Urdorf
Der Gestaltungsplan ist «eine grosse Chance für die Gemeinde»

Gemeindeversammlung nimmt den Gestaltungsplan Spitzacker fast einstimmig an. Damit kann die Gemeinde der Migros-Pensionskasse (MPK) den bisher leeren Spitzackerplatz verkaufen.

Flavio Fuoli
Drucken
Teilen
Trostlos – die Neugestaltung des Platzes Zentrum Spitzacker soll Abhilfe schaffen. fuo

Trostlos – die Neugestaltung des Platzes Zentrum Spitzacker soll Abhilfe schaffen. fuo

Limmattaler Zeitung

Das Aufatmen bei den Urdorfer Gemeindebehörden und Politikern war nach der Gemeindeversammlung von Mittwochabend fast hör- und spürbar. Die 414 Stimmberechtigten sagten bei nur wenig Gegenstimmen und praktisch ohne Diskussion ja zum Gestaltungsplan Zentrum Spitzacker. Damit kann die Gemeinde der Migros-Pensionskasse (MPK) den bisher leeren Spitzackerplatz verkaufen. Urdorf Die MPK kann nun einen Eingangsbereich mit eventuell einem Café, einen überdeckten Platz, von dem aus alle Geschäfte erreichbar sind, im Erdgeschoss 1500 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche, was 50 Prozent mehr entspricht, sowie 35 zusätzliche Wohnungen sowie Büros und Praxen realisieren.

«Nicht mehr attraktiv»

Urdorfs Bauvorstand Christian Brandenberger erklärte in seinem Referat ferner, die MPK sei in Kontakt mit einer Apotheke, die in Urdorf dringend gebraucht wird, einem Kiosk-Betreiber und einem

Kita-Verordnung: «Standortvorteil»

Bei wenigen Gegenstimmen nahm die Gemeindeversammlung die neue Kita-Verordnung an. Das bedeutet für die vorschulische ergänzende Kinderbetreuung, dass nicht mehr Institutionen wie die gemeindeeigene Kinderkrippe, sondern die Eltern direkt subventioniert werden. Sozialvorsteherin Barbara Meerwein erklärte, dass heute mit 480000 Franken lediglich 20 Plätze der öffentlichen Kinderkrippe finanziert werden. Neu sollen mit lediglich 10000 Franken Mehrkosten 37 Betreuungsplätze in Kinderkrippen und acht in Tagesfamilien subventioniert werden, total 25 Plätze mehr als heute. Zudem wolle die Gemeinde die öffentliche Krippe an einen privaten Anbieter überlassen. Der Systemwechsel bringe Vorteile: «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird eher möglich, die Integration in die Gemeinde wird besser und allgemein ist diese Lösung ein Standortvorteil für Urdorf», erklärte Meerwein. Die GLP unterstützte die Gemeinde in einem Votum, während eine zweite Votantin bemängelte, dass für Besserverdienende die Leistungen neu teurer würden. Auch über dieses Geschäft wurde praktisch nicht diskutiert. (fuo)

Dass dringender Handlungsbedarf vorhanden ist, ist augenfällig. «Das Zentrum wurde vor 20 Jahren gebaut. Es ist nicht mehr attraktiv im Vergleich zu den Nachbargemeinden. Betriebsaufgaben sind die Folge. Die MPK hat sich deswegen zur Vorwärtsstrategie entschieden.» Das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs erfordere einen Gestaltungsplan, weil es sich nicht im Rahmen der geltenden Zonenvorschriften realisieren lasse.

Brandenberger schlug auch ein heikles Thema an: die Chilbi. Diese wurde bis anhin teilweise auf dem Zentrumsplatz durchgeführt. Man habe jedoch mit der Chilbikommission und dem Kartell der Ortsvereine (Kovu) eine Lösung gefunden.

Erstaunlicherweise kam es bei diesem für Urdorf doch so wichtigen Geschäft zu keiner Diskussion. Einzig Jürg Berri, Präsident des Kovu, ergriff das Wort und lobte das Projekt. Die Lösung, welche man mit der Gemeinde und den Bauern für die Chilbi gefunden habe, sei sehr positiv. Das neue Zentrum stelle gar für die Vereine einen Vorteil dar, weil im gedeckten Bereich Vereinsleben möglich sei.

«Uitikonerweg 13» angenommen

Auch der zweite vom Gemeinderat vorgelegte Gestaltungsplan, Uitikonerweg 13, wurde deutlich angenommen, nämlich mit 297 zu 45 Stimmen. Laut Bauvorstand Brandenberger sollen im Zentrum von Urdorf 16 moderne Eigentumswohnungen entstehen, wobei zwei alte Häuser erhalten werden sollen. Ein Stimmbürger bekämpfte die Vorlage, weil mit dem dritten Gebäude, das neu erstellt werden soll, das Gesamtbild des Ortes zerstört und wiederum Land überbaut werde. Die Versammlung folgte diesem Einwand indes nicht.

Die Stimmberechtigten nahmen die Revision der Polizeiverordnung der Politischen Gemeinde bei lediglich zwei Gegenstimmen an. Sicherheitsvorstand Andreas Herren erinnerte daran, dass die bisherige Verordnung 21 Jahre alt sei. Man habe sie zusammen mit Schlieren und Dietikon vollständig revidiert, wobei lokale Eigenheiten wie Fasnacht oder Hochzeitschiessen drin Platz gefunden hätten.

Nicht ins Handwerk pfuschen

Ein Votant fragte maliziös, wer den die Verordnung umsetze, wenn beispielsweise der Bauer Gülle ausbringe oder jemand auf den Boden spucke. Herren verwies auf den gesunden Menschenverstand, ohne eine solche Ordnung nicht anwendbar sei. «Wir werden sicher nicht den Bauern ins Handwerk pfuschen.»

Budgets 2012 angenommen

Die Voranschläge von Schule und Politischer Gemeinde passierten praktisch einstimmig. Die Schule verzeichnet einen Aufwand von 19,5 Millionen Franken bei einem Aufwandüberschuss von 477000 Franken. Der Steuerfuss bleibt unverändert bei 59 Prozent.

Ebenfalls bei unveränderten 59 Prozent verbleibt der Steuerfuss der Politischen Gemeinde, womit der Gesamtsteuerfuss bei 118 Prozent verharrt.

Das Politische Gut zeigt für 2012 einen Aufwand von 48,5 Millionen Franken und einen Aufwandüberschuss von 1,347 Millionen. Dieser wird durch den Buchgewinn aus dem Verkauf des Spitzackerplatzes um 688000 auf 658800 Franken vermindert.