Schlieren
«Der Islamische Staat ist eine Bedrohung für die Muslime»

Der Imam Sakib Halilovic verurteilt den Islamischen Staat (IS). Sein Dzemat baut aus Angst eine Videoüberwachung ein. Sie soll auf dem Areal für mehr Sicherheit sorgen.

Senada Haralcic
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«Als Muslime und Menschen verurteilen wir die Handlungen des IS», sagt Sakib Halilovic Imam.

«Als Muslime und Menschen verurteilen wir die Handlungen des IS», sagt Sakib Halilovic Imam.

Senada Haralcic

Herr Halilovic, wie steht der Dzemat Schlieren zur IS-Organisation?

Sakib Halilovic*: Der Dzemat Schlieren hat eine klare Haltung: Wir sind gegen jegliche Form von Gewalt. Insbesondere lehnen wir es ab, wenn Gewalt im Namen des Islams verübt wird. Wir verurteilen als Muslime und als Menschen die Handlungen des IS. Der IS ist eine antireligiöse Vereinigung, die eigentlich gegen den Islam arbeitet.

Die Bezeichnung «Islamischer Staat» impliziert aber etwas anderes.

Der IS ist kein Produkt von offiziellen islamischen Organisationen. Es gibt weder in der Schweiz noch in Bosnien, in der Türkei oder sonst wo eine Organisation, die hinter der Gründung eines «Islamischen Staates» steht. Wir verstehen auch nicht, wieso wir von den Medien dazu befragt werden. Der IS ist vor allem ein Problem für die Muslime. Ihre Handlungen bringen uns Scham, sie zerstören die guten Taten der Muslime.

Wer steckt dann hinter dem IS?

Wir sind der Überzeugung, dass die Idee des IS aus einer anderen Ecke kommt: Da sind globale Mächte dahinter und diese haben ihre Interessen: Es geht um die Verschiebung der Landesgrenzen. Daran sind die Leute aus dem IS interessiert.

Und was sind das für Leute? Wieso führen sie Kriege?

Es ist uns ein Rätsel, wie das alles passieren kann. Wir verstehen auch nicht, was junge Leute – von denen viele aus dem Westen sind – dazu motiviert, da mitzumachen. Ist es Rebellion? Ist es eine Form von Frustration? Das wissen wir selbst nicht. Sie sind naiv, denn sie wissen nicht, dass sie instrumentalisiert werden von verschiedenen Interessensgruppen.

Waren schon mal Radikale im Dzemat?

Nein, in unserem Dzemat nicht. Wir stehen in keinem direkten Kontakt mit solchen Leuten. Ich kenne auch niemanden, der mit den Ideen des IS sympathisiert oder der in den Krieg gezogen ist.

Haben Sie eine gewisse Angst vor diesen Radikalen?

Ja, wir haben Angst. Der IS und die al- Qaida sind eine Bedrohung für den Islam und die Muslime. Wir haben vor jeglichen Formen der Radikalität Angst. Das gilt auch für Rechtsextremismus, der sich in Form von rassistischen Drohungen auf Social Media zeigt. Wir haben Angst vor Hasstiraden gegen den Islam. Deswegen werden wir im Dzemat eine Videoüberwachung installieren. Dann hätten wir wenigstens Beweise, falls etwas passiert. Wir fühlen uns leider nicht mehr sicher.

Was, wenn Sie in Ihrem Dzemat einem IS-Aktivisten begegnen würden?

Ich würde ihn belehren wollen, ihm sagen, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun hat. Er schadet dem Islam, den Muslimen und allgemein der Menschheit.

*Sakib Halilovic ist Imam der Islamischen Gemeinschaft Bosniens in Schlieren (Dzemat)

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