Das Couvert, das die Wahlberechtigten im Bezirk Dietikon für die am 24. März angesetzten Kantonsratswahlen erhalten, wird dick sein: 106 Personen von zehn verschiedenen Parteien buhlen darum, das Limmattal in den Jahren 2019 bis 2023 im Zürcher Parlament vertreten zu können.

Eine kurze statistische Auswertung ergibt: Der typische Kandidierende im Limmattal ist 48,4 Jahre alt, männlich und lebt in der Stadt Dietikon. Doch auch wenn diese Statistik im Durchschnitt stimmen mag – im Detail trügt sie. Es lohnt sich deshalb, genauer auf die zehn Wahllisten zu schauen.

Auch Männer ohne Chancen

Die aktuelle Delegation aus dem Limmattal ist männerlastig: 9 Kantonsräte und 2 Kantonsrätinnen vertreten den Bezirk. Dieses Verhältnis dürfte sich nun nicht wesentlich ändern. Auf den zehn Listen stehen 39 Frauen, während 67 Männer aufgeführt sind. Der Frauenanteil liegt bei 36,8 Prozent (im gesamten Kantonsrat liegt er aktuell leicht tiefer bei einem Drittel).

Dieser Anteil allein sagt aber noch nichts über die effektiven Wahlchancen aus: Auf die Platzierung kommt es an. So treten beispielsweise die Grünliberalen zwar mit gleich sieben Männern und nur vier Frauen an. Doch Letzteren gehören die attraktiven Listenplätze 1, 2, 4 und 5 – die GLP-Männer rangieren also eher unter ferner liefen und haben, obwohl eigentlich in der Überzahl, kaum Wahlchancen.

Trotz dieser Relativierung bleibt der Frauenanteil klein. Auf keiner einzigen Liste sind sie in der Mehrheit. EDU, EVP, AL und SP erreichen mit je 6 Männern und 5 Frauen immerhin fast ausgeglichene Listen. Und bei den Grünen herrscht ein 5:5-Unentschieden – dafür steht an erster und zweiter Position der männliche Spitzenkandidat Manuel Kampus aus Schlieren kumuliert aufgeführt. Bei SVP und FDP stehen sich je 9 Männer 2 Frauen gegenüber.

Die 2000er und die AHV-Rentner

Der typische Limmattaler Kandidierende ist zwar im Durchschnitt 48,4 Jahre alt – doch durchschnittlich sind die wenigsten: In der Regel liegen zwischen den jüngsten und ältesten Kandidaten auf jeder Liste knapp 40 Jahre.

Den Rekord für die grösste Spannbreite setzen EDU und AL des Bezirks Dietikon mit je 54 Jahren. Beide Parteien stellen damit auch die altersmässigen Pole. So wird auf beiden Listen mit Valeria Meier (Birmensdorf, EDU) und Leandro Putzengruber (Dietikon, AL) ein Kandidat aufgeführt, der ein Geburtsjahr im 21. Jahrhundert aufweist. Bei diesen Wahlen können zum ersten Mal 2000er-Jahrgänge antreten.

Und bei beiden Listen weist der älteste Bewerber – Heinrich Federer (Geroldswil, EDU) und Ernst Joss (Dietikon, AL) – Jahrgang 1946 auf. Mit mehr als 70 Jahren tritt im Weiteren nur noch ein dritter Kandidat an. Im AHV-Alter liegen übrigens insgesamt 9 der 106 Bewerber (8,5 Prozent). Die über 65-Jährigen sind damit im Vergleich zur kantonalen Wohnbevölkerung, in der sie einen Anteil von 17 Prozent ausmachen, auf den Listen untervertreten.

Im Durchschnitt die jüngste Liste legt die BDP vor, deren – lediglich acht – Nominierte im Durchschnitt knapp 39 Jahre alt sind. Mit der ältesten – oder erfahrensten – Liste steigt die AL ins Rennen, bei der das Durchschnittsalter bei über 57 Jahren liegt. Bei EVP und EDU liegt der Durchschnitt bei rund 53 Jahren, bei den übrigen Partien zwischen 45 und 49 Jahren.

Bewerber aus allen elf Bezirksgemeinden

Es sind aus allen elf Bezirksgemeinden offizielle Kantonsratskandidaturen gemeldet worden. Im Falle von Weiningen war es allerdings knapp; es stammt gerade ein Bewerber aus der Weinbaugemeinde (Bert Tiefenbacher, EDU).

