Urdorf
„Der Bunker in Urdorf ist ein kollektiver Friedhof“

Die «Velotour d’Horizon» endete nach zwei Wochen bei der Urdorfer Notunterkunft. Diese wurde von den Aktivistinnen und Aktivisten stark kritisiert. Ein Bewohner erzählte aus seinem Alltag.

Daniel Diriwächter
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Die Aktivistinnen und Aktivsten der «Velotour d’Horizon» am Ziel in Urdorf. ZVG

Die Aktivistinnen und Aktivsten der «Velotour d’Horizon» am Ziel in Urdorf. ZVG

Limmattaler Zeitung

Vor zwei Wochen startete die nationale «Velotour d’Horizon» in Zürich. Ihre Etappen waren sowohl neue Bundesasylzentren als auch bestehende Durchgangs- und Nothilfezentren. «Wir starteten mit fast 70 Personen», sagte der Aktivist Fabian Saner. Er unterstützt das Bündnis «Wo Unrecht zu Recht wird ...», das mit weiteren Organisationen die Velotour plante. Laut Saner herrschen in einigen Unterkünften prekäre Verhältnisse für die dort lebenden Menschen. Auf diese Situation galt es aufmerksam zu machen und sich weiter auch landesweit zu vernetzen. „Die Tour hat uns diesbezüglich viel gebracht“, sagt Saner.

Die letzte Station der Tour fand gestern nahe des Bunkers in Urdorf statt, der vom Kanton Zürich als Notunterkunft genutzt wird. Vor dem Bunker war es nicht möglich, die Abschlussveranstaltung abzuhalten. Laut den rund 30 direkt aus Luzern kommenden Aktivistinnen und Aktivisten werden im Bunker die Grundrechte von geflüchteten Menschen missachtet. „Die Freiheit der Bewohner ist extrem eingeschränkt“, sagt Saner.

In einer Rede wandte sich auch einer der Bewohner direkt an die Anwesenden. «Der Bunker in Urdorf ist ein kollektiver Friedhof», sagte er. Dort würden zeitweise mehr als 50 Migranten und Geflüchtete leben, weil sie papierlos sind oder ihr Asylgesuch abgewiesen wurde. Die obligatorische Unterschrift nach dem Aufwachen, die 8.50 Franken pro Tag oder das Eingrenzungsgesetz, das die Bewohner zwingt, innerhalb einer gewissen Distanz zum Bunker zu bleiben, wurden stark kritisiert.

Wenn die Gedanken kreisen

Ein weiterer Bewohner der Notunterkunft, der an der Veranstaltung teilnahm, ist der 41-Jährige Kermin. Er musste seine Heimat, den Iran, verlassen, weil er, wie er sagte, „Probleme mit dem Militär bekommen habe“. Seit zwei Jahren sei er in Urdorf. Das Leben in der Unterkunft sei sehr beschränkt, man habe nicht viele Möglichkeiten und sei zunehmend seinen Gedanken überlassen.

Dies sagte auch Goran, der aus dem Norden Iraks stammt. Der 41-Jährige ist in einer anderen Unterkunft beherbergt, wollte aber auch Teil der Abschlussveranstaltung der «Velotour d’Horizon» sein. „Das ist eine Abwechslung für mich“, so Goran. Auch seine Gedanken, seine Erinnerungen an die Flucht und sein Leben zuvor würden ihn im Alltag immer wieder einholen. Wie seine Zukunft aussehe, wisse er nicht. „Ich werde hier immer ein Ausländer bleiben, egal, was ich vorher gemacht habe.“

Für die Aktivistinnen und Aktivsten des Bündnisses «Wo Unrecht zu Recht wird ...», das sich Anfang 2017 gebildet hat, geht es nach der Velotour weiter. „Wir werden die Zentren immer wieder besuchen“, sagte Saner.