Hélène Vuille kämpft seit 17 Jahren gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Die Birmensdorfer Autorin und Limmattalerin des Jahres 2013 feierte bereits grosse Erfolge, die andere motivieren gegen Foodwaste aktiv zu werden. Nachdem Vuille bereits zwei Projekte lancieren konnte, startet am 1. April eines in Urdorf. Auch mit der Stadt Dietikon führte sie bereits erste Gespräche.

Das Flaggschiff-Projekt gegen die Verschwendung von Lebensmitteln wurde im November letzten Jahres in Thalwil im Bezirk Horgen gestartet. Vom Sozialamt ausgestellte Bezügerkarten, erlauben Bedürftigen dort zweimal wöchentlich Tagesfrischprodukte abzuholen, die sonst im Abfall gelandet wären. «Wir wurden überrannt», sagt Vuille. Innert zweier Monate habe sich die Bezügerzahl verdoppelt. Anfang Dezember kam dann Birmensdorf hinzu. Gemeinsam mit Annegret Grossen-Gabriel initiierte sie die Tagesfrischprodukte-Ausgabe im Jugendtreff «Traffic», die nach dem Prinzip-Thalwil funktioniert. Das Sozialamt der Gemeinde stellte Sozialhilfebezügern Ausweise für den Essensbezug aus.

Migros und Coop sind dabei

Ab dem 1. April gibt es nun ein ähnliches Angebot auch in Urdorf. Unter dem Titel «Aufgetischt statt weggeworfen» initiierte Sonja Gehrig die Essensausgabe. Die reformierte Kirche Urdorf fungiert als Partnerin und stellt den Raum für die Verteilung zur Verfügung. Bezogen werden die Lebensmittel von Migros, Coop, der Bäckerei Ghilardi und vom Bauernhof Grob. Für Grossverteiler Coop sei es gar die erste Anfrage zur Beteiligung an einem lokalen Foodwaste-Verteilprojekt gewesen, wie Gehrig auf Anfrage sagt. Vorerst läuft das Pilotprojekt bis Ende August. Die Sozialabteilung der Gemeinde steuert dabei die Bezügerausweise bei. Diese seien bereits gedruckt und würden an Personen verteilt, «die es nach Einschätzung der Gemeindeverwaltung am nötigsten haben», so Gehrig.

Sonja Gehrig beschäftige sich bereits seit Jahren mit dem Thema Lebensmittelverschwendung. Vuille habe sicherlich auch als Inspiration für «Aufgetischt statt weggeworfen» gedient, sagt sie. «Von Beginn weg waren die beteiligten Lebensmittelgeschäfte, die Gemeinde und die Kirche sehr kooperativ und offen. Bürokratische Hürden oder fehlende Bereitschaft gab es keine», sagt sie. Dies zeige ihr auch, dass die Zeit reif sei, dieses Thema anzugehen. Den Menschen ist es nicht mehr egal, was mit Nahrungsmitteln geschieht, die zwar noch konsumier-, aber aus Sicht der Geschäfte nicht mehr verkaufbar seien.

Vielversprechende Gespräche

Hélène Vuille muss den Start von Gehrigs Projekt mit viel Genugtuung verfolgen. Die jahrelange Arbeit, die mit Korrespondenzen gefüllten Bundesordner, das Werben um die Aufmerksamkeit von Politikern und der Öffentlichkeit tragen Früchte. Ihr Kampf gegen Foodwaste könnte sich gar zum Selbstläufer entwickeln. Neben der Migros Zürich haben sich auch deren Zweigstellen Aargau, Bern und Solothurn bereit erklärt, ihre Tagesfrischprodukte an Bedürftige abzugeben. «Nun braucht es nur noch Freiwillige: Kirchgemeinden, Sozialämter, aber auch Interessierte, die Verteilungen organisieren und ausführen», so Vuille.

Ein weiterer Meilenstein könnte bald bevorstehen. Vuille ist im vergangenen Jahr auf das Sozialamt der Stadt Dietikon zugegangen, im Januar dieses Jahres kam es zu einem Treffen zwischen ihr und Vertretern des Amtes. «Die Gespräche waren sehr vielversprechend», sagt Vuille. Sie habe bereits die Zusage der Migros-Filiale im Shoppi Tivoli, dass die Tagesfrischprodukte abgegeben werden. Auch die Vorzeichen, dass eine grosse Bäckerei ihre Lebensmittel, die keine Käufer gefunden haben, beisteuert, stünden gut, so die Birmensdorferin.

Auch der Dietiker Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) sieht hinter der Idee viel Potenzial. «Zwar ist das Vorhaben noch immer in den Kinderschuhen, aber die ersten Gespräche mit Hélène Vuille verliefen sehr gut», sagt er. Er sei zuversichtlich, dass die Stadt als Bindeglied zwischen Vuille, Grossisten, Kirchen und anderen Freiwilligen-Organisationen fungieren könne.