Limmattal
Der erste Schultag lässt die Kassen der Papeterien klingeln

Mit dem Schulbeginn steigt nicht nur die Freude bei den Erstklässlern, auch die Papeterie- und Bürobranche hat gut Lachen. Der Umsatz beträgt bis zu 15 Prozent des Jahresumsatzes.

Carla Stampfli
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Für Papeteristin Miranda Jenny ist der Schulanfang ein «gutes Zusatzgeschäft». ces

Für Papeteristin Miranda Jenny ist der Schulanfang ein «gutes Zusatzgeschäft». ces

Der Duft des Etuis mit den bunten Stiften, dem Radiergummi und dem Bleistift weckt Erinnerungen an den ersten Schultag: Man betritt das Klassenzimmer, macht Bekanntschaft mit neuen «Gspänli» und packt stolz das neue Schulmaterial aus. Miranda Jenny, Geschäftsinhaberin der Papeterie A4 in Dietikon, könnte viele Anekdoten erzählen. «Der Schulanfang ist vor allem für die Erstklässler ein Riesenerlebnis», sagt sie. So sei der erste Schulthek heute noch ein beliebtes Geschenk, das die Gotte oder der Götti dem Erstklässler zu Ostern schenken würde. Auch Thomas Köhler, Präsident des Verbands schweizerischer Papeteristen (VSP), sagt: «Früher, als im Kanton Zürich die Schule bereits im Frühling begann, war der Schulthek das klassische Ostergeschenk.» Diese Tradition werde bis heute fortgeführt.

Für die Erstklässler nimmt sich Miranda Jenny viel Zeit. «Der Schulanfang ist auch ein neuer Lebensabschnitt», sagt sie. Für die Papeterie A4 ist der Schulstart ein «gutes Zusatzgeschäft». Zwei bis vier Wochen vor dem ersten Schultag würden die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern erstes Schulmaterial kaufen. In dieser Zeit werde die Papeterie rege besucht. «In der ersten Schulwoche kommen die Schüler mit einer Liste zu uns, die sie von den Lehrern erhalten haben», sagt die Geschäftsinhaberin. Das Material, das verlangt wird, würde sich jedoch je nach Schule und Lehrer unterscheiden.

Hoch im Kurs, so VSP-Präsident Thomas Köhler, sei dieses Jahr ein Marker, der gleichzeitig Füllhalter und Touch-Pen mit App ist: ein Schreibgerät, das Handschrift und Tablet verbindet. Immer gefragt sei hingegen das klassische Schulmaterial: Tintenroller, Füllhalter oder Hefte.

Qualität ist gefragt

Laut Köhler würden mit dem Schulbeginn rund 10 bis 15 Prozent des Jahresumsatzes erzielt. «Der Schulanfang ist neben Weihnachten ein grosses Ereignis für den Papeterie-Fachhandel», sagt er. In der Woche vor dem Start wie auch danach laufe das Geschäft gut. «Wir stellen fest, dass die Eltern vermehrt auf die Qualität achten», so Köhler. Auch würde der Service und die Beratung im Fachhandel geschätzt. «Für die Eltern und die Kinder ist es wichtig, wie ein Füllhalter in der Hand liegt oder welche Breite die Feder hat», sagt er. Dass Beratung geschätzt und Qualität gefragt ist, das weiss auch Miranda Jenny.

Die Mehrheit ihrer Kunden sei sehr qualitätsbewusst. «Am Gymnasium und an Privatschulen ist vor allem Qualitätsware gefragt», sagt sie. Während der Grossteil der Gymnasiasten mit präzisen Vorstellungen in die Papeterie komme, würden sich die Eltern von Erstklässlern bei der Wahl des Schulmaterials Zeit lassen. «Kaufentscheide können auch bis zu einer halben Stunde dauern. Das sind herzige Szenarien», sagt die Geschäftsinhaberin.

Wie bei den Papeterien zeigen auch die Verkaufszahlen der Grossverteiler nach oben. Der Coop im Lilienzentrum in Schlieren stellt rund drei Wochen vor dem ersten Schultag spezifisch Schulartikel aus. «Unser Sortiment ist eher auf die Schüler der Unterstufe ausgerichtet», sagt Geschäftsführerin Esther Brunner. Bei den Mädchen seien Waren der fiktiven Figur «Hello Kitty» aktuell, bei den Knaben seien unter anderem Auto-, Motorrad- und Superhelden-Sujets gefragt. Bis anhin hätten sich die Kunden mit der Grundausstattung eingedeckt. Nach dem Schulbeginn werde fehlendes Material eingekauft. «Tintenroller, Kugelschreiber, Bleistifte.

Je nachdem, was von der Schule verlangt wird», sagt die Coop-Geschäftsführerin. Dass in den Wochen vor und nach Schulstart deutlich mehr Papeterie- und Büromaterial verkauft werde, bestätigt sie. Die Konkurrenz der Grossverteiler bekommt die Papeterie A4 in Dietikon zu spüren. «Viele nehmen sich die Zeit nicht mehr, das Material auszuprobieren», sagt Miranda Jenny. Sie könne aber verstehen, dass sich nicht alle Markenwaren leisten könnten. Auch Thomas Köhler ist sich bewusst, dass der Markt rund um den Schulstart umkämpft ist: «Die Grossverteiler versuchen sicher auf diesen Zug zu springen», sagt er. Die Verkaufszahlen des Fachhandels im Bereich Schulanfang seien jedoch «tendenziell steigend.»

Während die Papeterien und Grossisten ihren Umsatz in den Wochen vor und nach dem Schulstart steigern, sieht die Situation bei der fiba Schul- und Bürobedarf AG in Geroldswil anders aus. Sie führt kein Ladenverkauf, sondern beliefert Schulen direkt. «Am meisten verkaufen wir vor den Sommerferien», sagt Geschäftsführerin Veselka Schmid und fügt an: «Vor Schulbeginn erhalten wir Restbestellungen.» Ware etwa, die vor den Ferien vergessen wurde, zu bestellen. Das Material, das die Firma grösstenteils an Schulen im Kanton Aargau und Zürich verkauft, sei in etwa dasselbe geblieben. «Verbrauchsware wie Papier, Bleistifte und Hefte sind am meisten gefragt», sagt Schmid. Aber auch Kugelschreiber, Laminierfolien oder Materialschachteln würden die Schulen Jahr für Jahr bestellen.