Tierische Ausreisser
Der entflohene «Maradona» schaffte es bis auf die Stadiontribüne

In der Nähe des Hafens Enge wurde am Freitag ein Stier getötet, der zuvor aus dem Zürcher Schlachthof ausgebüxt war. Ganz anders endete vor 17 Jahren die Flucht eines Artgenossen.

Sandro Zimmerli
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«Maradona» sollte im Februar 1999 als FCZ-Maskottchen präsentiert werden, büxte im Letzigrund aber aus und konnte nach zehn Minuten eingefangen werden.key

«Maradona» sollte im Februar 1999 als FCZ-Maskottchen präsentiert werden, büxte im Letzigrund aber aus und konnte nach zehn Minuten eingefangen werden.key

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Seine Flucht führte ihn durch die halbe Stadt Zürich und endete mit dem Tod: Vergangenen Freitag büxte ein Stier aus dem Schlachthof Herdern aus. In einem Hinterhof beim Hafen Enge wurde das Tier schliesslich von einem Wildhüter erschossen. Die Reaktion auf den Tod des gut 450 Kilogramm schweren Tieres liess nicht lange auf sich warten. Rund 50 Personen demonstrierten am Samstag vor dem Schlachthof gegen das Vorgehen der Behörden. Dazu aufgerufen hatten die Tierschutzorganisationen «Tier im Fokus» und «Vegan Aktiv Züri». Die Aktivisten forderten unter anderem die Abschaffung von Schlachthäusern.

"Betäuben statt töten", fordern Tierschützer

Nadja Brodmann, Geschäftsleitungsmitglied des Zürcher Tierschutzes ist bestürzt über den Abschuss des Stiers. "Das Tier ist umsonst gestorben. Das Fleisch kann nicht einmal genutzt werden", bedauert sie im Interview mit "TeleZüri". Auch Tiere hätten ein Recht auf artgerechte Haltung und eine schonende Tötung. "Der Schlachtbetrieb braucht bessere Sicherheitsmassnahmen", fordert Brodmann. Für den Fall, dass ein Tier flüchte, müssen Schlachtbetriebe mit Betäubungsschüssen ausgerüstet sein.

Für Hans Rudolf Hofer, Betriebsleiter des Schlachtbetriebs Zürich AG SBZ, ist das keine Alternative in einer städtischen Umgebung: Aufgrund des vielen Verkehrs und der Passanten sei das Abfeuern von Betäubungsschüssen zu gefährlich.

Der tierische Ausreisser liess sich nicht aufhalten. Nach Hofers Schilderung war er auf dem Weg in die Freiheit über zwei Schranken gesprungen. Selbst eine Polizeisperre, die eigens für den flüchtigen Stier angebracht worden war, konnte das Tier überwinden, bis es schliesslich an der Breitingerstrasse 25 nähe Bahnhof Enge im Hof einer Siedlung erschossen wurde.

Die Geschichte um den ausgebüxten Stier erinnert an ein Ereignis vor 17 Jahren, als ebenfalls ein Muni aus dem Schlachthof für Aufregung sorgte. Allerdings endete damals die Flucht des Tieres nicht mit dessen Tod. Im Gegenteil, es wurde – nach einem zwischenzeitlichen Aufenthalt im Kloster Fahr – ins Altersheim geschickt, wo es 2011 verstarb.

Flucht auf die Tribüne

Der Stier mit Namen Maradona dürfte vor allem all jenen Besuchern im Letzigrund in Erinnerung bleiben, die im Februar 1999 auf den Rückrundenstart zwischen dem FC Zürich und dem FC St. Gallen warteten. Das Tier war einen Monat zuvor aus dem Schlachthof ausgerissen und ins nahe gelegene Stadion geflüchtet. Sponsoren kauften den Stier und wollten ihn vor der Partie gegen St. Gallen den Fans als neues Maskottchen des FCZ präsentieren.

Allerdings spielte Maradona nicht mit. Aufgeschreckt von den Fotografen riss sich das Tier los und rannte auf das Spielfeld, wo sich die beiden Mannschaften bereits aufwärmten. Die Spieler flüchteten hinter das Tor, während Maradona seine Runden auf dem Rasen drehte. Damit aber nicht genug. Der Stier machte sich Richtung Tribüne auf. Dort verhedderte er sich schliesslich in den Schalensitzen. Seine zweite Flucht war nach zehn Minuten beendet.

Als Maskottchen an den Heimspielen kam Maradona nicht mehr zum Einsatz. Stattdessen wurde er ins Kloster Fahr gebracht. Es sollte jedoch nicht sein letzter Aufenthaltsort bleiben. Der wilde und ungestüme Stier erhielt schliesslich einen Platz in der «Stiftung für das Pferd» in Le Roselet, wo er seinen Lebensabend verbrachte.