Fussball
Der grösste Lohn ist der Dank der Spieler

Der Urdorfer Alex De Lorenzi ist Schiedsrichter und leitet mitunter auch Partien, die sehr emotional werden.

Michel Sutter (Text und Foto)
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Mittendrin – Alex De Lorenzi (im grünen Trikot) beim Spiel zwischen Wettswil-Bonstetten und Frick.

Mittendrin – Alex De Lorenzi (im grünen Trikot) beim Spiel zwischen Wettswil-Bonstetten und Frick.

Michel Sutter(msu)

«Niemals, Schiri!», sagt ein Spieler des FC Frick zu Alex De Lorenzi. Der Urdorfer Schiedsrichter hat ein Foul gepfiffen, nachdem der Fricker seinen Gegenspieler vom FC Wettswil-Bonstetten in den Rücken gestossen hat. Nun gibt es Freistoss in diesem 2.-Liga-Trainingsspiel. Der Fricker Spieler schüttelt nochmals den Kopf, bleibt aber ruhig.

«Niemals, Schiri» – das bekommt De Lorenzi praktisch in jedem Spiel zu hören. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Meisterschafts- oder ein Trainingsspiel handelt. «Trainingsspiele zu leiten, ist sogar die grössere Herausforderung», sagt der 25-Jährige. «Die Spieler haben eine andere Erwartung, also etwa, dass man etwas lockerer pfeift.» Als Schiedsrichter wolle er auch nicht unbedingt Karten verteilen, da diese für die Spieler Geldstrafen zur Folge haben. «Man muss aber auch aufpassen, dass man nicht die Kontrolle über die Partie verliert», so De Lorenzi. «Wenn es also ein gelbwürdiges Foul gibt, ahnde ich das auch – Trainingsspiel hin oder her.»

Seit zehn Jahren ist De Lorenzi mittlerweile Schiedsrichter. An seinem 15. Geburtstag schloss er den Schiedsrichter-Grundkurs in Filzbach ab. «Ich wollte immer Schiedsrichter sein, auch auf dem Pausenplatz», so De Lorenzi. «Meine jüngeren Brüder haben bei den F- und E-Junioren gespielt. Darum ging ich an einige Turniere mit und wurde oft vom Trainer gefragt, ob ich den Torwart einspielen könne. So kam ich zum FC Urdorf.» Dort wollte man ihm eine Mannschaft geben, als er 16 Jahre alt war. Aber er lehnte ab. «Ich hatte noch viele andere Hobbys und wollte diese nicht aufgeben», sagt er. «Trotzdem wollte ich dem Verein weiterhin etwas bieten und begann, die Laufkoordination mit allen Mannschaften zu trainieren.» Damit kennt sich De Lorenzi aus, schliesslich ist seine grosse Leidenschaft auch die Leichtathletik.

Die Laufkoordination übernahm De Lorenzi später auch in der Academy des FC Zürich. Dort war er zwei Jahre engagiert. Dennoch fungierte er weiterhin als Unparteiischer. Mittlerweile ist De Lorenzi als Schiedsrichter für die 2. Liga qualifiziert und als Schiedsrichterassistent für die 2. Liga interregional. Dort möchte der diplomierte Experte Anästhesie noch Hauptschiedsrichter werden.

Den Traum von einer Karriere als Profischiedsrichter habe er nie richtig geträumt. Zu viel Zeit hätte er in dieses Vorhaben investieren müssen. «Ich hätte dafür all meine anderen schönen Hobbys aufgeben müssen», sagt De Lorenzi, der unter anderem auch noch bei der freiwilligen Feuerwehr und im Samariterverein tätig ist. «Heute geniesse ich meine Freiheiten.»

In seiner bisherigen Schiedsrichterkarriere hat er einige knifflige Situationen erlebt. Auch im Spiel in Wettswil kommt es zu einer solchen, als ein Fricker Spieler in den Strafraum des Heimteams vordringt und dann zu Fall kommt. Der angeblich Gefoulte rennt auf den Schiedsrichterassistenten zu und protestiert lautstark. De Lorenzi bekommt die Szene mit. Ein heikler Moment für die Unparteiischen. «In dem Moment, in dem ein Spieler auf den Assistenten einredet, ist dieser abgelenkt», sagt er. «Da muss ich als Schiedsrichter besonders konzentriert bleiben, damit ich etwa eine Abseitsposition erkenne.»

Polizeieinsatz auf dem Juchhof

Solche Situationen sind eine Herausforderung für jeden Schiedsrichter. Doch noch schwieriger ist der Umgang mit einem Teil der Zuschauer, besonders als Schiedsrichterassistent. «In der 2. Liga interregional hat man die Zuschauer als Assistent direkt im Rücken», so De Lorenzi. «Da ist man ihnen komplett ausgeliefert.» Beinahe eskaliert sei einmal eine Partie auf dem Juchhof. Dort leitete De Lorenzi ein 3.-Liga-Spiel und zog den Unmut eines Teils der Zuschauer auf sich. «Das waren wohl die Eltern der Spieler», sagt er. «Sie haben mich erst beschimpft und dann angefangen, Fotos und Videos von mir zu machen.» Das Ganze gipfelte in einem Polizeieinsatz, und das, obwohl die Spieler zuvor schon deeskalierend auf die Zuschauer eingewirkt hatten. «Wären die Spieler nicht gewesen», so De Lorenzi, «wäre ich womöglich körperlich angegangen worden.»

Die Freude an der Leitung von Fussballspielen überwiegt bei De Lorenzi aber. «Es macht ja grundsätzlich immens Spass und hält einen fit», sagt er. «Man kann zu einem gelungenen Nachmittag mit Fussball beitragen. Und vor allem in den Plausch-Ligen, etwa bei den Senioren, gibt es nach dem Match auch noch ein Getränk mit den Spielern als Dankeschön.»

In Wettswil haben sich die Spieler beider Teams nach der Partie bei De Lorenzi bedankt. Für den Schiedsrichter eine wichtige Geste. «Das ist der Grundlohn für den Schiedsrichter», sagt De Lorenzi. «Wenn ich den bekomme, bin ich zufrieden.»

Das ist der erste von zwei Teilen über Alex De Lorenzi. Im zweiten Teil vom Donnerstag berichtet er über die Voraussetzungen, die ein Schiedsrichter mitbringen muss.