Dietikon
Der Durchstich ist geglückt – die Limmat nimmt jetzt einen anderen Verlauf

Ein neu gebauter Seitenarm der Limmat fliesst jetzt mitten durch die Dietiker Grien-Insel. Die Vögel und die Fische freuts.

David Egger
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Am Freitag floss erstmals Limmat-Wasser in das neue Nebenflussbett auf der Grien-Insel, nachdem ein Bagger den Damm abtrug.
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Um Punkt 10 Uhr war es am Freitag so weit.
Nach dem Bagger wird nun die Natur den Nebenfluss gestalten. Das Wasser wird beispielsweise die Kies-Böschungen umgestalten.
Das Wasser strömte nach dem Durchstich sofort los. Hellbraun suchte es sich seinen Weg durch die Grien-Insel.
Nun wird die Tierwelt beginnen, die neue Wasserwelt zu besiedeln.
Auen-Durchstich Dietikon 07.09.2018
ber auch der Mittelspecht und die Wacholderdrossel sollen sich hier wohlfühlen. Auch für die Gemeine Keiljungfer, eine gefährdete Libellenart, und für Fledermäuse ist der neue Nebenarm positiv.
Der neue Nebenfluss soll insbesondere auch den Jungfischen von Nasen und Äschen Schutz bieten, da mitunter Wurzeln und Baustämme hineinragen.
Renaturierungsmassnahmen wie diese geschehen im Zuge des Ausbaus des Dietiker Limmat-Wasserkraftwerks der EKZ. Zu diesen wurden die EKZ verpflichtet, als sie eine neue Konzession zur Nutzung des Limmatwassers für ihre Stromproduktion erhielten.
«Der Auenwald ist von nationaler Bedeutung. Dass wir ihn nun mit einem Nebenfluss aufwerten können, ist sicher das Highlight der ökologischen Massnahmen», sagt Alfredo Scherngell, Leiter Wasserbau bei den EKZ.

Am Freitag floss erstmals Limmat-Wasser in das neue Nebenflussbett auf der Grien-Insel, nachdem ein Bagger den Damm abtrug.

Claudio Thoma

Es war ein kleiner Schritt für den Bagger, aber ein grosser für die Limmattaler Natur: Um Punkt 10 Uhr floss am Freitagmorgen das erste Wasser in den Auenwald auf der Dietiker Grien-Insel. Ein historischer Moment. Blaugrün glänzend hatte sich die Limmat zuvor beim Erdwall gestaut. Dann hob die Baggerschaufel das letzte Stück Erde des Damms in die Luft. Das Wasser strömte los, hellbraun suchte es sich seinen Weg durch die Grien-Insel. Weisse Schaumkronen tanzten auf der flüssigen Naturgewalt, die alles Leben überhaupt erst möglich macht. Und die jetzt mehr Platz hat.

Mit diesem ersten Durchstich ist der neue Nebenfluss aber noch nicht fertig. In zwei bis drei Wochen wird weiter unten auf der Insel wiederum gebaggert. Es erfolgt ein zweiter Durchstich, sodass der Seitenarm nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende hat. Bis dahin wird sich das Wasser im Auenwald noch aufstauen. Im November soll die Aufwertung des Auenwalds dann fixfertig sein.

Zudem beginnt jetzt die Natur, den Nebenfluss zu gestalten. «Die Böschungen bestehen hier vor allem aus Kies. Wenn das Hochwasser kommt, wird das erodieren und die Natur wird die Böschung immer wieder verändern», sagt Bauingenieurin Monica Fernandez.

Zudem beginnt die Tierwelt, die neue Wasserwelt zu besiedeln. Vom Nebenfluss profitieren sollen insbesondere die Eisvögel und die Gartengrasmücken, die beide auf der Roten Liste gefährdeter Arten verzeichnet sind. Aber auch der Mittelspecht und die Wacholderdrossel sollen sich hier wohlfühlen. Auch für die Gemeine Keiljungfer, eine gefährdete Libellenart, und für Fledermäuse ist der neue Nebenarm positiv. Was die Fische anbelangt, soll der Nebenfluss insbesondere den Jungfischen von Nasen und Äschen Schutz bieten, da mitunter Wurzeln und Baustämme hineinragen.

