Birmensdorf

Der Frauenverein feiert sein 125-jähriges Bestehen

Drei Generationen –Rosa Suter, Monika Auer und Natalina Lombardi.

Drei Generationen –Rosa Suter, Monika Auer und Natalina Lombardi.

Drei Frauen sitzen an einem Tisch, trinken Kaffee und plaudern. Der Altersunterschied zwischen der Ältesten und der Jüngsten beträgt 54 Jahre – die Runde verkörpert drei Generationen des Frauenvereins Birmensdorf.

Das Gespräch ist heiter und äusserst lebhaft. Die Älteste unter ihnen, die rüstige 97-jährige Rosa Suter, kann sich noch gut an ihre Anfänge im Verein erinnern. Seit 68 Jahren ist sie Mitglied, 18 Jahre lang war sie im Vorstand aktiv. «Als ich 1945 eintrat, hatte unsere Vereinigung noch eine ganz andere Funktion. Unsere Aufgabe bestand darin, die Ärmsten in der Dorfgemeinschaft zu unterstützen», sagt Suter. So habe sie mit dem Auto ihres Mannes – damals noch eine Seltenheit im Dorf – oft alte und kranke Menschen transportiert: «Mein Mann nannte es immer den Gemeindewagen.» Regelmässig habe man bei den Armengenössigen nachgefragt, woran es ihnen mangle, und es beschafft. Heute gebe es in Birmensdorf kaum mehr Leute, die auf diese Hilfe angewiesen wären, so Suter.

Gründung fand im Schulhaus statt

Vor 125 Jahren war das anders: 1888 gründeten 47 Frauen aus dem Dorf im Schulhaus am Bach den Wohltätigkeitsverein, um die zahlreichen armengenössigen Kinder, Alleinstehenden und Familien zu unterstützen. Neben Hilfestellungen im Alltag, wie dem Nähen von Socken für die Schulkinder, der Altenpflege oder Fahrdiensten, eröffnete der Frauenverein 1928 etwa auch den ersten Kindergarten in Birmensdorf. Die erste Krankenpflegerin im Dorf wurde 1906 nicht von der Gemeinde, sondern vom Verein angestellt. Bereits seit 1889 wurde die «Mittagssuppe» für Schulkinder eingeführt. Heute wird dieses Angebot «Mittagstisch» genannt. Weiter rief der Frauenverein den Kinderhütedienst, die Haushaltshilfe, den Autofahrdienst sowie den Mahlzeitendienst ins Leben.

Und welche Rolle spielt die Vereinigung heute? «Jetzt ist unser Motto: Generationen verbinden», sagt Monika Auer, die den Verein im dritten Jahr präsidiert. Man organisiere Anlässe für Kinder, Familien und ältere Dorfbewohner. Angebote wie der Mittagstisch für Eltern und Kinder würden rege genutzt. «Die meisten sozialen Funktionen, die die Frauen früher übernommen haben, wurden irgendwann verstaatlicht», so die 72-Jährige. Deshalb habe sich der Verein ein neues Tätigkeitsfeld suchen müssen. Vor allem die jüngeren Vorstandsmitglieder hätten darauf gepocht, vermehrt Veranstaltungen und Angebote für Familien zu schaffen.

Anstatt der ärmsten Gemeindemitglieder unterstützt der Frauenverein Birmensdorf heute soziale Institutionen und Hilfswerke in der Region in Form von Spenden. «Wir geben jeweils fast unsere ganzen Nettoeinkünfte solchen Institutionen. Im vergangenen Jahr waren es rund 8000 Franken», sagt Natalina Lombardi, die mit ihren 42 Jahren das jüngste Mitglied des Frauenvereins und gleichzeitig des Vorstands ist.

Männer verboten Frauen Eintritt

Noch etwas Anderes hat sich im Laufe der Zeit geändert. «Als ich als anfing, im Verein mitzuhelfen, hatten wir Probleme, neue Frauen anzuwerben, weil viele Männer ihnen verboten mitzumachen», erinnert sich Suter. Heute kämpfe man als Verein mit anderen Problemen, erklärt Lombardi: «Viele wollen heute von Angeboten der Vereine profitieren, aber kaum jemand ist bereit, selbst mitzuhelfen.» Man sei deshalb zufrieden, dass man vergangenes Jahr 17 Mitglieder habe anwerben können.

Heute zählt der Verein knapp 400 Mitglieder. Darunter sind nicht nur Frauen, sondern auch sechs Männer zu finden: «Wir sind wohl der einzige Frauenverein in der Region, der auch Männer aufnimmt.» Der Vorstand ist aber den Frauen vorbehalten. «Da haben die Männer für einmal nichts zu sagen», sagt Lombardi schmunzelnd.

Es störe sie manchmal, wenn an Vereinsversammlungen Blumensträusse an den Vorstand verteilt würden, oder sie von Sitzungsgeldern höre, sagt Suter: «Zu meiner Zeit gab es das nicht. Wir setzten alles Geld für die Armen ein.» Auer entgegnet ihr, dass sich die Zeiten geändert hätten: «Das Materielle ist so wichtig geworden, dass auch der Frauenverein sich dieser Entwicklung nicht verschliessen konnte.»

Eine Tradition, die seit 1891 erhalten blieb, sind die Frauenvereinsreisen. Früher einmal pro Jahr, im Jubiläumsjahr alle paar Wochen besuchen die Mitglieder gemeinsam Sehenswürdigkeiten, unternehmen Wanderungen oder Fahrten ins Grüne. Für das Jubiläumsjahr habe man ein besonders reiches Angebot zusammengestellt, sagt Auer: «Wir hoffen, auf diesem Weg neue Mitglieder zu gewinnen.»

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