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Der FCD blickt auf ein Jahr ohne Siege zurück: Land unter? Noch nicht, aber...

Ein Sinnbild für die bisherige Saison: Der Winterthurer Silvan Kriz hat den Ball – der Dietiker Miguel Serra Cruz kommt zu spät.

Ein Sinnbild für die bisherige Saison: Der Winterthurer Silvan Kriz hat den Ball – der Dietiker Miguel Serra Cruz kommt zu spät.

Die Ausgangslase für den Tabellenletzten Dietikon ist derzeit alles andere als rosig. Trotzdem stellt sich die Frage, ob ein Trainerwechsel hier wirklich ein Allheilmittel darstellen würde.

Diese Zahlen lügen nicht: In den bisherigen sieben 1.-Liga-­Meisterschaftspartien hat der FC Dietikon nur einen Punkt geholt. Und diesen bezeichnenderweise dank einem torlosen Remis in Balzers. Der Verein liegt folgerichtig auf dem 14. und somit letzten Rang der Gruppe 3. Die Limmattaler haben bislang am wenigsten Tore erzielt und am meisten erhalten. Oder anders gesagt: Sie sind vorne harmlos und hinten anfällig. Trotz der klaren Niederlagen Woche für Woche herrscht auf der Dornau weiterhin Ruhe. Auf die Frage, ob Trainer João Paiva das Team auch morgen Samstag in Wettswil in der 1. Runde der Cupqualifikation betreuen wird, vermeldet Sportchef Christian Müller via Whatsapp ein knappes «Ja».

Also kein unmittelbares Flugwetter auf der Dornau. Würde ein Trainerwechsel dem FCD überhaupt helfen, aus der Negativspirale zu kommen? Kaum. Denn Paiva – ein ehrlicher Schaffer und kein Blender – kann nur mit dem Spielermaterial arbeiten, das ihm der Verein zu finanzieren gewillt ist. Und auf der Dornau sind die Mittel – nicht erst seit Corona – nun mal begrenzt. Auf finanzielle Abenteuer lässt sich der seit 2018 von Renato Casanova präsidierte Vorstand richtigerweise nicht ein. So nimmt man halt, was man auf dem Transferwühltisch kriegen kann. Wie oft musste der umtriebige Sportchef Christian Müller in den letzten Monaten klein beigeben, als ein Spieler ihm beschied, dass er gerne kommen würde, aber nicht zu den offerierten Konditionen. «Wir zahlen keine Löhne», bekräftigte Müller immer wieder, wohl wissend, dass ihm diese Worte längst nicht alle abkaufen.

Natürlich haben sie auf der Dornau auch neben dem Rasen Fehler gemacht. Der vor der Saison aus Hamburg geholte und als offensiver Heilsbringer angekündigte Hichem Oudjouadj musste die Dornau nach nur zwei Runden durch die Hintertür verlassen. Seine etwas spezielle Einstellung betreffend Trainingsdisziplin und schlicht fehlende Klasse gaben den Ausschlag, den Vertrag wieder aufzulösen. «Oudjouadj ist ein netter Kerl, keine Frage», so Trainer Paiva, «aber eben auch ein Träumer.» Ein anderer Fall: Im vergangenen Winter holte Sportchef Müller Altin Gashi zurück auf die Dornau. Bekanntermassen wurde die Saison 2019/20 vorzeitig abgebrochen. Aber auch ohne Coronavirus hätte der torgefährliche Kosovare gar nicht für den FCD spielen können, da er in der Vorrunde schon für zwei Klubs aufgelaufen war. «Da war ich ein wenig naiv gewesen», gab Müller erfrischend ehrlich zu. Anmerkung am Rande: Bei seinem jetzigen Verein, dem Drittligisten Menzo Reinach, hat Gashi in neun Partien bereits 18 Tore erzielt.

Letzter Sieg fast genau ein Jahr in der Vergangenheit

Die Mutter aller Fragen lautet: Wie findet der FC Dietikon wieder aus der Baisse? Wie richtet man eine Mannschaft wieder auf, die sage und schreibe seit einem Jahr kein Meisterschaftsspiel mehr gewonnen hat? Deren Spieler das dauernde Verlieren mittlerweile emotionslos über sich ergehen lassen? Trainer Paiva («so etwas habe ich noch nie in meiner Karriere erlebt») ist gefordert, sonst wird der Kampf gegen den Abstieg noch vor der Winterpause zu einer Mission Impossible. Für Statistiker: Der letzte Erfolg in einer 1.-Liga-Partie datiert vom 12. Oktober 2019, damals gewann der FCD gegen Linth mit 2:0. Die haarsträubende saisonübergreifende Bilanz seither: 11 Spiele, 9 Niederlagen, 2 Remis und eine Tordifferenz von 11:37.

In erster Linie geht es in den sieben verbleibenden Partien vor dem winterlichen Meisterschaftsunterbruch darum, den Kontakt zu den Nichtabstiegsplätzen zumindest zu halten. Eine erste Chance, Boden gutzumachen, bietet sich dem FCD schon bald. Am kommenden Dienstag, 13. Oktober, steht auf der Allmend Brunau das Duell «Not gegen Elend» mit dem Tabellenvorletzten Red Star an. Anders als die Limmattaler haben die Stadtzürcher bereits die Reissleine gezogen und das Trainerduo Roduner/Soto nach sechs sieglosen Partien in die Wüste geschickt. Nachfolger Giovanni Gargiulo erging es am vergangenen Wochenende nicht viel besser als seinen Vorgängern. Gegen Eschen/Mauren setzte es mit 3:4 die nächste Niederlage ab.

Man merke: Neue Besen müssen nicht unbedingt besser kehren.

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