Andere Sicht
Der Gubrist ist mehr als nur eine ärgerliche Röhre

Den Gubrist verbinden die meisten Schweizerinnen und Schweizer mit Verkehrschaos. Doch der verkannte Berg hat auch andere Seiten. Auf dem Gubrist kann man seine Ruhe haben. Verschiedene Wanderwege laden zu einer Entdeckungstour ein.

Sandro Zimmerli
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Rund um den Gubrist bieten sich viele Wandermöglichkeiten
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Kaum hat man Oberengstringen verlassen, taucht man in eine andere Welt ein
Rund um den Gubrist
vorsicht vor den Bienen ist geboten
Auf dem Gipfel ist es ruhig

Rund um den Gubrist bieten sich viele Wandermöglichkeiten

Sandro Zimmerli

Der Gubrist hat es wahrlich nicht leicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Sein Ruf ist schlecht. Die täglichen Staumeldungen im Radio machen ihn zum Ärgernis der Autofahrer. Der Tunnel zwischen Weiningen und Zürich-Affoltern ist das Nadelöhr der Zürcher Nordumfahrung und, von wenigen Ausnahmen abgesehen, überlastet.

Reduziert man den Berg jedoch nicht auf die verstopfte Röhre, die ihn durchschneidet, und gibt ihm eine Chance, lassen sich überraschende Entdeckungen machen. Dafür muss man das Auto in der Garage stehen lassen und sich die Wanderschuhe schnüren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Berg und seine Schönheiten zu erkunden. Ein steiler, aber auch direkter Weg führt vom Oberengstringer Zentrum die Ankenhofstrasse hinauf am Reservoir Lochholz vorbei geradewegs an den Waldrand. Dabei passiert der Wanderer eine noch junge Birnbaumallee. Sie wurde 2008 mithilfe der Oberengstringer Bevölkerung gepflanzt. Initiiert wurde die Aktion damals vom «Glühwürmchen-Projekt». Ziel war es, einerseits Lebensraum für Tiere, neben dem Glühwürmchen vor allem für Vögel, zu schaffen. Andererseits wurde die alte Allee wieder hergestellt (siehe Box).

Von den Birnbäumen sind es wenige Minuten bis zur Feuerstelle Glaubeneich, die zu einer Rast einlädt. Neben verschiedenen Sitzgelegenheiten befindet sich dort auch eine Waldhütte, die man auf der Gemeinde Regensdorf für Anlässe mieten kann.

Ganz ohne Erinnerungan das Bauwerk im Inneren des Berges kommt man von der Glaubeneich nicht auf den Gubristgipfel. Auf halbem Weg ragt die riesige Abluftanlage des Tunnels in den Himmel. Ihrer Form nach könnte sie schon fast als moderne Kirche durchgehen.

Auf dem Gipfel zeugt ein Sendemast von der nahen Zivilisation. Dort oben auf der Lichtung zeigt der Wegweiser 609 Meter an. Bis zum höchsten Punkt fehlen jedoch noch 6 Meter. Er ist allerdings nicht auf einem ausgebauten Weg erreichbar. Am besten lässt er sich mit einem GPS-Gerät orten.

Den Abstieg durch den kühlen Wald zu den Rebbergen von Weiningen hat man schnell geschafft. Von dort eröffnet sich dem Wanderer eine grossartige Aussicht auf das Limmattal. Auf dem Weg zurück Richtung Oberengstringen passsiert man den Unterengstringer Bürgerplatz, wo alljährlich an Mittefasten die Bürgeraufnahme der Gemeinde über die Bühne geht. Der kleine Platz wartet mit einer Besonderheit auf. Ein Grenzstein mit dem Gemeindewappen, der Jahreszahl 1977 und der Bezeichnung N20 erinnert an den erfolgreichen Kampf der Unterengstringer gegen ein geplantes Lüftungswerk des Gubristtunnels im Quellwassergebiet der Gemeinde.

Einer weiteren Besonderheit begegnet der Wanderer etwas weiter unten am Waldeingang oberhalb Unterengstringen. Dort steht die «dicke Berta». Sie war mindestens 185 Jahre alt, als sie 1977 infolge anhaltender Regenfälle auf das benachbarte «Elmerhaus» stürzte und die Sparrenbergstrasse versperrte. Seither liegt ein Teil des Stammes der einst mächtigen Eiche neben dem Maienbrunnen. Der Baum ist besonders bei Kindern als Klettergerät beliebt.

Vorbei am Gut Sonnenberg und einem kleinen Bienenhaus erreicht der Wanderer wieder die Birnbaumallee. Nun geht es wieder hinunter – zum Verkehr.