Dietikon
Der grösste Kritiker übernimmt das Dietiker Sozialressort

Der neu in den Stadtrat gewählte Roger Bachmann (SVP) ist einer der grösster Kritiker des Sozialressorts. Seit Montag steht er ihm nun selber vor.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Dietiker Stadtrat hat sich konstituiert (v.l): Rolf Schaeren (CVP), Esther Tonini (SP), Roger Bachmann (SVP), Jean-Pierre Balbiani (SVP), Otto Müller (FDP), Heinz Illi (EVP), Roger Brunner (SVP)

Der Dietiker Stadtrat hat sich konstituiert (v.l): Rolf Schaeren (CVP), Esther Tonini (SP), Roger Bachmann (SVP), Jean-Pierre Balbiani (SVP), Otto Müller (FDP), Heinz Illi (EVP), Roger Brunner (SVP)

Bettina Hamilton-Irvine

Der Dietiker Stadtrat hat sich gestern für die kommenden vier Jahre konstituiert. Der einzige neu gewählte Stadtrat, Roger Bachmann (SVP) übernimmt das Sozialressort, das durch den Rücktritt von Johannes Felber (CVP) frei geworden ist. Ansonsten kommt es zu keinen Rochaden.

Dass Bachmann das Sozialressort übernimmt, ist nicht überraschend. Da Neuzugänge in der Exekutive im Normalfall die Ressorts übernehmen müssen, die ihnen zugeteilt werden und die Bisherigen eher selten ihre Ressorts abgeben wollen, war diese Besetzung zu erwarten. Interessant ist sie aber aus einem anderen Grund: Bachmann, der vorher 13 Jahre lang Gemeinderat war, ist in den letzten Jahren zum schärfsten Kritiker der Sozialabteilung geworden.

Forderung nach Sozialdetektiv

So forderte er als Gemeinderat letztes Jahr – erfolglos – einen Dietiker Sozialdetektiv. Zudem wollte er den Stadtrat dazu bringen, aus der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) auszutreten. Dabei unterstützte ihn zwar das Parlament, der Stadtrat sperrte sich aber dagegen.

Und an einem Podium mit den Stadtratskandidierenden sagte Bachmann, immer spreche man nur von den «armen Sozialhilfebezügern», dabei müsse in der Schweiz niemand unter dem Existenzminimum leben: «Arbeit lohnt sich nicht mehr. Von den armen Steuerzahlern spricht niemand», so Bachmann.

Unter spezieller Beobachtung

Er sei sich bewusst, dass er aufgrund seiner Kritik nun wohl unter spezieller Beobachtung stehen werde, sagte Bachmann gestern gegenüber der Limmattaler Zeitung. Doch damit könne er umgehen: Wer Kritik übe, dürfe sich nicht beklagen, wenn man ihm selber ebenfalls auf die Finger schaue. Auf die Frage, ob er mit seinem Ressort zufrieden sei, sagte Bachmann: «Ich bin mir bewusst, dass es ein schwieriges Ressort ist. Trotzdem freue ich mich wirklich auf die Arbeit.»

Es gehe darum, sowohl den Schwächsten die Hilfe zukommen zu lassen, die ihnen zustehe, als auch gleichzeitig die Steuerzahler zu respektieren und zu versuchen, die schwierige finanzielle Situation der Stadt in den Griff zu bekommen.

«Wir setzen auf Kontinuität»

Die anderen sechs Exekutivmitglieder behalten ihre bisherigen Ressorts: Stadtpräsident Otto Müller (FDP) steht der Präsidialabteilung vor, Jean-Pierre Balbiani (SVP), der weiterhin 1. Vizepräsident ist, bleibt Schulpräsident. Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP) wird neu 2. Vizepräsident. Heinz Illi (EVP) steht der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung vor, Roger Brunner (SVP) dem Infrastrukturressort und Esther Tonini (SP) bleibt Hochbauvorsteherin.

«Wir setzen auf Kontinuität und Erfahrung», sagte Stadtpräsident Müller anlässlich einer Medienorientierung am Montagabend. Da diverse wichtige Projekte anstünden, erachte man dies als den richtigen Weg, so Müller: «Wir wollen auf den bestehenden Netzwerken aufbauen.»