Dietikon

Der Betrieb beim Pontonier-Sportverein Dietikon kommt wieder in die Gänge – aber nur fürs Training

2 statt 350 Schiffe: Der Ausfall des Glanzenberg-Cups trifft die Pontoniere sportlich und finanziell. Fahrchef Marcel Kohler Roland Keller ist Präsident der 1909 gegründeten Dietiker Pontoniere.

2 statt 350 Schiffe: Der Ausfall des Glanzenberg-Cups trifft die Pontoniere sportlich und finanziell. Fahrchef Marcel Kohler Roland Keller ist Präsident der 1909 gegründeten Dietiker Pontoniere.

Sie stacheln wieder in der Limmat: Seit zwei Wochen sitzen die Mitglieder des Pontonier-Sportvereins Dietikon nicht mehr auf dem Trockenen. Sie dürfen aber nur trainieren.

Es liegt im Wesen eines ambitionierten Sportlers, dass er sich mit anderen Personen messen will. Der Unihockeyaner will Tore schiessen oder verhindern, die Kunstturnerin wirbelt für möglichst ­viele Punkte durch die Luft, und der Sportschütze tritt an, um mindestens einen Zähler mehr zu erzielen als die Gegnerschaft. Spätestens nach den Sommerferien starten die Meisterschaften und Wettkämpfe, der Sportbetrieb kommt langsam wieder in die Gänge. So weit, so gut. Doch wie steht es um die Wasserfahrer? Sie dürfen seit Montag, 15. Juni, wieder auf den ­Gewässern trainieren.

Aber Wettkämpfe im Corona-Jahr 2020? Fehlanzeige. ­Sowohl regionale als auch nationale Wettbewerbe wurden ersatzlos gestrichen und vorzeitig auf das kommende Jahr verschoben. «So etwas habe ich noch nie erlebt, es ist traurig», sagt ­Roland Keller, der Präsident der ­Dietiker Pontoniere.

Keller sitzt mit seinem Fahrchef Marcel Kohler im ersten Stock auf der Terrasse des vereinseigenen Hauses an der Limmat und sinniert über die Corona-Krise und deren Auswirkungen für seinen Klub. Während unten auf dem Vorplatz ein Pontonier nach dem anderen eintrudelt – das erste Training nach dem Lockdown steht auf dem Programm –, lässt Keller seinen Blick über die friedlich dahinfliessende Limmat schweifen und sagt: «Wir hätten ein ­intensives Jahr vor uns gehabt. Aber jetzt ist die ganze Planung Makulatur. Pech, aber das Leben geht zum Glück weiter.»

Der Glanzenburg-Cup findet erst 2021 statt

Dass beispielsweise die Schweizer Jungpontonier-Meisterschaft und die Schweizer Meisterschaft der Aktiven abgesagt wurden, ist in erster Linie schade für die harte Vor­bereitung der Fahrer. Dass der dies­jährige Glanzenburg-Cup, der Heimanlass der Dietiker, im Mai nicht hatte durchgeführt werden können, trifft die Limmattaler sportlich und auch finanziell. Keller: «Es wären 350 Schiffe hier gewesen, es hätte ­Betrieb geherrscht, wir hätten in der Festwirtschaft Geld verdienen können, es wäre einfach ein grosser Anlass der Pontoniere gewesen.» Hätte und wäre. Doch auch und vor allem in den Zeiten von Corona ist das Leben kein Wunschkonzert.

Apropos Finanzen. Wie hart treffen all die Absagen und Einschränkungen eigentlich die Vereinskasse? Ab­schliessend könne man das natürlich noch nicht sagen, meint Präsident ­Keller: «Aber wenn man in Betracht zieht, dass wir neben dem Glanzenburg-Cup auch kein Fischessen hatten und dass wir unser Vereinshaus nicht vermieten konnten, dann muss man schon von einem finanziell schwierigen Jahr ausgehen.» In seiner Existenz sei der 1909 gegründete Traditionsverein, der aktuell 18 Aktive und sechs Jungfahrer zählt, allerdings in keiner Weise gefährdet. «Wäre das so, hätten wir in der Vergangenheit ziemlich schlecht gewirtschaftet», sagt Fahrchef Kohler mit einem Lächeln.

Mit der Verschiebung des nur alle drei Jahre stattfindenden Glanzenburg-Cups auf den 29. Mai 2021 fällt heuer auch ein anderes Highlight für die Dietiker ins Wasser. Die neu an­geschaffte Vereinsfahne wird nun eben erst im kommenden Jahr feierlich ­eingeweiht. «Auch das ist natürlich schade», so Keller, «aber es passt halt zu der aktuellen Lage.»

Drei Generationen an der Limmat

In der Zwischenzeit haben sich die Vereinsmitglieder für das erste Nach-Corona-Training bereit gemacht, die Boote liegen im Wasser, die Stimmung ist aufgekratzt. «Bevor wir loslegen noch ein paar Infos», bremst Keller seine Kollegen. Die wichtigste Einschränkung: Es dürfen laut den Hygienebestimmungen nur zwei Personen in einem der 450 Kilogramm schweren Boote sein. Fahrchef Kohler gibt die Direktive heraus: «Wenn wir schon keinen Glanzenburg-Cup fahren konnten, dann simulieren wir ihn heute Abend als Trainingsfahrt.» Als aufmerksamer Beobachter steht Florian Keller am Ufer der Limmat und beobachtet die Szenerie ganz genau.

Vor 23 Jahren gewann der mittlerweile 77-jährige Florian Keller zusammen mit seinem Sohn, dem aktuellen Vereinspräsident Roland (51), in Dietikon das Eidgenössische Wettfahren. «Ich bin immer noch dabei und kümmere mich jetzt ein wenig um den Nachwuchs», sagt Keller senior und beugt sich über das eine Boot mit zwei abfahrbereiten Jungpontonieren. Dort lauscht Kellers 20-jähriger Enkel Nicola interessiert den Worten seines Grossvaters. Dann stechen auch die beiden aktuellen Schweizer Meister  in die Limmat.

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