Grüner Güggel

Der «Grüne Güggel» ist ihr Ziel — sie wollen ökologischer werden

Für die Umweltbestandsaufnahme werden ökologisch relevante Daten der Kirchgemeinden gesammelt. So auch in der reformierten Kirche Schlieren.

Für die Umweltbestandsaufnahme werden ökologisch relevante Daten der Kirchgemeinden gesammelt. So auch in der reformierten Kirche Schlieren.

Mit dem Umweltmanagementsystem wollen die reformierten Kirchgemeinden Dietikon, Schlieren und Weiningen ökologischer werden.

Wer den Klimawandel abschwächen will, muss sich handfeste Taten überlegen. Ob Städte, Grosskonzerne oder Privatpersonen, jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Ende letzten Jahres haben die drei reformierten Kirchgemeinden Dietikon, Schlieren und Weiningen – zu der auch Oetwil, Geroldswil und Unterengstringen gehören – beschlossen, das Label «Grüner Güggel» anzustreben. Ökologisch ineffiziente Prozesse in den Kirchgemeinden sollen durch systematisches Umweltmanagement erkannt und vermindert werden. Führen die Kirchgemeinden diese Abläufe korrekt ein, erhalten sie das Label «Grüner Güggel». Dieses wird vom Verein Oeku Kriche und Umwelt vergeben, der sich für einen besseren Umgang der Kirchgemeinden mit der Umwelt einsetzt.

«Wir sind erst am Anfang des Prozesses», sagt Heinrich Brändli. Er ist Kirchgemeindeschreiber in Dietikon, Schlieren und Weiningen. Brändli hat 2017 den von Oeku organisierten Lehrgang «Kirchliches Umweltmanagement» abgeschlossen. Als einer von insgesamt 37 Umweltberatern kann er die Kirchgemeinden beim Aufbau eines Umweltmanagementsystems unterstützen. In dieser Funktion begleitet er auch das Projekt der drei Limmattaler Kirchgemeinden. Zusammen mit Kirchenpflegerin Anke Hannemann aus Oetwil leitet er das Umweltteam, das für die Durchführung des Projekts zuständig ist. Das Grüner-Güggel-Label können sie aber erst nach einer Überprüfung eines externen Revisors erhalten. «Wir hoffen, bis Ende Jahr zertifiziert zu werden. Anfang 2021 liegt auch im zeitlichen Rahmen», sagt Brändli. Ausserdem haben sich die Kirchgemeinden vorgenommen bis 2025 CO2-neutral zu sein. Da sie weiterhin CO2 produzieren, soll die entstandene Menge kompensiert werden. «Kompensationszertifikate sind aber keine Lösung. Lieber unterstützen wir konkrete Projekte in der Region wie zum Beispiel Aufforstungen», sagt Brändli.

Das Umweltteam arbeitet an Schöpfungsleitlinien

Für das Label «Grüner Güggel» müssen die Kirchgemeinden in zehn Schritten eine strukturierte Erfassung ihres ökologischen Fussabdrucks angehen und Massnahmen zur Verbesserung umsetzen. Mit der Einführung des sogenannten Umweltmanagementsystems sollen die Kirchgemeinden nachhaltig umweltfreundlicher werden. Zurzeit arbeitet das Umweltteam an den Schöpfungsleitlinien. Darin werden die Frage, wie mit der Schöpfung umgegangen werden soll, beantwortet und die langfristigen Zielvorstellungen der Kirchgemeinden hinsichtlich des Umweltmanagements festgelegt. «Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da sich die theologischen Ansichten der Kirchgemeinden unterscheiden. Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden ist uns aber wichtig. Deshalb wollen wir gemeinsame Schöpfungsleitlinien finden», sagt Brändli. 

Ein wichtiger Schritt wird die Umweltbestandsaufnahme sein. Darin werden Strom- und Wasserverbrauch sämtlicher Gebäude sowie weitere ökologisch relevante Daten aus den letzten Jahren in ein Programm eingespeist. So können die Kirchgemeinden ihren Einfluss auf die Umwelt einschätzen und wirksame Massnahmen gegen negative Auswirkungen ableiten. «Am Anfang werden wir viele Dinge verbessern können. Schon kleinere Veränderungen wie ein ökologisches Putzmittel oder sparsamere Wasserhähne zeigen ihre Wirkung. Auch die alten Kirchgebäude müssten wohl saniert werden», sagt Brändli. Die Sanierungsarbeiten könnten wegen des Denkmalschutzes und der hohen Kosten schwierig zu realisieren sein. Bei grösseren Investitionen müsse man abwägen und eine gute Mischung aus Ökologie und Wirtschaftlichkeit finden. Ausserdem könnten nicht alle Probleme gleichzeitig behoben werden. Ziel des Umweltmanagementsystems ist es, dass man den Überblick behält und sich Jahr für Jahr verbessern kann. «Es ist ein grosses Puzzle, das sich aus vielen verschiedenen Massnahmen zusammensetzt», sagt Brändli.

