Dietikon
Der Humor ist die Religion von Henry Camus

Der amerikanische Kabarettist Henry Camus sezierte bei seinem Auftritt im Stadtkeller in Dietikon Humor und Glauben mit viel Witz und Ironie, ohne dabei ins Respektlose abzudriften.

Florian Schmitz
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Nimmt sich selbst nicht allzu ernst: Action-Kabarettist Henry Camus.

Nimmt sich selbst nicht allzu ernst: Action-Kabarettist Henry Camus.

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Ein Mann der kleinen Worte ist Henry Camus wahrlich nicht. Gegen Ende seines zweiten Soloprogramms «The Grand Menu» proklamierte er nicht weniger als eine neue Religion und betete das heilige «Hudeligugeli» im Himmel an, das nicht mehr verlangt, als jeden Tag einen Witz zu hören. Und selbstverständlich dürfen weniger kreative Anhänger der Religion diese Witze auch direkt bei ihm für gutes Geld erwerben – eine ausgeklügelte Marketing-Strategie.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg, den der charmante Amerikaner und Wahlschweizer am Freitag im Dietiker Stadtkeller zurücklegte. Schliesslich war am Anfang noch alles ganz harmlos, als er über ein New Yorker Fondue-Stübli in die Schweiz gelangte, um die wundersame Volksmusik, die er dort gehört hatte, näher zu ergründen. Statt musikalischer Erleuchtung erwartete ihn hier allerdings ein herrlich verrückter Ritt in die Tiefen der Schweizer Volksmusik voller kultureller Missverständnisse.

Abgefahren wurde es im zweiten Teil der Show

Doch so richtig abgefahren wurde es erst im zweiten Teil der Show, als der bekennende Atheist Camus nach einer Begegnung mit Gott, der genug hatte von der übertriebenen Verehrung und deshalb fortan nur noch als heiliges «Hudeligugeli» bezeichnen werden wollte, eine neue Religion begründete und vom Stand-up-Comedian und Musiker zum Hohepriester mutierte. So näherte sich Camus über Jonglage und Gebete dem Sinn des Lebens und wurde schliess-
lich im Humor fündig. Bereits vor über 20 Jahren war Henry Camus bei der ersten Veranstaltung des Vereins Kellertheater Dietikon mit dabei. Seit damals hat er in der Schweiz viel erlebt und versteht es perfekt, diese Erfahrungen mit viel Witz in sein Programm einzubauen.

Mit seinen spitzfindigen Ausführungen deckt Camus auf humoristische Art und Weise kulturelle Eigenheiten auf, kritisiert religiöse Engstirnigkeit und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, ohne dabei je respektlos zu werden. An ausgefallenen und lustigen Ideen mangelt es Henry Camus und seinem Regisseur Ferruccio Cainero dabei wahrlich nicht. Die Show nahm denn auch immer wieder überraschende Wendungen.

Gelungene Umsetzung

Auch die schauspielerische Umsetzung durch den Kabarettisten war gelungen. Sie offenbarte Camus’ ganzes artistisches Talent von Musik über Mimik, Gestik und Jonglage bis hin zum Sprachwitz. Action-Kabarett nennt er diese unterhaltsame Mischung. Vor allem für sein Spiel mit der Sprache gebührt Camus höchste Anerkennung: Als Amerikaner manövriert er sich erstaunlich wortgewandt und elegant durch die deutsche Sprache.

«Mir hat es sehr gut gefallen. Mit seinen vielen überraschenden Einfällen hat er schön aufgezeigt, dass man sich selbst nicht zu ernst nehmen darf», meinte Paul Stehrenberger aus Dietikon nach dem Auftritt. Dem stimmte Peter Hunter aus Weiningen zu und ergänzte: «Er wirkt wie ein typischer Amerikaner, aber mit einer untypisch selbstironischen Art.»

Freunde des Action-Kabaretts und der guten Unterhaltung können sich auf www.camus.ch über weitere Auftritte
des sympathischen und multitalentierten Künstlers informieren.