Schlieren
Der Eiger steht mitten im Limmattal

Zerfurcht und wild: Wie das rund 4000 Meter hohe Vorbild in den Berner Alpen wirkt auch das sechs Meter hohe Eiger-Relief in der Werkhalle der Zimmerei Robert Angst in Schlieren.

Nicole Emmenegger und Bettina Hamilton-Irvine
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Limmattaler Zeitung

Zerfurcht und wild: Wie das rund 4000 Meter hohe Vorbild in den Berner Alpen wirkt auch das sechs Meter hohe Eiger-Relief in der Werkhalle der Zimmerei Robert Angst in Schlieren. Nächste Woche wird das massive Holzkonstrukt zerlegt und in ein Museum im Berner Oberland transportiert, das Teil des neuen «Jungfrau Eiger Walk» ist. Der Erlebnisweg über «Triumph und Tragödie in der Eiger-Nordwand» ist ein Jubiläumsprojekt der Jungfraubahnen AG und kostet rund eine Million Franken.

Künstlerin arbeitet mit Kettensäge

Am 24. Juni soll die drei Kilometer lange Strecke zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Eigergletscher eröffnet werden. Am Eiger-Relief können die Besucher dann per Knopfdruck eine Auswahl von historisch wichtigen Routen per Laserstrahl nachzeichnen lassen.

Dass die neue Touristenattraktion im Limmattal produziert werden konnte, ist der Holzkünstlerin Katrin Zuzakova zu verdanken, die auf dem Schlieremer Gaswerkareal ein Aussenatelier betreibt. Sie schnappte sich vom Planungsbüro Steiner Sarnen Schweiz den Auftrag, das Eiger-Relief gemeinsam mit der Zimmerei Robert Angst zu gestalten.

Mit einer Kettensäge schnitt Zuzakova Felsen, Firnfelder und Abgründe des Eigers aus Ahornholz. Rund einen Monat lang war sie gemeinsam mit zwei Assistenten am Werk. «Ich habe noch nie etwas in dieser Art gemacht», sagt die Künstlerin. Die Balanceakte auf dem hohen Gerüst – die Kettensäge in waagrechter Position – seien körperlich sehr anstrengend gewesen. Einen Balanceakt leistete Zuzakova auch in künstlerischer Hinsicht: Einerseits sollte die raue Holzstruktur sichtbar sein – andererseits mussten charakteristische Punkte der Eiger-Nordwand wie etwa die berühmte «Spinne» erkennbar sein. Zu diesem Zweck projizierte die Künstlerin Fotografien des Berges auf die fast 6 Meter hohe, 4 Meter breite und 1,30 Meter dicke Holzwand. Zudem diente ein kleineres Gipsmodell als Vorbild. Nach Abschluss der Schneidarbeiten wurde das Relief mit Flammen und Farbe fertig gestaltet.

Zeitdruck und «Riesenfreude»

Die Grundlage für das Relief hatten die Zimmermänner der Firma Robert Angst geschaffen. Sie bauten eine Konstruktion aus 19 Ahorn-Holzschichten auf und verleimten die Elemente. «Das Projekt ist für unser Unternehmen aussergewöhnlich und einmalig», sagt Projektleiter Josef Gilli. Es sei eine «Riesenfreude» zu sehen, was man mit Holz machen könne.

Gleichzeitig war der Auftrag für die Handwerker eine Herausforderung – so wie es auch die Eigerbesteigung für die Berggänger ist: Das harte einheimische Ahornholz bremste die Arbeit und sorgte für Zeitdruck. Denn einerseits musste es die vom Auftraggeber verlangte Qualität aufweisen, andererseits musste es auch noch künstlich getrocknet werden. Zudem war es für die Zimmerei schwierig, in kurzer Zeit die rund 7,5 Kubikmeter dieser Holzart zu beschaffen: «Ahorn ist im Gegensatz zu Fichte oder Tanne ein untypisches Konstruktionsholz», so Gilli.

Für ihren Spezialauftrag reisen die Zimmerleute Ende Mai sogar ins Berner Oberland. Dort werden sie den zerlegten Schlieremer Eiger wieder aufbauen, in Sichtweite zum mächtigen Berner Vorbild.