spitze der Charts

Seither wird öfters in der Hitparade gejodelt: Der Zürcher Rapper Bligg bediente sich mehrmals der hiesigen Volksmusik sowie dem Jodel. Auch Schlagerstar Francine Jordi eroberte 2008 mit «Feyr vo dr Sehnsucht» zusammen mit dem Jodlerklub Wiesenberg die Spitzenposition der Charts. Ebenfalls Kultstatus erreichte die Gruppe Oesch’s die Dritten mit ihrem «Ku-Ku-Jodel».