Zwei Monate auf der griechischen Insel Chios, mehrere Wochen in der italienischen Grenzstadt Como: Fabian Dingetschweiler hat im vergangenen Jahr viele emotionale Momente mit Flüchtlingen erlebt.

Doch ein Erlebnis blieb ihm in besonderer Erinnerung: Einem kleinen Knaben, der sich vor Kälte nicht mehr regte, gab er warme Kleidung, sodass dieser langsam auftaute und wieder Farbe im Gesicht erhielt. Etwas später sei der Knabe hin und her gesprungen und habe sogar gelacht. Das habe ihm einmal mehr gezeigt, dass sich sein Einsatz lohnt.

Helfen tut gut

Aus Erlebnissen wie diesem schöpft Dingetschweiler Kraft. «Ich bin ein positiv eingestellter Mensch», sagt der Birmensdorfer. Zu wissen, dass man Gutes tut und die Hilfe ankommt, sei ein erbauliches Gefühl. Es sei stärker als die unendliche Hoffnungslosigkeit, mit der man tagtäglich konfrontiert ist. «Das Elend ist gross. Man darf sich darin nicht verlieren, sondern muss sich auf die positiven Aspekte konzentrieren», sagt er. Es gebe viele gute Begegnungen, wenn die Flüchtlinge an Land kommen, weil dies ein Moment ist, in dem sie aufatmen können. Nach einer langen Überfahrt haben sie endlich wider festen Boden unter den Füssen.

Im Mittelpunkt von Dingetschweilers Hilfsarbeit stehen das Kochen und das Verteilen von Hilfsgütern. Pasta komme immer gut an und sei einfach in der Zubereitung. Auf dem Speiseplan stehen aber auch Linsen und Couscous.

Flüchtlinge sind unerwünscht

Die Arbeit an den beiden Orten Chios und Como unterscheide sich nicht stark. Die Situationen, in denen sich die Flüchtlinge befinden, seien jedoch von Grund auf verschieden. «In Chios kommen die Flüchtlinge an und wollen möglichst schnell weiterziehen. In Como ist von dieser Hoffnung nichts mehr zu spüren, weil die Flüchtlinge erkennen, dass sie nicht erwünscht sind», sagt der erfahrene Flüchtlingshelfer.

Die Flüchtlinge in Como seien frustriert, dass sie nach den Strapazen an der geschlossenen Grenze stehen und nicht weiterkommen. Nach der Schliessung der Balkanroute sei die Stimmung allerdings auch in Chios umgeschlagen.

Das Elend ist weiterhin riesig

Die Abstumpfung gegenüber dem Elend der Flüchtlinge habe zugenommen, ist Dingetschweiler überzeugt. Viele hätten keine Lust mehr, sich damit zu befassen, oder seien erstaunt zu hören, dass das Elend weiterhin riesig ist. Gleichzeitig betont er aber, dass es nach wie vor viele Menschen gibt, die helfen wollen. Im Verein One Love, für den er jeweils unterwegs ist, finde er grosse Unterstützung. Mit verschiedenen Aktionen würden die Mitglieder viele Spenden zusammenbringen.

Bedauerlich findet Dingetschweiler, dass ihm als freiwilligem Helfer an den Krisenorten oft Steine in den Weg gelegt werden. Freiwillige seien nicht immer gerne gesehen und müssten dafür kämpfen, dass sie helfen dürfen. «Die Energie der Freiwilligen sollte genutzt werden», fordert er. Auch in Zukunft werde er sich für unbürokratische Hilfe starkmachen.

Spielplatz soll Alltag aufwerten

Das gemeinsame Engagement motiviert Dingetschweiler stets von Neuem, sich für die Flüchtlinge einzusetzen. So weilt er zurzeit erneut in Como, um gesammelte Hilfsgüter abzuliefern. Im Januar wird er wieder nach Chios reisen und sich während zweier Monate für die Flüchtlinge engagieren. Er plant, dort nicht nur zu kochen, sondern auch den Pausenplatz einer Schule mit Sitz- und Spielmöglichkeiten auszustatten. Dies soll den Alltag der Schulkinder aufwerten. Sein fachliches Know-how wird dem Landschaftsgärtner Dingetschweiler dabei von grossem Nutzen sein.