Schlieren
Der Chilbiplatz wird zum urbanen Wald – Limmattalbahn AG beteiligt sich an den Kosten

Mitten in Schlieren, wo dereinst das 2er-Tram wenden und die Limmattalbahn halten wird, entsteht ein neuer Platz. Er soll bewusst einen Kontrapunkt setzen zum sehr urbanen und etwas harten Stadtplatz weiter östlich.

Bettina Hamilton-Irvine
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Auf dem Geissweidplatz wird dereinst die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden. Die Stadt Schlieren plant, den Platz mit 80 Bäumen zu einer grünen Oase zu machen. Die Badenerstrasse (im Bild oben links) wird verschoben. BHI/ZVG

Auf dem Geissweidplatz wird dereinst die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden. Die Stadt Schlieren plant, den Platz mit 80 Bäumen zu einer grünen Oase zu machen. Die Badenerstrasse (im Bild oben links) wird verschoben. BHI/ZVG

Bettina Hamilton-Irvine

Dort, wo heute einmal jährlich die Schlieremer Chilbi stattfindet, wird ab 2019 die Limmattalbahn halten und das verlängerte 2er-Tram eine Wendeschlaufe ziehen. Nicht unweit davon brausen Züge zwischen Zürich und Dietikon hin und her, unmittelbar daneben fahren auf der Badenerstrasse Autos und Busse vorbei. Und mittendrin sollen Kinder in einem kleinen Wäldchen Fangis spielen und alte Männer ihre Boulekugeln rollen lassen.

So zumindest stellt sich die Stadt Schlieren den neuen Geissweidplatz vor. Mit 80 einheimischen Bäumen bepflanzt und mit Kies belegt soll der Platz zwischen Bach- und Badenerstrasse «einen grünen Akzent im Stadtbild setzen», schreibt die Stadt in einer gestern verschickten Mitteilung. Gerade auch im Hinblick auf die künftig noch dichtere Bauweise komme dieser Begrünung als «ökologische Oase» eine grosse Bedeutung zu. Nicht zuletzt will die Stadt damit auch dafür kompensieren, dass einige Bäume der geplanten Limmattalbahn weichen müssen. Dies tut sie nun ziemlich grosszügig: «Wie ein Wald» werde sich das grüne Blätterdach auf dem neuen Geissweidplatz präsentieren, heisst es in der Mitteilung.

Auf dem Geissweidplatz wird dereinst die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden. Die Stadt Schlieren plant, den Platz mit 80 Bäumen zu einer grünen Oase zu machen.

Auf dem Geissweidplatz wird dereinst die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden. Die Stadt Schlieren plant, den Platz mit 80 Bäumen zu einer grünen Oase zu machen.

Zur Verfügung gestellt

Klar, das Ganze sei definitiv ein urbaner Wald, räumt Bauvorstand Markus Bärtschiger auf Anfrage ein. «Der Verkehr rundherum, der bleibt.» Aber mit dem grünen, etwas verspielten Platz wolle man ganz bewusst einen Kontrapunkt setzen zum geplanten Stadtplatz, der teilweise als hart und sehr urban bezeichnet worden sei. «Der Geissweidplatz soll mehr zum Verweilen einladen, gleichzeitig aber nach wie vor sehr städtisch sein», sagt Bärtschiger, der als Vergleich den Stadelhoferplatz nennt.

Kosten: 1,3 Millionen Franken

Durch das Wäldchen werden Schneisen für Fussgänger gelegt. Geplant sind zudem ein Trinkbrunnen, Sitzgelegenheiten, eine WC-Anlage, eine LED-Beleuchtung und 20 gedeckte Veloabstellplätze. Während das 2er-Tram einmal rund um den Platz geführt wird, fahren Limmattalbahn, Autos und Busse südlich auf der Badenerstrasse daran vorbei. Diese wird weiter nördlich verlaufen als heute, damit die Stadt den Stadtpark ausdehnen und ein zusammenhängendes Zentrumsgebiet schaffen kann.

Kosten wird das ganze Projekt knapp 1,3 Millionen Franken. Weil der Platz in wesentlichen Teilen auch für das Trassee der neuen Stadtbahn genutzt wird, beteiligt sich auch die Limmattalbahn AG an den Kosten. Sie übernimmt gemäss Vertrag gut 300 000 Franken für Vorbereitungsarbeiten sowie Umgebung und Tiefbau. Für die 992 000 Franken, die für die Stadt Schlieren verbleiben, unterbreitet der Stadtrat dem Gemeindeparlament einen Kreditantrag. Wie der Weisung zu entnehmen ist, sind davon jedoch 480 000 Franken keine tatsächlich anfallenden Kosten, sondern der Wert des Grundstücks, das vom Finanzvermögen in das städtische Verwaltungsvermögen verschoben wird. Weitere 510 000 Franken übernimmt die Stadt für die Gestaltung des Platzes, Honorare und Reserven.

Wohin zügelt die Chilbi?

Erste Planungs- und Vorbereitungsarbeiten werden nächstes Jahr in Angriff genommen, wenn auch der Bau der ersten Etappe der Limmattalbahn beginnt. Tatsächlich gebaut werden soll auf dem Geissweidplatz dann voraussichtlich im Jahr 2018. Die Arbeiten müssen mit dem Bau des neuen Stadtplatzes, zu dem das Stimmvolk vor zwei Wochen Ja gesagt hat, und dem Bau der Limmattalbahn koordiniert werden. Diese soll, wie auch das verlängerte Tram Nummer 2, im Herbst 2019 in Betrieb genommen werden. «Klar ist: Bis dann muss auch der Platz fertig sein», sagt Bauvorstand Bärtschiger.

Noch nicht ganz klar ist indes, wohin die Chilbi zügeln wird, nachdem ihr bisheriger Platz anderweitig benötigt wird. «Es gibt andere Standortmöglichkeiten, aber die Auswahl ist nicht riesig», sagt Bärtschiger. Der Stadtrat habe sich zwar ganz klar dafür ausgesprochen, dass man die Chilbi weiterhin in Schlieren haben wolle. Aber: «Es ist nicht ganz einfach, einen neuen Ort dafür zu finden.»