Es sieht gar nicht so schlecht aus für den Goalie. Nach einem Jahr im Gefängnis sitzt er endlich wieder im «Maison», seiner Stammkneipe in Schummertal, und bestellt einen «Kafi Luz».

Und dann geschieht es: Als Regula, die Bedienung im «Maison», die er schon seit Jahren kennt, zu ihm an den Tisch kommt, trifft es ihn wie ein Blitz. «Regi», wie sie von allen genannt wird, will ihm nicht mehr aus dem Kopf. Mit ihr an seiner Seite könnte aus dem passablen Neuanfang das grosse Glück werden. Wenn Regula nur nicht in festen Händen wäre.

Erstaunliche Adaption

Die Geschichte dieses gutherzigen, sympathischen, aber chronisch vom Pech verfolgten Anti-Helden aus Pedro Lenz’ Romandebüt «Der Goalie bin ig» ist hierzulande mittlerweile wohlbekannt. Die grandiose Verfilmung von Sabine Boss war einer der erfolgreichsten Schweizer Filme der letzten Jahre.

Für das Theater Kanton Zürich hat die Regisseurin Johanna Böckli nun eine erstaunliche Bühnenadaption gewagt. Der junge Schauspieler Nicolas Batthyany spielt darin den Goalie – und auch alle anderen Rollen. Am Samstagabend war das Stück in der Gemeindescheune Oetwil zu sehen.

Einige Details sind an die neue Umgebung angepasst: 

Sonst ist der Goalie auch in dieser Inszenierung ganz der alte: immer ein bisschen zu nett zu allen. Was eben auch dazu führt, dass ihm nach einem unglücklichen Drogendeal nur ein Gefängnisaufenthalt bleibt und einem seiner vermeintlichen Freunde ein Ferienhaus in Spanien.

Keyboard, Bierflaschen, Lametta

Man kommt beim Zuschauen nie auf die Idee, dass hier etwas fehlen könnte. Manchmal spricht er Dialoge zwischen dem Goalie und anderen Figuren – dem Junkie-Kollegen Ueli, Pesche, dem Wirt des «Maison», oder auch Regula – doch meist reichen die Worte und Gedanken des Goalies völlig aus, um die Geschichte voranzutreiben.

Dadurch wird sie subjektiver erzählt, das Drama des Goalie, der in Regula endlich einen Menschen gefunden zu haben glaubt, der gut zu ihm ist, wird noch eindringlicher. Schön auch das minimalistische Bühnenbild: Ein billiges Keyboard, Bierflaschen und viel glitzerndes Lametta erinnern an den Glamour einer Dorfdisco.

Gegen den Zweckoptimismus

Es ist sicher eine Stärke von Lenz’ Geschichte, dass sie nicht in einem Happy End mündet. Als es mit Regula nach einem wunderschönen Aufenthalt in Spanien doch nicht klappt und der Goalie realisiert, dass ihn seine Freunde im Stich gelassen haben, kehrt er Schummertal den Rücken.

Einmal im Stück regt er sich auf über all die notorischen Zweckoptimisten. «Was soll ich nach vorne schauen, wenn es hinten besser aussieht?», fragt er sich. Auch die Vergangenheit sei nicht immer nur schön, stellt der Goalie fest, doch wenigstens könne er sie so erzählen, wie er wolle.