Wie ernst es nicht nur der Zürcher, sondern auch der Aargauer Regierung damit ist, unterstreichen die beiden Exekutiven in zwei ebenfalls gestern verschickten, fast identischen Medienmitteilungen. Die Limmattalbahn sei als kantonsübergreifendes Gesamtprojekt geplant worden und entfalte ihren vollen Nutzen für die Siedlungsentwicklung nur mit einer ganzheitlichen Realisierung, heisst es in der Mitteilung. Zudem habe der Bund am 9. Oktober bereits eine Infrastrukturkonzession für das ganze Projekt erteilt. «Eine Aufteilung des Vorhabens in drei unterschiedlich priorisierte Etappen steht dazu im Widerspruch», schreiben die beiden Regierungen.

Der Bund hat im Juni dargelegt, wie er die nächste Tranche von insgesamt 1,56 Milliarden Franken aus der Bundeskasse für die Agglomerationsprogramme der zweiten Generation verteilen will. Knapp 83 Millionen Franken will er für das Agglomerationsprogramm Limmattal sprechen, das von den Kantonen Zürich und Aargau gemeinsam eingereicht wurde. Die Limmattalbahn, deren Realisierung rund 670 Millionen kosten wird, soll davon vorerst bloss 57 Millionen erhalten – mehr Geld gäbe es erst in der nächsten Tranche.

Jedoch soll nur der Abschnitt von Altstetten bis Schlieren in die höchste Priorität A eingestuft werden und somit im Zeitraum von 2015 bis 2019 Bundesgelder erhalten. Den Abschnitt von Schlieren bis Dietikon betrachtet der Bund bloss als Priorität B, was bedeutet, dass er für einen Beitrag in der Folgeperiode vorgemerkt ist. Der Aargauer Abschnitt der Limmattalbahn bis Killwangen ist im Bundesbeschluss nicht einmal erwähnt.

Treiber für Siedlungsentwicklung

Dass dies für sie nicht akzeptabel ist, stellten die zuständigen Regierungsräte Ernst Stocker (Zürich) und Stephan Attiger (Aargau) schon im Juni sofort klar. In einer gemeinsamen Stellungnahme präzisieren die beiden Kantone nun die Gründe für ihren Ärger. Für eine «nachhaltige, qualitativ hochstehende» Siedlungsentwicklung sei die Region auf die Limmattalbahn angewiesen, schreiben sie.

Umgekehrt löse die Bahn eine wirklich urbane Einwicklung einzelner hervorragend gelegener Standorte erst aus und wirke so als Treiber für die innere Siedlungsentwicklung. Eine Etappierung sei «nicht sinnvoll» und widerspreche sowohl dem Planungsstand wie auch dem Handlungsbedarf.

Kompromiss bei der Finanzierung

«Um dem Vorhaben gerecht zu werden, ist es jetzt und als Ganzes zu beurteilen», heisst es in der Stellungnahme weiter. Während die beiden Kantone fordern, die ganze Limmattalbahn müsse der A-Priorität zugewiesen werden, schlagen sie bei der Finanzierung einen Kompromiss vor. So könne man sich vorstellen, dass der Bundesbeitrag entsprechend den zwei Bauphasen der Limmattalbahn geleistet würde, um den finanziellen Engpass im Infrastrukturfonds zu überbrücken. Konkret heisst das: Die Finanzierung für die Strecke Altstetten bis Schlieren würde ab 2015 erfolgen, für die Strecke Schlieren bis Killwangen ab 2019.