Heinrich Brändli Kirchgemeindeschreiber in Dietikon, Schlieren und Weiningen

Heinrich Brändli Kirchgemeindeschreiber in Dietikon, Schlieren und Weiningen

Bis jetzt tragen 22 Kirchgemeinden aus der ganzen Schweiz das Grüner-Güggel-Label. Die erste Zertifizierung erfolgte im September 2015. Zirka 20 weitere Gemeinden sind daran, es zu erhalten. «Grüner Güggel» folgte den Labels «Grüner Hahn» und «Grüner Gockel» aus Deutschland. Die Idee dieser Prozesslabels ist, dass sich die Kirchgemeinden immer wieder mit der Umwelt auseinandersetzen müssen. Jedes Jahr informiert das Umweltteam die kirchliche Behörde über das Umweltmanagement. Ausserdem wird alle vier Jahre das Umweltmanagementsystem überprüft und erneut zertifiziert. Weil die möglichen Massnahmen bei jeder Kirchgemeinde verschieden sind, liegt der Fokus stärker auf den Strukturen und Prozessen als auf den Resultaten. Kurt Aufdereggen, Umweltbeauftragter der Oeku, hat eine passende Metapher: «Wenn wir sicherstellen, dass der Gärtner arbeitet, werden auch Blumen wachsen.»

Brändli freut sich auf das Projekt der drei Limmattaler Kirchgemeinden: «Wir haben viel positives Feedback von unseren Mitgliedern erhalten.» Mit Hilfe des Umweltmanagementsystems soll aber primär der interne Betrieb der Kirchgemeinden umweltfreundlicher gestaltet werden. «Wenn dadurch auch andere Menschen anfangen, ihren Umgang mit der Umwelt zu verändern, wäre das natürlich sensationell», sagt Brändli.

Keine Kirchgemeinde im Limmattal trägt das Label

Bis jetzt trägt auch keine der anderen Limmattaler Kirchgemeinden das Label «Grüner Güggel». Die reformierte Kirchgemeinde Urdorf habe eine Zertifizierung diskutiert, sagt die Kirchenpflegepräsidentin Nicole Raisle Messmer. Weil in den nächsten Jahren eine grössere Renovation geplant ist, kommt die Zertifikation momentan nicht in Frage. Unabhängig davon wolle die Urdorfer Kirchgemeinde den Betrieb möglichst umweltschonend gestalten, sagt Raisle Messmer.

Für die Kirchgemeinde Uitikon ist die Zertifizierung kein Thema. «Die Infrastruktur der Kirchgemeinde ist zu wenig umfangreich. Der Aufwand und die Kosten für eine Zertifizierung lohnen sich daher nicht», sagt die Kirchenpflegepräsidentin Janine Siegfried. Trotzdem würden sie sich umweltbewusst verhalten, indem sie beispielsweise Abfall trennen oder keine exotischen Pflanzen wachsen lassen. «Das funktioniert auch ohne ‚Grüner Güggel‘ einwandfrei», sagt Siegfried.

«Die neue Kirchenpflege wird sich voraussichtlich ziemlich bald mit der Frage des ‘Grünen Güggels‘ beschäftigen», sagt Fabian Kramer, Medienverantwortlicher der reformierten Kirchgemeinde der Stadt Zürich, der auch Oberengstringen angehört. Die Kirchenpflege ist im November letzten Jahres gewählt worden und komme am 1. April erstmals zusammen. Doch schon heute bemühe sich die Kirchgemeinde beim Umweltschutz. So wurde kürzlich der Beitritt zur «Blue Community» beschlossen, die sich unter anderem für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser einsetzt.

In Bergdietikon wurde die Kirchenpflege letztes Jahr über das Konzept «Grüner Güggel» informiert. Bis jetzt steht noch nicht fest, ob sie die Zertifizierung anstreben will. «Wir haben es noch nicht ausdiskutiert. Im August haben wir eine Sitzung, an der das Label wieder Thema sein wird», sagt Bruno Bassi. Als Kirchenpflegemitglied ist er zuständig für Liegenschaften und musikalische Beiträge. Die Umwelt sei in der Kirchgemeinde immer ein Thema. So würde zum Beispiel bei Mitarbeiteressen kein Wegwerfgeschirr, sondern solches aus Porzellan verwendet.

Die Kirchgemeinde Birmensdorf-Aesch konnte die Fragen der Redaktion wegen Ferienabwesenheit der zuständigen Personen nicht beantworten.

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