Dietikon

Der «Glaspalast» am Bahnhof Dietikon wird doch nicht zur Beiz

Die Auslastung des Velohauses am Bahnhof ist im Gemeinderat umstritten.

Die Auslastung des Velohauses am Bahnhof ist im Gemeinderat umstritten.

Der Dietiker Stadtrat muss seine Pläne für eine temporäre Umnutzung des Velohauses beim Bahnhof begraben. Die Stadt wollte das Obergeschoss des «Glaspalasts» auf 2017 in eine Schönwetterbeiz umbauen.

In der Budgetdebatte (Kontext) strich der Gemeinderat den dafür vorgesehenen Kredit von 150 000 Franken jedoch aus der Investitionsrechnung fürs kommende Jahr. Angesichts der finanziell angespannten Lage der Stadt schien einer Mehrheit der Parlamentarier die Notwendigkeit einer Umnutzung derzeit nicht gegeben.

«Ich wollte mit meinem Vorstoss keine Investitionen auslösen», sagte SVP-Gemeinderat Stephan Wittwer, dessen Postulat «Abbruch/Umnutzung Velohaus» nach der Bugdetdebatte behandelt wurde. In der Antwort auf seinen Vorstoss weist der Stadtrat darauf hin, dass das Velohaus «zurzeit wenig genutzt» werde.

«Aus diesem Grund wurde die Planung für eine temporäre Umnutzung des oberen Geschosses in Angriff genommen.» Ein Abbruch der Anlage sei verfrüht, begründete der Stadtrat mit Verweis auf den wachsenden Bedarf von Veloabstellplätzen, den das neue Stadtquartier Niderfeld mit sich bringen werde. Ausserdem müsse erst eine Lösung zur zukünftigen Ausgestaltung der Busstation und der integralen Gestaltung des Bahnhofplatzes vorliegen.

Per Inserat einen Pächter suchen

Wittwer bezeichnete dieses Vorgehen in seiner Stellungnahme zwar als «nachvollziehbar». Er bekundete aber Mühe damit, dass die Stadt die Umnutzung selber planen und finanzieren möchte. Der SVP-Politiker stellte auch infrage, ob es Aufgabe der Stadt sei, einen weiteren Gastrobetrieb zu erstellen.

«Geben wir doch den Ball weiter und überlassen dem neuen Nutzer die Projektierungskosten», sagte der Postulant und präsentierte eine «pragmatische Lösung»: Die Stadt solle mit einem Inserat nach einem Pächter suchen, der das Velohaus im heutigen Zustand übernehme und ein Nutzungskonzept vorlege.

Vielleicht gehe ein Angebot für einen Biergarten ein, vielleicht eines für eine Kunstgalerie oder für eine Ausstellung von Elektrofahrzeugen. «Im besten Fall wird der Stadtrat mit Angeboten überrannt und hat die Wahl.»

Erstaunt zeigte sich Wittwer von der Absicht des Stadtrates, am Velohaus allenfalls längerfristig festzuhalten. Das Haus werde zu wenig genutzt, weil es an der falschen Einfallsachse und zu weit weg vom Bahnhof stehe.

«Am liebsten würde der Velofahrer bis vor die Tür des Zuges fahren», sagte Wittwer und schlug vor, als Ersatz videoüberwachte Veloständer in der Nähe des Perrons einzurichten. Mitarbeiter – für Wittwer würden sich «Arbeitslose, Ausgesteuerte und Asylanten» anbieten – der dafür zu gründenden Firma würden die abgestellten Velos wegräumen, in einem sicheren Raum lagern und auf «SMS-Bestellung» wieder hervorholen.

Frauen unter den Rock gucken

Wittwer wurde vom parteilosen Peter Wettler für die innovative Idee gelobt. Martin Müller wiederum benannte die vermeintliche Ursache für die schlechte Auslastung des Velohauses: Der Zwischenboden führe dazu, dass es den Velofahrern bei Regenwetter auf den Kopf tropfe und lasse zu, «Frauen im Obergeschoss unter den Rock zu gucken».

Andere Gemeinderäte zweifelten hingegen daran, dass das Velohaus zu wenig genutzt werde. «Das ist Ansichtssache», sagte etwa Gabriele Olivieri (CVP), der kürzlich an zwei Tagen zwischen 50 und 70 Velos im «Glaspalast» gezählt hatte.

Ernst Joss (AL) rechnete anhand einer im Frühling durchgeführten Zählung vor, dass mehr als ein Drittel aller abgestellten Fahrräder beim Bahnhof im Velohaus parkiert würden. Es sei deshalb illusorisch zu glauben, dass bei einer Umnutzung beim Bahnhof noch genügend Veloparkplätze zur Verfügung stünden.

Eine solche Umnutzung wird mit dem gemeinderätlichen Nein zum Kredit nun ohnehin «nicht weiterverfolgt», wie Stadtpräsident Otto Müller (FDP) auf Anfrage sagt. Die Stadt respektiere den Willen des Gemeinderates.

Stephan Wittwer, SVP-Gemeinderat.

Stephan Wittwer, SVP-Gemeinderat.

«Geben wir doch den Ball weiter und überlassen dem neuen Nutzer die Projektierungskosten.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1