Uitikon
Der beste Freund des Menschen als Therapeut

Erkrankte oder geistig behinderte Menschen reagieren auf besondere Weise auf Therapiehunde. So auch die Besucher des «Fritigs-Träffs» Die drei ausgebildeten Therapiehunde verdrehten allen den Kopf.

Gioia Lenggenhager
Merken
Drucken
Teilen
Hündin Lucie wartet auf ihre Belohnung: Ein Becher Süssmost.

Hündin Lucie wartet auf ihre Belohnung: Ein Becher Süssmost.

Gioia Lenggenhager

Lucie, Chara und Chiva hiessen die Heldinnen des Nachmittags. Am «Fritigs-Träff» drehte sich alles um die drei Hündinnen und darum, was sie von der Masse der Hunde abhebt: ihre Ausbildung zum Therapiehund.

Franziska Reinhard, Frauchen von Chara und Chiva und Mitglied im Verein Therapiehunde Schweiz, besucht schon seit über zehn Jahren an der Seite ihrer beiden Tibet-Terrier-Mischlinge erkrankte oder geistig behinderte Menschen. Sie sagte: «Ein Hund hat die Eigenschaften eines Eisbrechers und Brückenbauers.»

Negative Gefühle werden vergessen

Hunde würden durch ihre blosse Gegenwart positive Reaktionen auslösen, die man weder erwarte noch erklären könne, sagte Reinhard in ihrem Referat. Verkrampfungen würden sich lösen, der Muskeltonus und der Atem normalisiere sich, Ängste, Einsamkeit und Depressionen würden in den Hintergrund treten. «Die Menschen tauen jeweils richtig auf», ergänzte Ruth Huber, Frauchen von Lucie. Hunde könnten zwar niemanden ganz heilen, aber durch ihre Gegenwart verbessere sich die körperliche und geistige Verfassung von kranken Menschen merklich.

Susanne Lehmann, Aktivierungsfachfrau für demenzkranke Patienten, bestätigte die Wirkung der Tiere aus eigener Erfahrung: «Bewohner, die den ganzen Tag keinerlei Regung zeigen, lächeln, sobald sich der Hund an sie schmiegt», sagte sie.

Was die Menschen entspannt, sei für das Tier aber äusserst anstrengend, auch wenn es «nur» daliege und sich streicheln lasse, sagte Reinhard. «Die Hunde sind danach fix und fertig.» Darum sei nicht jedes Tier für die Arbeit als Therapiehund geeignet.

Belastbar, nervenstark, menschenfreundlich, zuverlässig, fröhlich und gehorsam sind nur einige der vielen Eigenschaften, die im Eignungstest vor der Zulassung zum Therapiekurs geprüft werden. Haben die Tiere den Charaktertest bestanden, lernen sie in einer sechsmonatigen Ausbildung in vollbesetzten Liften oder beim Knall einer zuschletzenden Türe ruhig zu bleiben, sich von glatten Klinikböden nicht irritieren zu lassen und sich, trotz ungewohnten Bewegungen von motorisch ungeschickten Menschen, entspannt zu verhalten.

Während über sie referiert wurde, trieben die drei Hündinnen ihren Schabernack. Sie beschnupperten schwanzwedelnd die Schuhe der Gäste, schlabberten geräuschvoll Wasser und erheiterten die Zuhörer mit auffälligem Gähnen.