Die Kinder, deren Eltern sich am Dienstagabend auf Einladung der Schulpflege Dietikon im Stadthaus versammelten, sind derzeit knapp drei Jahre alt. Ganze zwei Jahre dauert es noch, bis sie den ersten Kindergarten besuchen werden. Dennoch warb die Veranstaltung der Schule Dietikon mit dem Motto «Schulerfolg ist kein Zufall».

Gespannt, aber auch ein wenig skeptisch erwarteten die Eltern die Präsentation des neuen Konzeptes. Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani ergriff als erster das Wort und klärte eines schon vorweg: «Es geht uns nicht um Buchstaben- oder Zahlendrill. Es geht uns darum, Ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Sie ihre Kinder im Alltag ideal auf den Kindergarten vorbereiten können.» Denn Schulerfolg sei durchaus planbar.

Alltag ist entscheidend

Der frappante Unterschied an kognitiven, sozialen, motorischen und sprachlichen Fähigkeiten der Kinder bei Kindergarteneintritt ist der Grund für die Lancierung des Pilotprojekts «Schulerfolg ist kein Zufall.» An Informationsveranstaltungen sollen die Eltern umfassend über ihre Möglichkeiten und ihre Verantwortung für die Förderung ihrer Kinder aufmerksam gemacht werden. «Die ersten Lebensjahre sind zentral für die weitere Entwicklung», sagte Gerold Schoch, Leiter der Schulabteilung. Da Eltern das erste Lernumfeld für Kinder sind, gehe es vor allem um die optimale Gestaltung des Alltags.

Um die Theorie zu illustrieren, wurden den Eltern kurze Filmsequenzen der Zürcher Bildungsdirektion präsentiert. Diese zeigten Kinder von zwei bis vier Jahren in verschiedenen Alltagssituationen. Die Filme sollten den Eltern aufzeigen, wie sie ihre Kinder in jeder Beziehung fördern können. Konkret war etwa zu sehen, wie Kinder gemeinsam mit einem Elternteil Lego spielen, das Mittagessen vorbereiten oder die Wäsche aufhängen. Zwischen den einzelnen Videos gaben Kindergärtnerinnen und Kindergärtner weitere Inputs und Ideen für die Einbindung der Kinder im Alltag. Dafür, dass alle Eltern die Filmsequenzen in ihrer Muttersprache sehen konnten, sorgten verschiedene Sprachgruppen.

In gut einem Jahr werden dieselben Eltern erneut von der Schule Dietikon eingeladen. Dann sollen sie zusammen mit ihrem Kind den Kindergarten besuchen, so Schoch. «Der zweite Anlass ist handlungsorientiert: Lehrpersonen zeigen vor Ort Spiele und Aktivitäten, die die Kinder bei ihrer Entwicklung unterstützen.»

«Bestätigt in dem, was ich tue»

Nach Ende der Veranstaltung trafen bei einem Apéro die verschiedenen Sprachgruppen wieder aufeinander. Das Gesehene und Gehörte wurde unter den Eltern rege diskutiert. «Ich fühle mich bestätigt in dem, was ich bereits jeden Tag tue», sagt Hasije Useini. Dennoch sei es gut gewesen, wieder einmal daran erinnert zu werden, wie wichtig die Förderung des Kindes im Alltag sei. «Vielleicht werde ich mich in der einen oder anderen Situation an diesen Abend zurück erinnern», so die Mutter.

Lorenta Bartucca ist der Meinung, ihr Kind bereits optimal zu fördern. «Man darf die Kinder nicht unterschätzen. Sie lernen so schnell und gerne», sagt sie. Ihre Kollegin Natascha D’Amore stimmte ihr zu und fügte an: «Für Eltern, die sehr viel arbeiten und wenig Zeit für ihre Kinder aufwenden, war dieser Anlass sicher ein Wachrütteln. Und für jene Eltern, die ihr Kind bereits optimal unterstützen, war es schön zu sehen, bereits vieles richtig zu machen.»