Dietikon

Der Aufstand der alten Herren gegen die Limmattalbahn

Im Bereich Verkehr stützt sich der regionale Richtplan stark auf das Agglomerationsprogramm der zweiten Generation. Dabei soll der Anteil des öffentlichen Verkehrs deutlich steigen. Ganz zentral dafür ist die Limmattalbahn.

Die Limmattalbahn soll Ende 2022 Altstetten mit Killwangen verbinden.

Im Bereich Verkehr stützt sich der regionale Richtplan stark auf das Agglomerationsprogramm der zweiten Generation. Dabei soll der Anteil des öffentlichen Verkehrs deutlich steigen. Ganz zentral dafür ist die Limmattalbahn.

Prominente Alt Stadträte von Dietikon formieren sich gegen die Limmattalbahn — ihr Einfluss auf das Projekt wird von den Parteien unterschiedlich eingeschätzt.

Am vergangenen Mittwoch gründeten rund 20 Mitglieder den Verein «Limmattalbahn Nein», der gegen die geplante Stadtbahn ankämpfen wird. Bemerkenswert daran ist, dass der Vorstand mit vier ehemaligen Dietiker Stadträten bestückt ist. Hugo Panzeri (FDP), Reto Saxer (EVP), Turi Hess (SVP) und Marcel Achermann (SP) treten — über Parteigrenzen hinweg — geschlossen gegen die geplante Stadtbahn an, obwohl sich ihre jeweiligen Parteien dezidiert für den Bau des 755-Millionen-Bauwerks ausgesprochen haben. Diese reagieren teils zerknirscht auf die Vereinsgründung.

Der ehemalige FDP-Stadtrat Hugo Panzeri — er fungiert als Vereinspräsident — kämpft an vorderster Front für das Jahrhundertprojekt. Panzeri lässt auf Anfrage verlauten, dass er den Konfrontationskurs mit seiner Partei nicht gesucht habe, trotzdem sei er nun mal anderer Meinung und setze sich dafür ein. Werner Hogg, Präsident der Dietiker FDP, wusste nichts von einer Vereinsgründung und zeigt sich dementsprechend überrascht: «Wir wussten, dass Hugo Panzeri unglücklich darüber ist, dass die FDP seine ablehnende Haltung gegenüber dem Projekt nicht teilt.» Nach Hoggs Ansicht werden die Alt-Stadträte jedoch kaum einen grossen Einfluss auf das Grossprojekt haben. «Sie werden sicherlich Staub aufwirbeln. Aber am Ende entscheidet nicht nur Dietikon über die Limmattalbahn», sagt er.

EVP-Präsident Thomas Wirth findet deutliche Worte für die Aktivität des ehemaligen Stadtrates Reto Saxer. «Ich halte es für ungeschickt, dass ein ehemaliges Exekutivmitglied die Flagge gegen seine Partei hisst», so Wirth. Zwar sei eine Meinungsvielfalt in der EVP erwünscht, aber in einem derart zentralen Projekt könne dies unbegründete Ängste schüren. «Tritt man aus einem Amt wie dem Stadtrat zurück, dann bin ich der Ansicht, dass man seine Nachfolger machen lassen sollte», so Wirth. Den Einfluss des neuen Vereins in der allgemeinen Meinungsbildung schätzt er als «nicht unerheblich» ein.

Diskussionen werden geführt

SVP-Kantons- und Gemeinderat Rochus Burtcher sieht dies nicht so. «Die Limmattalbahn wird für die nächste Generation gebaut und nicht für die Generation der Mitglieder von ‹Limmattalbahn Nein›», so Burtcher. Der Einfluss des Vereins halte sich daher in Grenzen, trotzdem nehme man die Bedenken ernst. Dass die Alt-Stadträte mit ihrer Meinung das Licht er Öffentlichkeit suchen, hält er für unproblematisch. «Ehemalige Exekutivpolitiker müssen keine parteipolitische Rolle einnehmen», sagt er zum Engagement seines ehemaligen Stadtrats Turi Hess.

Dass Meinungsvielfalt in der Partei gross geschrieben werde, darauf verweist auch die Co-Präsidentin der SP-Ortspartei Rosmarie Joss. «Trotzdem ist es womöglich so, dass wenn der Vereinsvorstand noch immer politisch aktiv wäre, sie dem Projekt nicht derart kritisch gegenüberstehen würden. Dies, weil sie mehr Details und Hintergründe zu der Limmattalbahn hätten», so Joss.

Dass Marcel Achermann ein bekennender Stadtbahn-Gegner ist, das sei ihr unlängst bekannt. «Die Diskussionen, die um die Limmattalbahn geführt werden müssen, werden ohnehin geführt. Da sehe ich keinen grossen Einfluss, den der Verein darauf haben könnte», so Joss. Wie schätzt der Verein selbst seine Bedeutung in der weiteren Entwicklung des Projekts ein? Hugo Panzeri ist sich sicher, dass ihr Verein mehr Einfluss auf die Stimmbevölkerung haben wird, als auf die jeweilige Parteibasis. «Seit der Gründung wurde ich mehrfach auf der Strasse angesprochen und bekam ermutigende Telefonanrufe», sagt er.

Dass er eine andere Meinung vertreten würde, wäre er noch im Amt, dem widerspricht Panzeri ebenso. Auch die von Thomas Wirth angebrachte Kritik, dass man sich in solch wichtigen Fragen nicht gegen die eigene Partei stellen sollte, hält Panzeri für nichtig. «In Dietikon politisieren die Exekutive und die Legislative mehrheitlich an der Bevölkerung vorbei. Da muss man etwas machen.» Zudem sei ihm bewusst, dass dieses Projekt nicht für seine Generation gebaut werde. «Zwar sind vier von sechs Vorstandsmitgliedern im Pensionsalter. Aber es kommt nicht auf das Alter der Beteiligten an, sondern auf die Argumente untermauert.»

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