Limmattal
Der Grosshandel fördert die Arbeitslosigkeit

Im vergangenen Jahr war der Bezirk Dietikon im kantonalen Vergleich einer der am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffenen. Dabei variierte die Quote zwischen den einzelnen Gemeinden stark.In Städten ist die Quote hoch, in Dörfern eher tief

Florian Niedermann
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Dietikon ist stark von der Arbeitslosigkeit betroffen (Symbolbild)

Dietikon ist stark von der Arbeitslosigkeit betroffen (Symbolbild)

Keystone

Während in Gemeinden wie Oetwil, Birmensdorf und Aesch kaum jemand ohne Beschäftigung war, wiesen die Städte Dietikon und Schlieren einen besonders hohen Anteil an Arbeitslosen aus.

Die Arbeitslosenquote im Kanton sank im vergangenen Jahr saisonbedingt von Januar bis Juni von 3,0 auf 2,8 Prozent. Bis Ende Jahr stieg sie wieder auf 3,3 Prozent an. Fast parallel dazu entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Bezirk Dietikon. Hier lag der Tiefststand im Juni bei 3,8 Prozent, bevor die Quote bis zum Jahresende wieder auf 4,4 Prozent anstieg.

Der Grund für diese Wellenbewegung liegt laut Peter Greif, dem Leiter des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV), vor allem in der saisonalen Arbeitsmarktentwicklung in der Baubranche: «Wir stellen immer im November einen starken Zufluss von Arbeitslosen aus dem Bausektor fest. Anfang März finden sie aber meist wieder eine Stelle in ihrem Beruf.»

Weiterer Anstieg zu erwarten

Sowohl auf kantonaler Ebene als auch im Bezirk rechnet man nicht damit, dass die Arbeitslosigkeit wie im letzten Jahr in den kommenden Monaten sinken wird. Im Gegenteil: Das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) geht sogar von einem weiteren Anstieg aus. Der Grund: Zum Einen findet in der Bankenbranche eine Umstrukturierung statt, die viel Personal seine Stelle kosten wird. Zum Anderen führen die verstärkte Konkurrenzsituation und die verlängerten Öffnungszeiten im Grosshandel dazu, dass Arbeitgeber vermehrt Teilzeitstellen anbieten. Das hat einem Anstieg der Teilzeitarbeitslosigkeit zur Folge. «Während der letzten sieben Monate nahmen die Anmeldungen von Teilzeitarbeitslosen im Bezirk stark zu», sagt Greif. Dies habe mit der hohen Konzentration von Grosshändlern in Schlieren und Dietikon zu tun.

Die Umstrukturierung im Bankensektor ist derzeit noch nicht stark spürbar. «Diese Entwicklung hat eine längere Vorlaufzeit. Die Angestellten im Bankensektor haben meist Arbeitsverträge mit langen Kündigungsfristen und manchmal darüber hinaus individuelle Verlängerungsklauseln», erklärt Greif. Diese Kündigungen würden deshalb wohl erst Mitte des Jahres spürbar.

Dass der Bezirk im kantonalen Vergleich derart schlecht abschneidet, hat in erster Linie mit der sozialen Struktur in den beiden Städten Dietikon und Schlieren zu tun. Hier findet sich ein besonders grosser Bevölkerungsanteil aus jenen Gruppen, die stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind: «Es sind dies vor allem Personen ohne Ausbildung und solche mit schlechten Deutschkenntnissen.»

Das RAV des Bezirks hat deshalb neben dem regulären Instrumentarium zur Unterstützung von Arbeitslosen spezielle Angebote für diese Zielgruppen geschaffen. Im Stellenbewerbungsbüro werden sie beispielsweise beim Erstellen ihrer Bewerbungsunterlagen unterstützt. Für Arbeitslose, die zu Hause über keinen Computer verfügen, stellt das RAV Geräte bereit, an denen sie den Stellenmarkt bearbeiten können. Dazu kommen Kurse, die spezifisch auf Ausbildungslose und Sprachschwache ausgerichtet sind.

Europäischer Vergleich relativiert

Die Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent, die der Kanton Zürich Ende Dezember 2012 aufwies, sei im europäischen Vergleich nicht zu dramatisieren, sagt Greif: «Diese Quote kommt volkswirtschaftlich gesehen einer Vollbeschäftigung gleich.» Europaweit stehe die Schweiz in Bezug auf den Beschäftigungsgrad noch immer an erster Stelle. «Natürlich ist aber jeder Arbeitslose einer zu viel. Wir sind deshalb froh, dass wir ein gutes Förderungsinstrumentarium zur Verfügung stellen können.»