Unterengstringen
Der Elternverein Unterengstringen feiert sein 25-jähriges Jubiläum

«Frauen zurück an den Herd»: In den Anfangszeiten mussten die Gründerinnen des Elternvereins gegen den Widerstand von konservativen Männern und unmögliche Schulzeiten kämpfen.

Manuela Moser
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Elternverein Unterengstringen
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Der Bau des Robinsonspielplatzes war das erste Projekt des Elternvereins.
Es packten vor 25 Jahren alle mit an: Frauen, Männer und Kinder.

Elternverein Unterengstringen

ZVG

Am Wochenende feiert der Elternverein Unterengstringen (EVU) sein 25-Jahr-Jubiläum. Es wird ein grosses Fest unter dem Motto «Im Wilden Westen» geben. Dass die Anfangszeiten teilweise auch sehr «wild» waren, daran erinnern sich zwei Frauen, die damals mit dabei waren: Karin Baeriswyl und Gaby Egli. «Man darf nicht vergessen, dass wir hier ein Dorf sind», sagt Baeriswyl. So hätten besonders konservative Männer anfangs nicht goutiert, dass Frauen – die sich allesamt in der Chrabbelgruppe kennen gelernt hatten – Pläne für einen Elternverein hegten. «Es hiess damals, Frauen gehörten an den Herd.»

Doch die Unterengstringerinnen liessen sich nicht bremsen, und mit der tatkräftigen Unterstützung ihrer Männer und Kinder packten sie Schubkarre und Spaten und realisierten eines ihrer ersten Projekte: Den Bau eines schönen, kinderfreundlichen Spielplatzes. «Damals gab es in der Gemeinde keinen geeigneten Ort für Kinder», erinnert sich Egli. Der Robinsonspielplatz war geboren. Und es folgten weitere «Babys»: Um die Familien mit arbeitstätigen Eltern zu entlasten, setzten sie sich für die Blockzeitenbetreuung und den Mittagstisch ein.

«Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, aber damals kam ein Kind schon um 10 Uhr heim von der Schule und ein anderes musste erst um 10 Uhr gehen.» Damit die Gründerinnen mit ihren Verbesserungsvorschlägen mit mehr Schlagkraft an die Gemeinde herantreten konnten, gründeten sie den Verein. So entstand schliesslich der EVU, der heute in der Gemeinde geschätzt wird.

IG Familie

«Der Verein darf nicht sterben»

Vor rund 25 Jahren schossen Elternvereine in der gesamten Region aus dem Boden. Die Stadt Zürich unterstützte damals die Idee. So auch in Schlieren, wo der Elternverein 1989 sogar noch fünf Jahre früher als der Elternverein Unterengstringen entstand. Doch der Elternverein Schlieren – heute unter IG Familie bekannt und unter der Dachorganisation Freizeit Schlieren organisiert – steht vor dem Aus.

Wenn die vier Vorstandsmitglieder bis Ende Jahr keine Nachfolger finden, dann muss der Verein sowie das von ihm geführte Familienzentrum geschlossen werden. Präsidentin Anna Walther: «Das wäre extrem schade, das Angebot wird nämlich rege genutzt.» So seien am letztjährigen Samichlaustag 300 Personen gekommen. Das Problem in Schlieren ist, dass das Familienzentrum nicht wie in den meisten umliegenden Gemeinden von der Stadt unterstützt wird. «Wir müssen alle administrativen Arbeiten selbst erledigen.»

Für die Präsidentin entspricht der Einsatz konkret einem zusätzlichen, unentgeltlichen 20-Prozent-Job – nebst Familie und Hauptjob. Für die restlichen drei Mitglieder seien es weitere bis zu vier Stunden Einsatz die Woche. «Gerade in der Phase mit Kleinkindern und Erwerbsarbeit ist so ein Amt kaum zu bewerkstelligen», so Walther. Sie ist aber genauso überzeugt, dass der Verein nicht sterben darf. (moa)

Hauptmerk auf Aktivitäten

Heute setzt sich der EVU hauptsächlich für gemeinsame Aktivitäten und die Vernetzung im Dorf ein. Vom Babysitterkurs über eine Babysitterliste bis zum Spiel- und Chrabbeltreff ist alles dabei. Jährlicher Höhepunkt ist das Herbstfest. Insgesamt organisiert der EVU im Schnitt 15 Anlässe pro Jahr. Schliesslich runden kulturelle Angebote des Frauentreffs das Päckli ab, wobei dort Mütter auch mal ohne ihre Kinder teilnehmen dürfen. «Die Vertretung der Interessen gegenüber der Schule sind aber nicht mehr Sache des EVU», sagt das heutige Vorstandsmitglied Katiuscia Melis Bonello, die für die Presse zuständig ist. «Auch die Tagesstrukturen werden heute von der Schule selbst angeboten.»

Aktuell zählt der EVU 88 Mitglieder, 27 Gönner und 7 Vorstandsmitglieder – eigentlich Vorstandsfamilien, wie Melis Bonello betont. «Wir sind zwar alles Frauen im Vorstand, aber im Hintergrund helfen uns auch unsere Männer und Kinder.» Zur Zeit halten sich die Ab- wie Anmeldungen im Verein die Waage. Jedoch sei es immer schwieriger, freiwillige Helferinnen und Helfer zu mobilisieren, sagt Melis Bonello. Aber schliesslich klappe es mit der Suche immer – auch wenn sich immer dieselben Leute meldeten.

Ein Problemfeld bleiben die Mittelstufen-Kinder. «Es ist schwierig, sie zu erreichen», so Melis Bonello. Auch gebe es keinen richtigen Jugendtreff in der Gemeinde. Als Konsequenz schieden denn auch die Eltern aus dem Elternverein aus. So auch Karin Baeriswyl und Gaby Egli. «Wir haben das Zepter anderen überlassen, als unsere Kinder grösser wurden. Aktuell könnte der Elternverein sich aber über eine Sache freuen: «Wir suchen seit über einem Jahr einen Ort in der Gemeinde, wo ein familienfreundlicher Grillplatz entstehen könnte.» Bisher sei die Suche erfolglos verlaufen. «Aber», so Melis Bonello, «wir bleiben dran.»

Jubiläumsfest «Im Wilden Westen», 29. September, Schulhausareal Primarschule Büel, 10.30 bis 20 Uhr.