Es ist ein herber Rückschlag für die Nonnen im Kloster Fahr: Der Unterengstringer Gemeinderat hat beschlossen, seine Pläne für eine Buslinie von der Dorfstrasse zum Kloster und wieder zurück auf Eis zu legen. Der Grund: Eine Studie, die er den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) in Auftrag gegeben hatte, kam zum Schluss, dass eine solche Ortsbuslinie die Gemeinde jährlich zwischen 470 000 und 480 000 Franken kosten würde. «Das ist für uns definitiv zu viel», sagt der Unterengstringer Gemeindepräsident Peter Trombik. Angesichts grosser anstehender Investitionen, wie etwa dem geplanten Bau eines neuen Gemeindehauses, seien jährliche Ausgaben in dieser Grössenordnung illusorisch. «Wir bedauern den Entscheid des Gemeinderats sehr», sagt Priorin Irene vom Kloster Fahr auf Anfrage. Das Kloster sei ein beliebtes Ausflugsziel für viele Menschen. Gerade an Wochenenden sei die Verkehrssituation dort aber unbefriedigend.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Hoffnungen der Schwestern auf einen Busanschluss enttäuscht werden: Bereits vor zwei Jahren bestand die Idee, einen Bus vom Bahnhof Schlieren über das Rietbachquartier und die Bauhaus-Filiale zum Kloster und weiter ins St-Niklaus-Quartier in Unterengstringen und zurück zum Bahnhof Schlieren verkehren zu lassen. Die Nonnen und der Verein Pro Kloster Fahr nahmen damals die Taufe eines Aargauer Busses auf den Namen «Kloster Fahr» zum Anlass, mit einer improvisierten Haltestelle auf ihr Bedürfnis nach einem Anschluss aufmerksam zu machen.

VBZ stellte kaum Synergien fest

Die VBZ erachteten es aber schon damals als schwierig, eine solche Linie zu realisieren. Dies unter anderem deshalb, weil zwischen den zu erschliessenden Quartieren in Schlieren und Unterengstringen sowie dem Kloster Fahr kaum Synergien genutzt werden können: Probefahrten zeigten damals, dass zur Quartiererschliessung ein Tagesbetrieb notwendig wäre, während die Frequenzen zum Kloster lediglich am Wochenende ausreichen würden, um einen Anschluss zu rechtfertigen.

Nach ersten Gesprächen zwischen den Schlieremer und Unterengstringer Behörden sei der Austausch über das Projekt wieder eingeschlafen, sagen Trombik und der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin übereinstimmend. Die Gemeinde Unterengstringen begann schliesslich mit Abklärungen für einen eigenen Ortsbus, der zwischen der Dorfstrasse im St.-Niklaus-Quartier und dem Kloster Fahr verkehren sollte. Dies vor allem auch deshalb, weil von Bewohnern des Unterengstringer Quartiers mehrfach das Bedürfnis nach einem Anschluss an den öffentlichen Verkehr laut wurde, wie Trombik sagt. Unter ihnen sind viele betagte Menschen, die nicht mehr Auto fahren, aber auch nicht gut zu Fuss sind. «Sie wären froh um einen Bus, mit der sie leichter ins Zentrum und zu anderen Linien des öffentlichen Verkehrs gelangen würden», sagt er. Das Thema bleibe deshalb trotz des ernüchternden Resultats der VBZ-Studie auf dem Tapet. «Wir werden die Frage einer Buslinie bei Gelegenheit wieder in Gesprächen mit der Stadt Schlieren thematisieren», sagt Trombik. Denn eine gemeinsame Linie zu führen, sei für beide Gemeinden günstiger.

Schlieren hat ein eigenes Projekt

Es ist aber unwahrscheinlich, dass das Thema in Schlieren in absehbarer Zeit wieder auf den Tisch kommt: Im Herbst 2013 kam dort eine Volksinitiative zustande, die einen Ortsbus forderte, der den Schlierenberg, das Haus für Betagte Sandbühl, das Rietbach-Quartier und das Quartier Unterrohr anfährt. Weil er das Sandbühl bereits als ausreichend erschlossen und die Kosten für einen zusätzlichen Anschluss als zu hoch erachtete, legte der Stadtrat dem Gemeinderat vergangenen Juni einen Gegenvorschlag zur Genehmigung vor (die Limmattaler Zeitung berichtete). Das Parlament verwarf diesen allerdings. Deshalb arbeitete der Stadtrat nun einen Entwurf gemäss den Wünschen der Initianten aus. «Die Vorlage sollte in den nächsten Monaten im Parlament beraten werden können», sagt Brühlmann.

Doch auch wenn der Gemeinderat diesen Vorschlag genehmigt und ihm die Bevölkerung an der Urne seine Zustimmung erteilt, löst das die Frage nach einer Verbindung zum Kloster Fahr nicht: Es ist auch im Initiativvorschlag nicht als Zieldestination vorgesehen. Und mit dem Wunsch der Nonnen wird sich die Stadt Schlieren in absehbarer Zukunft nicht befassen, wie Brühlmann sagt: «Dazu müssten erst die Gespräche mit Unterengstringen wieder aufgenommen werden.»

Priorin Irene will dennoch nicht aufgeben: Die Schwestern würden zusammen mit dem Verein Pro Kloster Fahr, der 2012 in der Öffentlichkeit auf die Dringlichkeit der Buserschliessung hingewiesen hat, «am Ball bleiben», sagt sie: «Eine Idee ist, dass wir Unterschriften sammeln und so auf unser Anliegen aufmerksam machen.»