Unterengstringen

Der «Ennetwässeler» und der Einheimische : Zwei Urgesteine

Charles Egli und Werner Müller vor dem Gemeindehaus in Unterengstringen

Charles Egli und Werner Müller vor dem Gemeindehaus in Unterengstringen

Wer in Unterengstringen bei einem Problem ansteht, fragt am besten Werner Müller oder Charles Egli: Beide arbeiten ihr halbes Leben für die Gemeindeverwaltung.

«An Treffen mit Vertretern aus anderen Gemeinden ertappe ich mich immer wieder, dass ich von ‹eusi Gmeind› spreche. Ich glaube das sagt alles über mein Verhältnis zu Unterengstringen. Trotzdem nennen sie mich hier immer noch den ‹Ennetwässeler›», sagt Werner Müller. «Aber das stimmt doch. Du wohnst nun mal auf der anderen Seite des Wassers», wirft Charles Egli ein.

Obwohl die Limmat die Grenze zwischen den Wohnorten der beiden markiert, könnten die verbindenden Elemente zwischen dem Dietiker Müller, bald 64-jährig, und dem Unterengstringer Egli, 63-jährig, kaum grösser sein. Fast zum gleichen Zeitpunkt vor 30 Jahren, haben sie ihre Stellen auf der Gemeindeverwaltung Unterengstringen angetreten.

Müller als Sektionschef, Zivilschutzverantwortlicher und Zivilstandsbeamter. Egli als Werkhofangestellter. Während Egli dem Werkhof bis heute treu geblieben ist und mittlerweile als Werkmeister amtet, musste Müller wegen Umstrukturierungen beim Militär und der Zentralisierung im Zivilstandswesen ein Amt nach dem anderen abgeben. Heute arbeitet er als Bausekretär und stellvertretender Gemeindeschreiber.

Sie kannten sich schon vor der gemeinsamen Arbeit

Kennengelernt haben sich die beiden nicht, wie man vermuten könnte bei der Arbeit, sondern schon vorher. Sowohl Egli als auch Müller waren in den Turnvereinen ihrer Wohnorte Mitglied. «Wir sind uns deshalb an verschiedenen Anlässen über den Weg gelaufen. Als wir uns dann auf der Verwaltung wieder trafen, musste uns niemand einander vorstellen», erinnert sich Müller.

Das Turnen ist indes nicht die einzige Leidenschaft, die die beiden verbindet. Der Zivilschutz hat ihnen ebenfalls viel bedeutet und schöne Erlebnisse beschert. Besonders gern blicken die beiden auf die alle zwei Jahre im Kloster Fahr durchgeführten Übungen zurück. «Ich kann mich noch an eine Evakuationsübung mit den Klosterfrauen erinnern.

Wir sollten sie aus dem zweiten Stock mit der Leiter retten. Allerdings getraute sich keine der Nonnen so recht», so Müller. Irgendwann habe sich dann aber doch Schwester Marie-Theres auf die Leiter gewagt und gesagt: «De Charly hebt mi scho». Das sei typisch gewesen. Wenn man nicht weiter wisse, frage man Charly oder auch ihn. «Wir sind die zwei Urgesteine auf der Verwaltung», sagt Müller.

Einer Verwaltung, der sie mittlerweile schon fast ihr halbes Leben lang treu geblieben sind. «Ich habe es gut hier. Es ist ein vielseitiger Job, der mich den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt bringt», erklärt Egli. Trotzdem habe es eine Phase gegeben, in der er ernsthaft nach einer anderen Stelle Ausschau gehalten habe. «Das hätte aber bedeutet, nicht mehr über Mittag nach Hause zum Essen zu gehen und sich dort ein wenig ausruhen zu können. Dieser Standortvorteil hat mich dazu bewogen im Werkhof zu bleiben», hält Egli fest.

Familiäre Gründen spielten eine Rolle

Bei Müller waren es anfänglich familiäre Gründe, nebst der Freude an der Arbeit, die ihn dazu bewogen, in Unterengstringen zu bleiben. «Ich war gerade Vater geworden, als ich mit meiner Arbeit auf der Verwaltung begann. Da bleibt man halt eher aus familiären Gründen 15 Jahre auf dem Job, bis die Kinder langsam das Haus verlassen», sagt Müller.

Aber natürlich fühle er sich auch wohl, geniesse den kurzen Anfahrtsweg. «Allerdings geniesse ich den Vorteil, dass der Wohnort und Arbeitsort nicht identisch sind, das gibt einem die Möglichkeit von der Arbeit abzuschalten und neue Kräfte zu sammeln», hält er fest. Ist der Arbeits- und Wohnort identisch, so Egli, sei man halt ständig Ansprechperson für alle kleineren und grösseren Probleme, auch in der Freizeit. «Erst seit 2005, als ich ins Elternhaus gezogen bin, habe ich das Gefühl nach der Arbeit abschalten zu können. Vorher wohnten wir in einer Wohnung oberhalb des Werkhofs», erklärt er.

«Eine schöne Wohngemeinde»

Bereut hat es keiner von beiden, der Gemeindeverwaltung nicht den Rücken gekehrt zu haben. Das liegt auch an Unterengstringen selber. «Ich konnte hier eins zu eins beobachten, wie das Dorf wächst. Es ist eine schöne Wohngemeinde. Und nicht nur als Besucher des Mittefasten-Festes habe ich erlebt, dass man hier gut aufgenommen wird», sagt Müller. Auch Egli findet, dass sich die Gemeinde gut entwickelt. «Die Bevölkerungsstruktur stimmt. Wer neu hierher kommt und sich aktiv am Dorfleben beteiligen will, der wird gerne und schnell integriert», hält er fest.

Eine schnelle Einarbeitung in seinen neuen Job, verlangte man vor 30 Jahren auch von Werner Müller. «Ich habe mich als Sektionschef beworben, musste dann aber auch das Amt des Zivilstandsbeamten übernehmen», erklärt er. Von Trauungen habe er allerdings keine Ahnung gehabt. Lange Zeit zur Vorbereitung auf seine erste Trauung sei aber nicht vorhanden gewesen. «Bereits in der ersten Woche musste ich ran. Dummerweise sprach das Brautpaar nur englisch.

Ich habe deswegen mit einer Schulfreundin meiner Frau den englischen Text gelernt», so Müller. Mit der Zeit habe es ihm aber immer mehr Spass bereitet, Leute zu trauen. «Eine Trauung ist ja eigentlich nichts mehr als ein kurzer rechtlicher Akt. Ich habe immer versucht, darüber hinaus mit den Anwesenden persönliche Gespräche zu führen. Wenn eine Trauung dann weniger als 20 Minuten dauerte, war entweder mit dem Brautpaar oder mit mir etwas nicht in Ordnung.

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