Birmensdorf
Der Gemeinderat zieht Rekurs gegen die Brüelmatt-Unterschutzstellung zurück

Der Gemeinderat musste sich eingestehen, dass ein Rekurs nicht zielführend ist – nun kann die Erweiterung und Sanierung des Schulhauses Brüelmatt vorangetrieben werden.

Alex Rudolf
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Die Erweiterung und Sanierung des Schulhauses Brüelmatt kann nun vorangetrieben werden. Bereits auf das Schuljahr 2021/2022 soll die Erweiterung von Brüelmatt 2 bezogen werden können.

Die Erweiterung und Sanierung des Schulhauses Brüelmatt kann nun vorangetrieben werden. Bereits auf das Schuljahr 2021/2022 soll die Erweiterung von Brüelmatt 2 bezogen werden können.

Limmattaler Zeitung

Bis 2040 soll die Bevölkerung von Birmensdorf und Aesch von heute 7700 auf über 10'000 Personen anwachsen. Diese Entwicklung hinterlässt ihre Spuren auch bei der Schulraum-Planung. «Die Sekundarschule braucht dringend mehr Platz», schreibt die Sekundarschulpflege in einer Mittelung von Mittwoch. Abhilfe rückt in greifbare Nähe. Denn die seit Jahren blockierte Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Brüelmatt kann nun vorangetrieben werden, da ein Rekurs gegen die Unterschutzstellung des Schulhauses zurückgezogen wurde.

Dieser stammt nicht etwa von einem Anwohner, sondern von der politischen Gemeinde. Im Januar wurde bekannt, dass diese gemeinsam mit der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) gegen die Vereinbarung zwischen der Zürcher Denkmalpflege und der Sekundarschule opponierte. Argumentiert wurde damit, dass eine Schutzwürdigkeit des Schulhauses, das der Winterthurer Architekt Ulrich Baumgartner entwarf, nicht abschliessend geklärt wurde. Dadurch entstünden für den Steuerzahler enorme Mehrkosten, wie der damalige Hochbauvorstand und frischgewählte Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos) sagte.

Was sorgte für den Gesinnungswandel des Gemeinderates? «Inhaltlich beurteilen wir den Sachverhalt noch gleich. Wir mussten uns aber eingestehen, dass ein Rekurs nicht zielführend ist», sagt Knecht auf Anfrage. So wolle man lieber im Rahmen des abgeschlossenen Schutzvertrags zwischen Kanton und Sekundarschulpflege das Beste für die Gemeinde herausholen.

Haken nicht festgeschrieben

Welchen Spielraum die Schule bei der Sanierung und Erweiterung hat, weiss Isabelle Carson (FDP), designierte Präsidentin der Sekundarschulpflege. «Gemeinsam mit dem Kanton schauten wir, welche Schutzmassnahmen Sinn ergeben und welche zu grosse Einschränkungen bedeuten und die Kosten in die Höhe treiben würden.» So sei die Schulpflege etwa darauf angewiesen, kantonale Bauvorschriften und feuerpolizeiliche Vorgaben erfüllen zu können. Dies heisse beispielsweise, zu tiefe Geländer erhöhen und die Wärmedämmung erneuern zu dürfen. «Dass kaputte Kleiderhaken restauratorisch erneuert werden müssen, ist hingegen im Vertrag mit der Denkmalpflege nicht festgeschrieben», so Carson. Auf diese Weise könne man die Schulräume den heutigen Anforderungen anpassen.

Dies sah vor zwei Jahren noch anders aus. Damals wollte der Kanton Brüelmatt 1 aus den 1970er-Jahren und den Anbau Brüelmatt 2 aus den 1990er-Jahren unter Schutz stellen – neben Bodenplatten wären auch Kleiderhaken geschützt gewesen.
Nun, da der mildere Schutzvertrag mit dem Kanton besiegelt ist, plant die Sekundarschulpflege die Entwicklung der Schulinfrastruktur. In einer ersten Etappe soll die Anlage Brüelmatt 2 aus dem Jahr 1995 erweitert werden. Da diese nicht mehr unter Schutz stehe, könne man hier Schulraum für zusätzliche Klassen schaffen, sagt Carson. «Ziel ist es, dass die neuen Räume bis zum Schuljahr 2021/2022 bezogen werden können.» In einem zweiten Schritt solle die Anlage Brüelmatt 1 saniert werden.

Nun folgt die Dreifach-Turnhalle

Sind diese Arbeiten erledigt, soll der Bau einer Dreifach-Sporthalle folgen. Die bestehende Turnhalle Brüelmatt entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen und sei sanierungsbedürftig. Man wisse nicht, wie lange man sie für den Schulbetrieb noch nutzen dürfe, heisst es in der Mitteilung. Neben dem Schulsport könnten dereinst auch Sportanlässe von Vereinen durchgeführt und Verwaltungsräume in einer neuen Dreifach-Turnhalle untergebracht werden. «Der optimale Standort wird derzeit in enger Zusammenarbeit mit der politischen und der Primarschulgemeinde gesucht.» Ist eine neue Turnhalle gebaut, soll die unter Schutz gestellte Sporthalle Brüelmatt umgenutzt werden. «Da im Gebäudeinneren bauliche Anpassungen erlaubt sind, bieten sich viele Möglichkeiten für die künftige Nutzung», schreibt die Sekundarschulpflege.

Dass mit diesem Rekurs Geschirr zerschlagen wurde, glaubt niemand: «Wir befinden uns in einem stetigen Dialog mit dem Gemeinderat und der Primarschulpflege und werden die Planung der Schulsporthalle gemeinsam angehen. Wir hoffen, dem Stimmvolk geeint ein gutes Projekt vorlegen zu können», sagt Carson. Auch Knecht ist optimistisch für die künftige Zusammenarbeit. Dass die Neubesetzung der beiden Präsidien der Sekundarschule und der Gemeinde zu einer Verbesserung der Situation geführt hat, glaubt er nicht. «Geschadet hat sie aber sicher auch nicht.»