«Etwas vom Ursprungszustand»

Das Flussbett, in das am Freitag das Wasser floss, wurde bereits Ende des letzten Jahres gegraben (die Limmattaler Zeitung berichtete). Vor dem Durchstich enthielt es bereits Wasser. Dies hat mit dem Boden zu tun, der hier vor allem aus Schotter besteht. Für das Grundwasser war es ein Leichtes, sich an die Oberfläche zu drücken und so das Nebenflussbett zu füllen. Mit dem Durchstich des Damms stieg der Wasserpegel dann rasant an.

«Man gibt der Limmat wieder etwas von ihrem Ursprungszustand zurück. Mit viel Bewegung und Seitenarmen, wie sie sie vor vielen Jahren hatte. Das ist etwas Schönes und macht mir Freude», sagt Fernandez. Und auch Alfredo Scherngell, Leiter Wasserkraft bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ), hat Freude am neuen Seitengewässer. «Der Auenwald ist von nationaler Bedeutung. Dass wir ihn nun mit einem Nebenfluss aufwerten können, ist sicher das Highlight der ökologischen Massnahmen.»

Die Renaturierungsmassnahmen geschehen im Zuge des Ausbaus des Dietiker Limmat-Wasserkraftwerks der EKZ. Zu diesen wurden die EKZ verpflichtet, als sie eine neue Konzession zur Nutzung des Limmatwassers für ihre Stromproduktion erhielten. Zusätzlich zum neuen Nebenfluss wird etwa die Reppisch-Mündung neu gestaltet.

Neue Buchten und mehr: Hier gibt es noch mehr Fotos von der Limmat-Renaturierung

Hinter dieser neuen, naturnah gestalteten Bucht an der Limmat steckt viel Arbeit. 100 Tonnen Stein wurden dafür aufgewendet.
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Die sogenannten Raubäume, die im Ufer befestigt sind und die sechs Meter ins Wasser ragen, bieten Fischen wertvollen Unterschlupf.
Die Bucht schirmt eine kleine Flachwasserzone ab. Diese ist beispielsweise bei Jungfischen sehr beliebt.
Aber auch Wasservögel schauen sich die neue Bucht ganz neugierig an ...
... und inspizieren sie näher.
Hier in der Flachwasserzone herrscht wesentlich weniger Strömung.
Auch die grösseren Fische scheinen froh um die neue Ruhezone sein.
Neu ist auch diese Bucht auf Höhe der Allmend Glanzenberg. Sie wurde vor allem für den Menschen gebaut ...
... der hier künftig sein Gummiböötli auswassern kann.
Die Allmend Glanzenberg soll künftig die Nötzliwiese beim Dietiker Bahnhof etwas entlasten.
Noch sieht die Allmend Glanzenberg zwar relativ trist aus. Als nächstes werden die Bauarbeiter dafür sorgen, dass das Terrain der Allmend überall gleich hoch ist.
Der Humus an der Limmat ist wertvoll und muss wiederverwendet werden. Hier wird gerade für weitere neue Buchten gebaggert.
Der Hügel im Bild ist ein Humus-Depot am Rand der Allmend Glanzenberg.
Im Sommer 2019 soll die Allmend Glanzenberg eröffnet werden.
Bis dahin können Gummiböötler auch diese neue, provisorische Auswasserungsstelle auf Höhe des Bahnhofs Glanzenberg nutzen.
Sie hat die Bauführung inne: Monica Fernandez aus der Fahrweid Geroldswil.
Während die Bauarbeiten laufen, fahren jeweils die Gummiböötler und Steh-Paddler vorbei.
Neben neuen Buchten werden aber noch zahlreiche andere Massnahmen umgesetzt ...
So wurden nahe der Eisenbahnbrücke neue Buhnen erstellt.
Diese sollen das Ufer künftig besser vor der Strömung schützen.
Die Buhnen sind zurzeit noch zu einem grossen Teil unter der Erde versteckt. Sie werden später vom Fluss natürlich freigelegt. Dann werden sie dann automatisch ins Wasser hinausragen. So bremsen sie dann die Strömung ab.
Zahlreiche weitere Massnahmen werden noch umgesetzt werden. Die Limmattaler Zeitung hält Sie auf dem Laufenden.

Hinter dieser neuen, naturnah gestalteten Bucht an der Limmat steckt viel Arbeit. 100 Tonnen Stein wurden dafür aufgewendet.

Sandra Ardizzone

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