Weiningen

Der Frühlingsfrost hat den Reben stark zugesetzt

Am Mittwoch war dieser Trieb eines Rebstocks noch grün und saftig. Wegen des Frosts ist er abgestorben und wird keine Trauben produzieren.

Einer einzige kalte Nacht hat gereicht, um über 80 Prozent der Triebe an den Rebstöcken absterben zu lassen.

Im Weininger Rebberg sind seit gestern kaum mehr grüne Triebe zu finden. Die Mehrzahl der kleinen Blättchen sind braun bis schwarz und verdorrt. Schuld daran ist Väterchen Frost, der derzeit sein Unwesen treibt. Nur vereinzelt gibt es Knospen, die noch in einem besseren Zustand sind. Da sie noch nicht weit ausgetrieben haben und noch vom wolligen Schutz umgeben waren, konnte ihnen die Kälte nicht so stark zusetzen. Im Unterschied zu den verdorrten und abgestorbenen Trieben werden sie im Herbst reichlich Trauben tragen.

In der Nacht auf gestern sank das Quecksilber im Rebberg auf unter minus vier Grad. Ein Thermometer von Winzer Robin Haug mass gar den Wert von –4,7 Grad. Zudem war die Luftfeuchtigkeit relativ hoch. Für die noch jungen Triebe ist das tödlich. «Zwischen 80 und 95 Prozent der Triebe sind abgefroren», sagt Robin Haug. Von zehn haben also nur ein bis zwei die Nacht überlebt. «Einen so grossen Schaden habe ich noch nie gesehen», sagt sein Vater Hans-Heinrich Haug, der schon seit 47 Jahren im Winzergeschäft ist.

Schutz vor Kälte ist schwierig

Bereits 2016 hat der Frost den Reben zugesetzt. Dieses Jahr sind aber nicht nur auf Kälte anfällige Lagen, sondern sämtliche Reben betroffen. Das bestätigt Winzer Peter Vogler aus Weiningen: «Egal welche Sorte und Lage, an sämtlichen Stöcken quer durch den Rebberg hat es abgefrorene Triebe.» Auch er schätzt den Schaden auf 80 bis 90 Prozent. Wie gross er effektiv sein wird, sei aber noch schwierig zu sagen. «Die Reben können sich erholen und den Ausfall zu einem Teil kompensieren», sagt Peter Vogler. Dass es wie im vergangenen Jahr trotz Frühlingsfrost eine üppige Ernte gibt, schliesst Robin Haug angesichts des Ausmasses aber aus.

Hans-Heinrich und Sohn Robin Haug zählen, wie viele Triebe in der Nacht auf Donnerstag erfroren sind.

   

Mit verschiedenen Mitteln haben die Winzer versucht, ihre Reben vor der Kälte zu schützen. Das tief geschnittene Gras beispielsweise soll die Restwärme des Bodens freigeben. «Wir haben es mit Frostschutzmatten versucht, doch das hat nichts gebracht», sagt Robin Haug. Mehr Schutz würden Paraffinkerzen bieten, doch diese sind derzeit ausverkauft. Für die Nacht auf heute, für die ebenfalls tiefe Temperaturen angesagt waren, haben deshalb einige Winzer Holzpellets angezündet, um noch zu retten, was zu retten ist. «Einen so grossen Rebberg zu beheizen, ist nicht nur aufwendig und kostspielig, sondern auch kaum realisierbar», sagt Hans-Heinrich Haug.

Eine Alternative zu diesen Sofortmassnahmen bieten sogenannte Frostruten. Das sind vorjährige Zweige, die beim winterlichen Schnitt nicht zurechtgestutzt werden und aufgrund ihrer Länge das Austreiben der Reben verzögern. Der Nachteil davon ist der damit verbundene Mehraufwand.

Damit hat kaum wer gerechnet

Mit einem so heftigen Frost haben die Winzer nicht gerechnet, denn bisher war Frühlingsfrost kaum ein Problem. «Deshalb haben auch nur wenige Weinbauern eine Versicherung gegen Frostschäden abgeschlossen», sagt Robin Haug. Die Schäden sind indes nicht nur in Weiningen gross. Auch in Winterthur und im Wallis hat der Frost den Reben zugesetzt. «Betroffen ist die ganze Deutschschweiz», so Robin Haug, der auch für den Branchenverband Deutschschweizer Wein arbeitet.

Für Spaziergänger sind die Schäden im Rebberg derzeit gut zu sehen. Das wird sich ändern, sobald es Sommer wird. Die Reben werden neu austreiben und in vollem Laub dastehen. Da die Zweige weniger fruchtbar sind, werden sich aber weniger Trauben ausbilden. Das macht den Weinbauern zu schaffen. «Die Arbeit an den Rebstöcken ist aufgrund des Frosts nicht weniger, aber der Ertrag wird viel geringer ausfallen», bedauert Robin Haug.

Die Kälte setzt nicht nur den Reben stark zu. Auch die Obstbauern fürchten Frostschäden und versuchen mit verschiedenen Mitteln wie Feuer, Netzen und Bewässerung, ihre Bäume vor den Minustemperaturen zu schützen. Wie gross Schäden der Obstbauern sind, lässt sich erst in einigen Tagen sagen, wenn die kleinen Früchte abfallen oder Frostflecken zeigen.

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Autor

Thomas Mathis

Thomas Mathis

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