Adrian Leimgrübler ist erst der zweite Statthalter des Bezirks Dietikon. Sein Amt trat der 53-jährige Jurist 2001 an. Er folgte damals auf Werner Pagnoncini, der am 5. März 1989 zum ersten Statthalter gewählt worden war. Für Leimgrübler hat sich seither vieles geändert.

Trotz Ablehnung der Limmattaler Bevölkerung wurde der Bezirk Dietikon gegründet. Hat es sich gelohnt?

Adrian Leimgrübler: Ja, es hat sich definitiv gelohnt. Die Behörden und Gemeinden haben eine gemeinsame Identität entwickelt. Nur schon deshalb hat sich die Gründung des Bezirks gelohnt. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau, insbesondere mit den Nachbargemeinden Spreitenbach und Bergdietikon, ist enger geworden.

Ein Grund für die damalige Ablehnung war, dass sich Gemeinden wie Birmensdorf, Uitikon und Aesch nicht zum Limmattal zugehörig fühlten. Das dürfte sich inzwischen geändert haben?

Das hat sich tatsächlich geändert. Man spürt, dass die Behörden miteinander zusammenarbeiten. Das liegt auch daran, dass einige Gemeinden ähnliche Probleme haben, die oft nur gemeinsam gelöst werden können. Der Verkehr, auch der Flugverkehr, ist ein Beispiel dafür. Der Bezirk ist eine Einheit geworden.

War das früher nicht der Fall?

Die Stadt Zürich war damals der übermächtige Kollege. Nun ist diese den Bezirk dominierende Stadt «weggefallen». Das hat zu einem stärkeren Zusammenhalt unter den Gemeinden geführt.

Welche Vorteile bringt der Bezirk Dietikon den Einwohnern gegenüber der Zeit, als man noch zum Bezirk Zürich gehörte?

Der grosse Unterschied zu früher ist die Bürgernähe. Die Leute müssen nun nicht mehr nach Zürich, wenn sie ein Anliegen haben. Jetzt befinden sich sämtliche Behörden in der Nähe. Die Leute können vorbeikommen oder anrufen, wenn sie ein Anliegen haben. Früher war das komplizierter und anonymer. Man musste sich durchfragen, bis man bei der gewünschten Behörde landete. Das Bezirksgebäude, das alles unter einem Dach vereint, symbolisiert diesen Wandel.

Wie wird der Bezirk Dietikon im Kanton wahrgenommen?

Grundsätzlich wird ein Gebilde, wie ein Bezirk es ist, nicht als solches wahrgenommen. Die Bevölkerung orientiert sich nicht an Bezirksgrenzen. Im Kanton werden wir in erster Linie als Limmattal wahrgenommen, als eine Boomregion. Dazu tragen die geplante Limmattalbahn und die rege Bautätigkeit bei. Wir werden weiter als urbane und multikulturelle Region wahrgenommen. Aber auch die Verkehrsprobleme, insbesondere das Problem Gubrist, prägen den Blick auf die Region. Wesentlich für die Bevölkerung ist sicher auch, dass die Kantonspolizei nun im Bezirksgebäude ist.

Die Bevölkerung scheint sich mit dem Bezirk arrangiert zu haben?

Ich merke, dass der Zugang zu den Bezirksbehörden einfacher geworden ist. Es kommt hin und wieder vor, dass mich Leute anrufen, nicht nur Behördenvertreter, sondern auch aus der Bevölkerung, weil sie irgendein Anliegen haben. Von daher kann man sicher sagen, dass die Bevölkerung die Vorteile eines eigenen Bezirks sieht.

Nach dem Blick zurück nun noch einer nach vorne: Welche Herausforderungen muss der Bezirk in den nächsten Jahren bewältigen?

Der Bezirk wächst bevölkerungsmässig stark. Da er einen hohen Ausländeranteil aufweist, ist Integration ein wichtiges Thema für die Zukunft. Der Zuwachs bringt auch mehr Verkehr, das ist eine grosse Herausforderung für die Region. Für die Gemeinden ist dadurch auch die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur, zum Beispiel des Schulraumes, ein wichtiges Thema.