Das EKZ-Gebäude in Zürich liegt direkt an der Strecke, an der vor ein paar Wochen Dutzende E-Boliden durchsurrten. Hardy Schröder, Energieberater bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ), erklärt, weshalb das Elektromobil das umweltfreundlichste Auto ist und was es noch braucht, bis es mehr Elektroautos als treibstoffbetriebene gibt.

Herr Schröder, sind Sie jemals mit Ihrem Elektroauto stecken geblieben?

Hardy Schröder: Bis heute zum Glück noch nicht, es haben sich keine technischen Probleme ergeben. Die Reichweite war ebenfalls kein Thema.

Weshalb fahren Sie ein Elektroauto?

Es fährt sich sehr ruhig und ist entgegen den Erwartung sehr unkompliziert. Man muss zum Beispiel kein Öl nachfüllen, und der Wartungsaufwand ist generell kleiner. Zudem hat das Fahrzeug nur einen Gang und fährt deshalb sehr angenehm. Insgesamt unterscheidet es sich aber kaum von einem Diesel- oder Benzinauto.

Vermissen Sie etwas?

Nein, ich würde nicht mehr wechseln. Der Benzingeruch und das Brummen fehlen mir nicht.

Braucht es technisches Know-how?

Nein, es braucht nicht mehr Wissen als für ein treibstoffangetriebenes Auto.

Wie weit fahren die Elektroautos heute im Durchschnitt?

Sie fahren so zwischen 200 und 300 Kilometer. Die Premiumklassen fährt weiter, zudem kommen fortlaufend neue Klassen auf den Markt.

Wie lange muss das Auto an einer Ladestation eingesteckt sein, bis es wieder vollgeladen ist?

Das hängt vom Fahrzeugtyp und der Ladekapazität ab. Zu Hause dürften es wohl zwischen acht und neun Stunden sein. Doch es gibt auch Schnellladungen, bei denen geht es rund 15 Minuten. Das entspricht beinahe einem normalen Tankvorgang.

Wie viel kostet eine volle Ladung Strom für einen Personenwagen?

Auch das hängt vom Fahrzeug und vom Stromtarif ab. In der Regel kostet es zwischen zwei und zwölf Franken. Das ist weit günstiger, als einen Benzintank zu füllen.

Denken Sie, dass ein Elektromobil nach wie vor das umweltfreundlichste Auto ist?

Wenn man auf die Effizienz der Fahrzeuge schaut, ja. Denn man braucht nur einen Drittel der Energie, die man beispielsweise mit einem Dieselfahrzeug gebrauchen würde. Im Moment fokussiert sich alles auf die Elektromobilität. Auf längeren Transportstrecken könnte aber Wasserstoff an Bedeutung gewinnen. Der Personenverkehr wird wohl bei der Elektromobilität bleiben.

Tesla wirbt bereits für Softwareupdates, die Autos in selbstfahrende Fahrzeuge verwandeln. Welche Veränderung erwarten Sie in Zukunft hierzulande?

Die Ladeleistung ist bereits auf 150 Kilowatt gestiegen, und schon reden wir von 350 Kilowatt an Ladestationen. Das heisst, die Autos werden zukünftig viel schneller geladen. Auch die Reichweite soll grösser werden. Das ist ein Kriterium der Konsumenten und Produzenten. Natürlich ist auch autonomes Fahren ein Thema. Doch bis das Wirklichkeit wird, müssen noch einige technische, politische und gesellschaftliche Hürden bezwungen werden.

Welche Hürden sind die grössten?

Gesellschaftlich sind die Hürden am grössten. Technologisch ist vieles machbar. Jeder Technologiewandel braucht aber Zeit.

Welche Schwächen haben die Autos momentan noch?

Die Ladeleistung ist immer noch zu gering. Das wird sich mit den neuen Fahrzeugen ändern. Zudem hält der verhältnismässig hohe Preis die Leute von einem Kauf ab. Von der Sicherheit her gesehen, unterliegen die Elektroautos denselben Tests wie konventionelle Autos.

In einem Elektroauto kann sich die Batterie leicht entzünden. Passiert das häufig?

Es gibt keine Studien, die belegen, dass sich Elektroautos leichter entzünden als Autos mit Verbrennungsmotor. Bei beiden kommt es selten zu Bränden.