Am häufigsten vertreten ist die Stadt Dietikon, in der 37 der 106 Nominierten Zuhause sind. Damit stammt etwas mehr als jeder dritte Limmattaler Kandidat aus dem Bezirkshauptort. Übervertreten ist er damit aber nicht: Er liegt mit umgerechnet 1,4 Bewerbern pro 1000 Einwohner im Mittelfeld.

Oetwil (6 Nominierte) ist demnach die Gemeinde mit dem dichtesten Kandidatenfeld: Pro 1000 Einwohner steigen hier gleich 2,4 Kandidaten in den Wahlkampf. Bei den Birmensdorfern (3 Kandidaten) und den Weiningern (1) scheint das Zürcher Rathaus hingegen nur wenig Interesse zu wecken: Die beiden Gemeinden stellen pro 1000 Einwohner nur 0,5 beziehungsweise 0,2 Kandidaten.

Wer in den Kantonsrat gewählt werden will, muss übrigens nicht in dem Wahlkreis leben, in dem er sich zur Wahl stellt. Als Voraussetzung gilt – neben der Stimmberechtigung – einzig ein Wohnsitz irgendwo im Kanton.

Die zehn Limmattaler Parteien setzen aber zu 99,1 Prozent auf Einheimische. 105 der 106 Kandidaten sind in einer Limmattaler Gemeinde gemeldet. Einzig die AL hat auf ihrem zweiten Listenplatz eine «Fremde» aufgeführt; die heutige Stadtzürcherin Manuela Schiller wuchs aber in Dietikon auf und hatte lange die Rechtsauskunft des Mieterverbandes in Dietikon geleitet.

Die etablierten Parteien treten an

Im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren hat sich die Zahl der Kandidierenden kaum verändert. 2015 waren 102 Personen angetreten, also insgesamt vier Kandidierende weniger als jetzt. Dafür stand damals eine Liste mehr zur Auswahl – die Piraten zogen als elfte Partei ebenfalls in die Schlacht und eroberten im Limmattal insgesamt 1016 Stimmen (Wähleranteil 0,71 Prozent). Beim bevorstehenden Wahlgang vom 24. März treten im Bezirk Dietikon nun nur all jene Parteien an, die bereits heute im Kantonsrat vertreten sind. Zu diesen Etablierten zählen SVP, SP, FDP, GLP, Grüne, CVP, EVP, AL, BDP und EDU.

Alle Bisherigen wollen es noch einmal wissen

Apropos etabliert: Theoretisch gibt es im Bezirk Dietikon keinen einzigen freien Sitz zu vergeben. Wie immer seit 1995 stehen dem Limmattal aufgrund der Bevölkerungszahlen genau 11 der 180 Kantonsratsmandate zu.

Und alle bisherigen Vertreter aus der Region treten erneut an. Sie stehen auf ihren Listen auch auf den vordersten und damit erfolgsversprechendsten Plätzen.

Die derzeitige Sitzverteilung – SVP (4), FDP (2), SP (2), CVP (1), GLP (1) und BDP (1) – ist aber trotz dieser Ausgangslage alles andere als in Stein gemeisselt. Offen ist unter anderem, wie die SVP ein Jahr nach den Verlusten bei den Kommunalwahlen abschneiden wird. Und es muss sich zeigen, ob der damals festgestellte grüne Aufwind weiterhin anhält oder ob er nur ein vorübergehendes Lüftchen war.

Zudem war es im Verlaufe der zu Ende gehenden Legislatur auch zu einem fliegenden Wechsel gekommen: Martin Romer fand bei der BDP Unterschlupf, nachdem er sich auf lokaler Ebene mit den Freisinnigen überworfen hatte. Der Dietiker zieht nun zwar mit dem Bisherigen-Bonus in den Wahlkampf, doch ist seine neue BDP-Basis für einen Sitzgewinn im Limmattal doch eher klein. 2015 errang die BDP im Bezirk 2288 Stimmen (Wähleranteil 1,60 Prozent), die Grünliberalen benötigten für ihren einzigen Sitz immerhin 8038 Stimmen (5,61 Prozent).

Allerdings traten damals für die BDP nur zwei Kandidaten an, die erst noch aus den fernen Ortschaften Uster und Rudolfingen stammten.

Auch wenn also alle Bisherigen antreten: Langweilig wird das Rennen um die elf Limmattaler Kantonsratssitze nicht. Acht Wochen haben die 106 etablierten und weniger etablierten Kandidatinnen und Kandidaten noch Zeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Und ebenso lange haben die Wählerinnen und Wähler Zeit, sich die Listen im Detail anzuschauen.