Birmensdorf

Der Herbstmarkt von Birmensdorf ist gerettet – zumindest vorerst

«Wichtiger Stellenwert»: Der Herbstmarkt in Birmensdorf.  ni

«Wichtiger Stellenwert»: Der Herbstmarkt in Birmensdorf. ni

Doris Eisenegger springt voruübergehend als Organisatorin für den Herbstmarkt im Gemeindezentrum Birmendsdorf ein. Die 63-Jährige sieht für den Markt aber wenig Zukunft.

Der Birmensdorfer Gemeindepräsident Werner Steiner muss sich vorgekommen sein wie ein Marktfahrer, der einen Ladenhüter anpreist: Monatelang suchte er vergeblich nach einer Nachfolge für die zurückgetretene Organisatorin der traditionellen Dorfmärkte auf dem Wüeriplatz und beim Gemeindezentrum Brüelmatt. Zizi Catellani hatte das Amt per Ende 2010 aufgegeben und durchblicken lassen: Das Marktangebot entspricht nicht mehr dem Zeitgeist. Die tiefe Besucherzahl war für sie und für die Marktfahrer ein Frust.

Inzwischen hat Steiner eine Abnehmerin für das schwierige Amt gefunden: Sie heisst Doris Eisenegger und hat die Dorfmärkte bereits zwischen 2002 und 2006 auf die Beine gestellt. Die 63-Jährige stellt allerdings klar, dass sie die Aufgabe nur dieses Jahr übernimmt, und zwar ausschliesslich für den Herbstmarkt im Gemeindezentrum: «Ich habe zugesagt, weil die Gemeinde keine andere Organisatorin gefunden hat. Ich war sozusagen die letzte Rettung.» Nun habe die Gemeinde ein Jahr Zeit, eine definitive Lösung für die Marktorganisation zu finden.

Froh um Chance

Gemeindepräsident Steiner zeigt sich erleichtert über diese Chance: «Wir sind sehr froh, dass Doris Eisenegger eingesprungen ist.» Der Herbstmarkt habe für die Gemeinde einen wichtigen Stellenwert, so Steiner. Gäste des Neuzuzügerempfangs und der Jungbürgerfeier werden jeweils zum Anlass eingeladen und von einem der Dorfvereine bewirtet. «Wo soll ich sonst mit rund 100 Personen essen gehen, wenn nicht an unserem Herbstmarkt?», fragt der Gemeindepräsident und fügt an: «Die Marktfahrer profitieren von diesen beiden Gemeindeanlässen. Wir möchten diese Synergie nicht aufgeben.»

Ausgemustert werden hingegen zwei traditionelle Dorfmärkte auf dem Wüeriplatz im Zentrum der Gemeinde: der Ostermarkt, der bereits dieses Jahr ausfiel, und der Oktobermarkt, der schon länger nicht mehr stattgefunden hat. «Solange ich keine definitive Nachfolge für die Organisation habe, will ich diese Märkte nicht wiederbeleben», so Steiner.

Weitere Argumente sprechen laut dem Gemeindepräsidenten gegen diese Anlässe: Weil auf dem Wüeriplatz ein Café geplant ist (az Limmattaler Zeitung berichtete), müsste ein neuer Marktstandort gesucht werden. Zudem habe sich das klassische Angebot der Märkte – viel Selbstgemachtes und Geschenkartikel – «totgelaufen». Zwei Hoffnungen bleiben: Das Schicksal des Adventsmarktes sei noch nicht besiegelt, sagt Steiner. Zudem könne er sich eine Wiederbelebung der anderen Märkte vorstellen, wenn sich ein motivierter Organisator melde.

Weniger interessierte Marktfahrer

Wenig Hoffnung für die Zukunft der Birmensdorfer Dorfmärkte äussert Doris Eisenegger. Für den Herbstmarkt hätten sich bisher erst zwölf Marktfahrer angemeldet – früher habe sie bis zu 40 Marktstände gefüllt, so die Organisatorin. Für das schwindende Interesse zeigt sie Verständnis: «Ich begreife die Marktfahrer: Es ist ein riesiger Aufwand, der mit einem kleinen Ertrag belohnt wird. Man muss den Markt als Hobby oder als Werbeplattform betrachten, um nicht frustriert zu sein.»

Trotz der negativen Langzeitprognose gibt Eisenegger noch einmal alles, um den Herbstmarkt attraktiv zu gestalten: Sie hat Märchenstunden für die Kleinen organisiert, und «mit grosser Wahrscheinlichkeit» wird eine Fallschirmspring-Show für Nervenkitzel sorgen. Damit der Herbstmarkt 2011 auch bei den Verkäufern in guter Erinnerung bleibt, appelliert die Organisatorin an potenzielle Besucher: «Kommen Sie und schauen Sie sich das Angebot der Stände ungeniert an. Das motiviert die Marktfahrer, auch wenn man für einmal nichts kauft.»

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