Seine Flucht führte ihn durch die halbe Stadt Zürich und endete mit dem Tod: Vergangenen Freitag büxte ein Stier aus dem Schlachthof Herdern aus. In einem Hinterhof beim Hafen Enge wurde das Tier schliesslich von einem Wildhüter erschossen. Die Reaktion auf den Tod des gut 450 Kilogramm schweren Tieres liess nicht lange auf sich warten. Rund 50 Personen demonstrierten am Samstag vor dem Schlachthof gegen das Vorgehen der Behörden. Dazu aufgerufen hatten die Tierschutzorganisationen «Tier im Fokus» und «Vegan Aktiv Züri». Die Aktivisten forderten unter anderem die Abschaffung von Schlachthäusern.

Flucht mit tödlichem Ende

Flucht mit tödlichem Ende

Am Freitag büxt ein Stier aus dem Schlachthaus beim Letzigrund aus. Er galoppiert bis zum Hafen Enge und wird schlussendlich vom Wildhüter erschossen.

Die Geschichte um den ausgebüxten Stier erinnert an ein Ereignis vor 17 Jahren, als ebenfalls ein Muni aus dem Schlachthof für Aufregung sorgte. Allerdings endete damals die Flucht des Tieres nicht mit dessen Tod. Im Gegenteil, es wurde – nach einem zwischenzeitlichen Aufenthalt im Kloster Fahr – ins Altersheim geschickt, wo es 2011 verstarb.

Flucht auf die Tribüne

Der Stier mit Namen Maradona dürfte vor allem all jenen Besuchern im Letzigrund in Erinnerung bleiben, die im Februar 1999 auf den Rückrundenstart zwischen dem FC Zürich und dem FC St. Gallen warteten. Das Tier war einen Monat zuvor aus dem Schlachthof ausgerissen und ins nahe gelegene Stadion geflüchtet. Sponsoren kauften den Stier und wollten ihn vor der Partie gegen St. Gallen den Fans als neues Maskottchen des FCZ präsentieren.

Allerdings spielte Maradona nicht mit. Aufgeschreckt von den Fotografen riss sich das Tier los und rannte auf das Spielfeld, wo sich die beiden Mannschaften bereits aufwärmten. Die Spieler flüchteten hinter das Tor, während Maradona seine Runden auf dem Rasen drehte. Damit aber nicht genug. Der Stier machte sich Richtung Tribüne auf. Dort verhedderte er sich schliesslich in den Schalensitzen. Seine zweite Flucht war nach zehn Minuten beendet.

Als Maskottchen an den Heimspielen kam Maradona nicht mehr zum Einsatz. Stattdessen wurde er ins Kloster Fahr gebracht. Es sollte jedoch nicht sein letzter Aufenthaltsort bleiben. Der wilde und ungestüme Stier erhielt schliesslich einen Platz in der «Stiftung für das Pferd» in Le Roselet, wo er seinen Lebensabend verbrachte.