Oetwil

Der Bundesschutz hatte kaum konkreten Nutzen

Blick ins Oetwiler Dorfbild.

Blick ins Oetwiler Dorfbild.

Oetwil Die Streichung aus dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder besorgt die Gemeinde nicht. Im kantonalen Register will man aber bleiben.

Der Oetwiler Dorfkern ist nicht länger im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) vertreten. Vor kurzem wurde bekannt, dass eine Revision dieser Liste dazu geführt hat, dass im Kanton Zürich insgesamt neun Ortsbilder daraus gestrichen wurden. Fünf kamen neu hinzu. Einer der Neuzugänge ist das Gaswerk in Schlieren mit der angrenzenden Siedlung.

Der Streichung ihres Ortskerns schaut man in der Gemeinde Oetwil gelassen entgegen: Josef Hilber, Leiter der Bauabteilung, sagt, dass man vom Isos-Eintrag nicht speziell profitiert habe. Daher sehe der Gemeinderat von einer Intervention ab. Die Verantwortlichen des Bundesamtes für Kultur hatten im Vorfeld keinen Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen. Die Gründe für die Streichung seien der Gemeinde erst auf Nachfrage mitgeteilt worden.

«Handschrift ist verwischt»

Marcia Haldemann vom Bundesamt für Kultur weiss, warum Oetwil aus der Liste gestrichen wurde. «Der Dorfkern war früher sehr bäuerlich geprägt. Dieser Bezug ist im heutigen Dorfbild nur noch schwer erkennbar», sagt sie auf Anfrage. Mehrere Kriterien würden zu einer Aufnahme ins Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder führen, so Haldemann weiter. Dabei spielten auch topografische Faktoren eine Rolle. «Die Lage der Ortsbilder muss erkennbar sein. Bei bäuerlich geprägten Dörfern achten wir drauf, dass noch immer ein Bezug auf die Landwirtschaft im Umland zu finden ist», sagt sie. Auch die Strukturierung des Strassenraums und der öffentlichen Plätze würde berücksichtigt. «Früher herrschten noch andere Kriterien, was die Häuserabstände sowie die Ausrichtung angeht. Auch diese Handschrift ist in Oetwil verwischt», sagt sie weiter.

Bei der Frage, ob eine umsichtigere Baupolitik einen Erhalt des Dorfkerns im Bundesinventar hätte bewirken können, hält sie sich bedeckt: «Das Isos bietet Momentaufnahmen. Es ist nicht unsere Aufgabe, Gemeinden oder Kantone zu kritisieren.» Dass der Oetwiler Dorfkern den Kriterien nicht mehr genügt, sei die Folge einer Entwicklung, die ihren Ursprung bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren genommen habe, so Haldemann. Bauabteilungsleiter Hilber weist darauf hin, dass das Wachstum der Gemeinde in den letzten 20 bis 30 Jahren die Bebauung des Landes ausserhalb des Dorfkerns zur Notwendigkeit gemacht habe. «Nur ein Entwicklungsstopp hätte dazu geführt, dass Oetwil noch heute von landwirtschaftlichem Gebiet umgeben wäre», sagt er.

Auch auf kantonaler Ebene werden Ortsbilder, die besonders repräsentativ für eine Epoche sind, in ein Inventar aufgenommen. Die vom Amt für Raumentwicklung (ARE) zusammengestellte Liste enthält vier Ortskerne des Bezirks Dietikon: Aesch, Uitikon, Weiningen und Oetwil sind darin aufgeführt. Doch auch hier könnte es bald Änderungen geben. Wie Baudirektionssprecher Markus Pfanner auf Anfrage erklärt, sei zurzeit eine Revision des Inventars in Planung. «Dies steht nicht in Zusammenhang mit der Erneuerung des Bundesinventars», sagt er. «Auch wenn beispielsweise die Gemeinde Oetwil nicht mehr im nationalen Inventar enthalten ist, kann sie im Kanton Zürich weiterhin von überkommunaler Bedeutung sein», so Pfanner.

Auch dieser Neuevaluierung des kantonalen Inventars sieht Josef Hilber gelassen entgegen. «Ich gehe nicht davon aus, dass der Oetwiler Dorfkern auch aus diesem gestrichen wird. Andernfalls würden wir sicher den Fuss in die Türe halten», so Hilber.

Der konkrete Nutzen für eine Gemeinde, die im kantonalen Inventar aufgeführt wird, beschränkt sich auf Baubewilligungsverfahren. «Bei Projekten, die in schützenswerten Ortskernen geplant werden, wird durch ein koordiniertes Verfahren zwischen Kanton und Gemeinde die Qualität des Projekts geprüft», erklärt Pfanner. Einen finanziellen Zustupf vom Kanton gebe es derweil nicht.

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