2015 wurden im ganzen Bezirk Dietikon 963 neue Wohnungen gebaut. Nachdem die Zahl schon 2016 stark gesunken ist, waren es im Jahr 2017 noch 232. Das ist ein Rückgang um 75 Prozent. Seit dem Jahr 2010 wurden im Limmattal nie mehr so wenige Wohnungen gebaut wie letztes Jahr.

Das liegt vor allem an den beiden grossen Städten Dietikon und Schlieren. In Schlieren waren 2015 noch fast 300 neue Wohnungen gebaut worden. Letztes Jahr waren es lediglich 2. In
Dietikon ging die Anzahl neu gebauter Wohnungen zwischen 2015 und 2017 um 399 auf 18 zurück.

Ihnfogram: Übersicht des Wohnungsbaus der vier Gemeinden Dietikon, Schlieren, Urdorf und Aesch.

Der Hintergrund: «In den Jahren 2012 bis 2015 wurden im Limmattal überdurchschnittlich viele neue Wohnungen gebaut», sagt Magnus Gocke, wissenschaftlicher Mitarbeiter des kantonalen Statistischen Amtes. Das hat wohl jeder Limmattaler gemerkt: Es wurden ganze Quartiere aus dem Boden gestampft. «Das ist vor allem auf Flächen passiert, die zuvor nicht bebaut oder Industriegebiet waren.»

Als Beispiel für ein solches Grossprojekt nennt Gocke das Dietiker Limmatfeld. «Doch irgendeinmal sind diese Flächen einfach aufgebraucht. Und es sieht so aus, als wäre das jetzt in Dietikon und Schlieren der Fall.» Natürlich gebe es Ausnahmen wie das Dietiker Niderfeld. Doch viele der Optionen seien in den letzten Jahren ausgeschöpft worden.

Grund für geringes Wachstum?

Die verhältnismässig tiefe Anzahl neuer Wohnungen ist zumindest teilweise die Ursache dafür, dass 2017 kaum noch Menschen ins Limmattal gezogen sind. Zuvor war die Region immer auf den vorderen Rängen der kantonalen Zuzugsrangliste anzutreffen, letztes Jahr aber plötzlich auf dem zweitletzten Platz (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die Bevölkerung kann nicht wachsen, wenn es keine neuen Wohnungen gibt.

Das Jahr 2017 mit viel geringerem Wohnungsbau bleibt kein Ausreisser. In den Jahren 2018 und 2019 werden wohl ebenfalls deutlich weniger Wohnungen erstellt werden als früher. Das zeigen die Bauten, die schon im ersten Halbjahr dieses Jahres fertig wurden, und diejenigen, die projektiert sind und deshalb in den Registern der Statistiker auftauchen.

Infogram: Wohnungsbau im Limmattal in den letzten Jahren.

Seit 2012 wurden durchschnittlich rund 600 Wohnungen pro Jahr gebaut. In den nächsten Jahren werden es wohl jeweils noch etwa 300 sein. Auch wenn noch nicht ganz alle Bauprojekte in den Registern sind, sagt Analyst Gocke: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Anzahl neu gebauter Wohnungen in den nächsten Jahren annähernd an diejenigen von
2012 bis 2015 herankommt.»

In der Stadt Schlieren werden dieses Jahr laut dem Kanton nochmals 141 Wohnungen gebaut. Doch danach fällt die Stadt ins Muster dieses Jahres zurück: 2019 sind in den Registern des Kantons nur vier neue Wohnungen in Schlieren eingetragen. In Dietikon sind 2018 bislang nur 13 und 2019 nur 8 Wohnungen als Projekte registriert.

94 neue Wohnungen in Aesch

Während die beiden grossen Städte also viel weniger Wohnungen bauen, sind kleinere Limmattaler Gemeinden umso aktiver. 2017 war dies vor allem Aesch, wo 79 Wohnungen gebaut worden sind. Und auch für 2019 sind dort wieder 94 Wohnungen geplant.

«Es ist gar nicht so ungünstig, dass im Moment weniger Wohnungen gebaut werden als in den Boom-Jahren», sagt Gocke. «Es lohnt sich, im Hinterkopf zu behalten, dass nicht alle Wohnungen, die gebaut werden, auch sofort vermietet werden.» Ab 2011 ist die Quote der Wohnungen, die leer stehen, stark gestiegen. 2011 waren gerade mal 0,6 Prozent der Wohnungen im Bezirk Dietikon unbewohnt. Ende 2017 standen dagegen 1,1 Prozent leer. In absoluten Zahlen sind das 478 Wohnungen, die Ende 2017 Bewohner suchten. So viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Man sollte sich aber nicht daran gewöhnen, dass im Limmattal weniger gebaut wird. Der nächste Wohnungsbau-Boom könnte kommen. In Zukunft würden häufig Häuser, die aus der Zeit von 1940 bis 1980 stammen, saniert oder abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden, sagt Gocke. Damals wurde deutlich weniger dicht gebaut als heute.

Das heisst, pro Quadratmeter an Grundstücksfläche gibt es weniger Wohnungen. Wenn diese alten Häuser abgerissen und mit neuen und vor allem höheren Wohngebäuden überbaut werden, wird die Zahl neuer Wohnungen wieder stark ansteigen. «Ausserdem werden in Zukunft wegen des geänderten Raumplanungsgesetzes wohl mehr Möglichkeiten für
Eigentümer bestehen, ihre Häuser aufzustocken, also ein Stockwerk auf ein bestehendes Gebäude zu bauen.

Solche neuen Wohnungen sind in den dargestellten Zahlen nicht enthalten. Momentan fällt das kaum ins Gewicht, doch in den nächsten Jahren könne das zu einem
gewichtigen Faktor werden, sagt Gocke.