Am Renntag vom 26. Juli in Avenches hatten die Pferde des Urdorfers Miro Weiss mit drei Siegen das Total auf 999 gestellt. Vieles sprach dafür, dass der Jubiläumstreffer am folgenden Renntag vom 3. August fallen würde. Doch die Pferde liessen ihren Trainer noch etwas zappeln: Sie mischten zwar stets vorne mit, begnügten sich aber mit vier zweiten und drei dritten Plätzen. Am Dienstagabend in Dielsdorf schien es im gleichen Stil weiterzugehen. In den ersten beiden Rennen resultierten wiederum zwei Ehrenplätze.

Als man sich schon mit dem Gedanken an eine erneute Verschiebung des Jubiläums vertraut gemacht hatte, hatte im fünften Rennen ausgerechnet der 16:1-Aussenseiter White Rules ein Einsehen, indem er unter der Nachwuchsreiterin Cheryl Schoch den grossen Favoriten Filou mit einer Halslänge auf den 2. Platz verwies.

Lange Familientradition

Miro Weiss, im Mai 67 geworden, gehört zu einer Familie, die seit vielen Generationen mit Pferden ihr Geld verdient. Seine Wurzeln liegen in der heutigen Slowakei. Als die Sowjetunion 1968 den Prager Frühling mit Panzergewalt niederwalzte, entschloss sich die Familie Weiss zur Emigration. Nachdem sie anfänglich in Zürich gelandet war, fand sie 1970 in Urdorf hinter dem Restaurant Sonne einen Hof, der sich für die Arbeit mit Pferden eignete. Man gab Reitstunden, trieb Handel und trainierte Vollblüter.

Geschah dies ein Jahrzehnt lang unter der Regie von Miros Vater Adolf Weiss, übergab dieser Anfang der 1980er-Jahre den Trainingsbetrieb seinem Sohn. Dessen erster Schützling hiess Clover Sirocco, ein vierjähriger Fuchswallach, der unter dem legendären Reiter Dölf Renk seine ersten drei Rennen alle gewann. 1983 zog die Familie in den Schüracher hinauf, wo man am Waldrand einen Hof samt Umschwung erwerben konnte. Um mit den Pferden nicht mehr nach Dielsdorf fahren zu müssen, legte man neben dem Haus eine eigene, 800 Meter lange Trainingsbahn an.

Russen bringen den Durchbruch

Gehörte der Stall Beliar, wie die Familie Weiss ihren Betrieb nach einem früheren Rennpferd nannte, in den 1980er-Jahren zu den mittleren Betrieben, änderte sich das in den Neunzigerjahren. Im Gefolge der Perestroika besuchte Miro Weiss regelmässig das russische Gestüt Voskhod, um dort Rennpferde zu kaufen. Die Exoten aus dem Osten wurden zuerst belächelt, doch einige unter ihnen wie Eimer, Shturm, Waldai oder Volta entwickelten sich zu Stars der Schweizer Turfszene. Nicht zuletzt dank den «Russen» wurde Miro Weiss 1996 erstmals Champion der Schweizer Galopptrainer. Die russische Episode ist längst Geschichte, doch der Erfolg ist dem Urdorfer Trainer treu geblieben: Ende des Jahres wird mit dem 20. Championat das nächste Jubiläum fällig.

Unter den vielen Höhepunkten der Karriere ragen drei noch heraus: 1994 triumphierte Goracji in Baden-Baden im international renommierten Oleander-Rennen. 2006 gewann Miro Weiss dank Big Bunny, Blue Ellen und Majofils innerhalb einer Saison alle fünf klassischen Prüfungen. Einzigartig auch der Coup im Grossen Preis von St. Moritz des Jahres 2009: In der Reihenfolge Song of Victory, Vlavianus und Collow belegten drei Weiss-Schützlinge geschlossen die Ränge eins bis drei.

Fragt man Miro Weiss, was entscheidend gewesen sei für seine Entwicklung vom mittleren Trainer zum 19-fachen Champion, meint er mit Schalk, aber auch mit Ernst: «Dass ich aufgehört habe, auf die anderen zu hören.»