Der Kanton Zürich hat schweizweit das dichteste Netz an Aufladestationen für Elektroautos. 19 davon befinden sich im Limmattal. Am meisten stehen in Schlieren und Dietikon. Doch verglichen mit anderen europäischen Ländern hinkt die Schweiz hinterher. So teilen sich etwa in Oslo 688 Personen eine Aufladestation, in Zürich sind es 18 139 Personen. Auch bezüglich der Neuzulassungen von Elektroautos hat Norwegen die Nase vorn. Dort wurden 2017 18,6 Prozent solcher Fahrzeuge in Verkehr gesetzt. In Zürich waren es 1,2 Prozent. Doch Elektrofahrzeuge sind mehr als ein Lifestyle: Ohne bedeutend mehr Elektrofahrzeuge erreicht die Schweiz das Ziel der Treibhausgas-Reduktion nicht. Die derzeitigen Emissionen von 134 Gramm CO2 pro Kilometer müssen laut dem CO2-Gesetz des Bundes bis 2020 auf 95 sinken. (lyl)

Im Limmattal gibt es bereits 19 Ladestationen

Der Kanton Zürich hat schweizweit das dichteste Netz an Aufladestationen für Elektroautos. 19 davon befinden sich im Limmattal. Am meisten stehen in Schlieren und Dietikon. Doch verglichen mit anderen europäischen Ländern hinkt die Schweiz hinterher. So teilen sich etwa in Oslo 688 Personen eine Aufladestation, in Zürich sind es 18 139 Personen. Auch bezüglich der Neuzulassungen von Elektroautos hat Norwegen die Nase vorn. Dort wurden 2017 18,6 Prozent solcher Fahrzeuge in Verkehr gesetzt. In Zürich waren es 1,2 Prozent. Doch Elektrofahrzeuge sind mehr als ein Lifestyle: Ohne bedeutend mehr Elektrofahrzeuge erreicht die Schweiz das Ziel der Treibhausgas-Reduktion nicht. Die derzeitigen Emissionen von 134 Gramm CO2 pro Kilometer müssen laut dem CO2-Gesetz des Bundes bis 2020 auf 95 sinken. (lyl)

Im Gegensatz zum Treibstoffverbrauch ist die Herstellung der Batterie nicht sehr ökologisch.

Das stimmt, die Produktion verursacht viel CO2. Doch je länger, je mehr achten die Produzenten auf die Ökologie. Zudem braucht es nicht mehr so viele Kilometer, bis ein Elektroauto ökologischer ist als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Verschiedene Studien sagen, dass ein Elektroauto nach 20'000 bis 30'000 gefahrenen Kilometern ökologischer ist als ein Diesel- oder Benzinauto. Es hängt davon ab, wie ein Auto produziert wurde.

Im letzten Jahr hatten nur gerade zwei Prozent aller neu zugelassenen Autos einen Elektro- oder Hybridantrieb. Das heisst, die Mehrheit fährt immer noch mit einem konventionellen Auto. Was braucht es, damit sich das ändert?

Es braucht vor allem Zeit. Momentan sind die Preise noch hoch. Zudem braucht es Sicherheit, dass die Fahrzeuge genug weit fahren können. Hilfreich wäre es, wenn man die Möglichkeit hätte, die Fahrzeuge auszutesten. So weiss man, ob der Strom für die Strecke, die man normalerweise fährt, reicht. Wobei der durchschnittliche Pendler nur 38,8 Kilometer pro Tag fährt.

Wie viele Elektroautos gibt es im Limmattal?

Im Zürcher Teil des Limmattals gibt es laut Strassenverkehrsamt derzeit 201 zugelassene Elektroautos, samt allen Hybridautos sind es 932. Schweizweit hat die Anzahl Elektroautos im letzten Jahr um 23 Prozent zugenommen. Der Kanton Zürich verzeichnete 2017 mit einem Anteil von 3,5 Prozent die meisten Elektrofahrzeuge bei den Neuwagen. Der Kanton Aargau liegt mit 2,1 Prozent an fünfter Stelle.

Woran liegt das?

In Zürich ist alles sehr nahe. Das Netz der Ladestationen ist bereits gut ausgebaut. Die Bergkantone treffen auf mehr Herausforderungen.

Wie sieht die Lage der Ladestationen im Limmattal aus?

Im Limmattal hat es bereits einige Ladestationen. Letztlich ist die Frage: Muss ich überhaupt extern laden? Ich bin nun ein Jahr gefahren, ohne jemals extern laden zu müssen.

In Schlieren läuft ein Pilotprojekt, bei dem Elektromobilisten ihre Fahrzeuge an einer Strassenlaterne aufladen können. Wie hat sich das Modell bewährt?

In unseren Auswertungen sehen wir, dass die Ladestation besonders unter der Woche regelmässig genutzt wird. Wir werden dies weiterhin beobachten.

Wenn ein Geschäftsreisender, beispielsweise in einem Hotel in Dietikon, sein Auto aufladen möchte, wie stehen seine Chancen, dass er dies kann?

Firmen und Hotels hinken häufig noch hinterher. Da es noch nicht so viele Elektrofahrzeuge gibt, sind Ladestationen an vielen Orten Mangelware. Aber es gibt immer mehr Unternehmen, die nachrüsten.

Ab wann wird es voraussichtlich mehr Elektroautos als Autos mit Verbrennungsmotoren geben?

Aktuell fährt von den sechs Millionen Fahrzeugen auf den Schweizer Strassen nur ein sehr kleiner Teil mit einem Elektromotor. Studien gehen davon aus, dass ab 2035 von beiden Modellen gleich viel verkauft werden. Wie es wirklich sein wird, ist schwierig vorauszusehen, denn schliesslich bestimmen die Konsumenten, was sie kaufen.