Schlieren

Der Chilbiplatz sorgt für viel Gesprächsstoff: Die Nachbarn befürchten Baulärm und Betonwüste

Ein allfälliges Gebäude auf dem Chilbiplatz hätte bei einigen Anwohnern vorerst keine guten Karten.

Der «Traum von einer grünen Oase» mitten in Schlieren ist geplatzt. Auf dem Geissweid- oder Chilbiplatz können keine 80 Bäume gepflanzt werden, stattdessen steht die Idee eines mehrstöckigen Gebäudes im Raum. Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass einige Schlieremer diesen Entscheid bislang nicht mittragen.

«Es ist dann alles so verbaut, wenn hier ein weiterer Block hingestellt wird», sagt etwa Anwohnerin Verena Meier.Sie lebt in der Überbauung Gartenstadt, welche direkt am Platz liegt, und geht dort oft mit ihrem Hund spazieren. Auch dieser hätte sicher mehr Freude am «Miniwald in der Stadt», wie CVP-Gemeinderat Rolf Wegmüller das ursprüngliche Vorhaben des Stadtrats nannte.

«Schlieren wird zugepflastert»

Auch Konrad Meier, Allrounder bei der Stadt und derzeit fleissig damit beschäftigt, die Strassen zu salzen, ist der Meinung, dass die Grünflächen in Schlieren rar werden. «Seit zehn Jahren arbeite ich hier und in dieser Zeit entstanden viele neue Gebäude», so Meier. Immerhin, sagt er, werde aber ein Teil der Badenerstrasse im Zuge des Baus der Limmattalbahn in einen Park umfunktioniert. Ob das jedoch für die Zukunft ausreichen werde, ist er sich nicht sicher.

In dieselbe Kerbe schlägt Isabelle Rebierre, die nahe vom Chilbiplatz ein Kleidergeschäft führt. «Schlieren wird regelrecht zugepflastert», so ihr Eindruck. Rebierre findet, Bäume seien doch wirklich schöner anzuschauen als karger Beton, selbst dann, wenn die Limmattalbahn und das 2er-Tram durch das Haus fahren könnten.

«Nur ein Hin und Her»

Direkt am Chilbiplatz ist auch die Pflegewohnung Bachstrasse gelegen, die Wohnraum für neun Personen bietet. Eine Gruppe von Bewohnern reagiert gelassen auf die aktuelle Diskussion. Die Situation sei sowieso nur ein «Hin und Her». Sie äusserte aber Bedenken ob des Lärms, der im Falle von Bauarbeiten – gerade für ein Gebäude – anfallen werde.

Generell zeigten sich viele der Befragten rund um den Geissweidplatz enttäuscht über den Entscheid des Gemeinderats. Eine Passantin, die anonym bleiben möchte, befürchtet zudem, dass in einem allfälligen Gebäude die Mieten derart hoch sein könnten, dass für viele Menschen, die gerne in Schlieren leben würden, diese Wohnungen unerschwinglich wären.

Pessimistische Töne im Netz

Die Pläne zur Gestaltung des Chilbiplatzes sorgen nicht vor Ort für Gesprächsstoff, sondern auch im Netz. In den Online-Kommentaren der Limmattaler Zeitung macht sich ein gewisser Pessimismus breit. «Es erstaunt immer wieder, mit welcher Konsequenz die Stadt Schlieren die einmalige Chance verpasst, ihr Zentrum neu und attraktiv zu gestalten», schreibt etwa User Patrik. Auch von einem baldigen «Schandplatz» von Schlieren ist die Rede. «Na dann plant mal schön», kommentiert User Nate und legt schwarzseherisch nach: «Wetten, in den nächsten 15 Jahren passiert nichts?»

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