Einmal im Jahr ist in Dietikon Lichterlöschen angesagt, wenn der Samichlaus Anfang Dezember ins Zentrum einzieht. Im Alltag sieht es anders aus: Strassenbeleuchtungen, erhellte Geschäfte und Leuchtreklamen sorgen dafür, dass die Innenstadt nie wirklich schläft. Das hat Gemeinderat Andreas Wolf (Grüne) dazu bewogen, eine Interpellation zum Thema Lichtverschmutzung einzureichen.

Wolf und sieben Mitunterzeichner – darunter Gemeinderäte von den Grünen, der EVP, der FDP und der GLP – wollen vom Stadtrat wissen, was in Dietikon zur Reduktion und Vermeidung von Lichtverschmutzung unternommen wird. Zudem erkundigt sich Wolf nach geltenden Richtlinien für Leuchtreklamen sowie Strassen- und Gebäudebeleuchtungen. Und er will wissen, wie die Einhaltung der Regeln sichergestellt wird, damit illegale Beleuchtungen vermieden werden können. Besonders interessiert ihn auch, ob entlang der Limmat und in der Nähe von Schutzgebieten, etwa im Industriequartier Silbern, spezielle Schutzmassnahmen bestehen. Dort seien nächtliche Beleuchtungen für Tiere und Insekten besonders problematisch, sagt Wolf auf Anfrage.

Lichtverschmutzung ist längst nicht mehr nur ein Thema für Hobbyastronomen und Tierschützer. «Wir bombardieren uns mit viel zu viel Licht und langsam merken wir, wie negativ die Konsequenzen auch für uns Menschen sind», sagt Rolf Schatz, Geschäftsleiter von Dark-Sky Switzerland. Die Organisation ist Teil der International Dark-Sky Association und setzt sich in der Schweiz gegen Lichtverschmutzung ein. «Mit der baulichen Verdichtung wird das Problem noch zunehmen», sagt Schatz. Das Bewusstsein für die Probleme, die durch zu helle künstliche Beleuchtungen in der Nacht entstehen, ist mehr und mehr in der Gesellschaft verankert. So informiert das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft auf seiner Website ausführlich über die negativen Effekte von Lichtverschmutzung, hat ein Merkblatt für Gemeinden erstellt und im September 2017 den ausführlichen Bericht «Strahlungsrisiken im Kanton Zürich» publiziert. Dieser behandelt neben anderen Strahlungsarten auch Lichtemissionen ausführlich.

Gemeinden sollen Vorbilder sein

Gestützt darauf legte der Regierungsrat Massnahmen zur Verringerung der Strahlungseinwirkung auf die Bevölkerung und die Umwelt fest. «Obwohl Grundlagen und Instrumente für einen geeigneten Vollzug erarbeitet wurden, besteht bei deren Um- und Durchsetzung weiterhin grosser Handlungsbedarf», schreibt die Regierung. Der Kanton und die Gemeinden sollten bei der Vermeidung unnötiger Lichtemissionen als Vorbild vorangehen.

«Ich will erst mal herausfinden, was Dietikon schon alles unternimmt, um nachts unnötiges Licht zu verhindern», sagt Wolf. Einzelne Gemeinden könnten einiges bewegen, so Schatz. Beim Bauen sollte unbedingt die Einhaltung der Norm SIA 491 «Vermeidung unnötiger Lichtemissionen im Aussenraum» sichergestellt werden, so Schatz. Die Norm wurde 2013 vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) ausgearbeitet. Gestützt auf ein Bundesgerichtsurteil müssen gemäss der Norm alle nicht sicherheitsrelevanten Lichtquellen zwischen 22 und 6 Uhr ausgeschaltet bleiben. Auch bei der Beleuchtung des Aussenraums sieht er viel Potenzial. Mit der Umrüstung auf LED lasse sich nicht nur viel Energie sparen, sondern auch die Lichtverschmutzung eindämmen. Der Weg ist aber noch weit. Von den rund 24 000 Leuchten auf Staatsstrassen sind im Kanton bisher 2000 auf LED umgerüstet worden, wie aus einem Schreiben des Regierungsrats vom Oktober 2018 hervorgeht.

Es kommt auf die Farbtemperatur an

Der Teufel steckt aber im Detail: In den letzten Jahren wurden in verschiedenen Zürcher Gemeinden LEDs mit einem hohen Anteil Weiss- und Blaulicht (4000 Kelvin Farbtemperatur) installiert. Diese sind zwar energieeffizienter, führen aber zu einer höheren Lichtverschmutzung als warmweisse LEDs (bis maximal 3000 Kelvin), weil kaltes Licht mit viel Blauanteil Tageslicht simuliert. In seiner Interpellation fragt Wolf folglich, ob der Stadtrat bereit sei, nur Leuchten einzusetzen, die warmes Licht erzeugen. «Wir dürfen nicht nur auf den Energieverbrauch schauen, sondern müssen auch weitere Einflüsse auf die Umwelt miteinbeziehen», sagt er.

Weniger Licht dank Intelligenz

Um Lichtemissionen zu senken und Energie zu sparen, sind auch intelligente Beleuchtungslösungen im Kommen. Nach einem Test installierten die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich etwa an der Birmensdorferstrasse in Urdorf Kandelaber mit beobachtendem Licht, das je nach Verkehrsaufkommen hoch- oder runterdimmt. Wolf wünscht sich dies auch in Dietikon und will von der Stadt wissen, ob diese bereit ist, künftig voll auf intelligentes Licht zu setzen.

Das müsse nicht viel kosten, sagt er. Die Stadt solle bei anstehenden Sanierungen konsequent die Lichtverschmutzung berücksichtigen. Auch Schatz – der das Thema Lichtemissionen auch als Gemeinderat (GLP) in Langnau am Albis beackert – propagiert die Verbreitung intelligenter Lösungen. «Das beobachtende Licht ist schon lange marktreif, ich weiss nicht, wieso da nicht schneller vorwärtsgemacht wird.»