Dietikon
Der Ansturm auf das Sozialamt ist ausgeblieben

Seit einem Jahr gilt das revidierte Arbeitslosengesetz. Mit der Änderung ist der Druck sowohl auf Stellensuchende als auch auf Ämter gestiegen. Der Dietiker Sozialvorstand Johannes Felber winkt aber ab: «Die Zunahme von Fällen war unbedeutend».

Katja Landolt
Merken
Drucken
Teilen
Tausende wurden mit dem neuen Gesetz ausgesteuert. Auf das Dietiker Sozialamt ist aber kein Run ausgebrochen. (Symbolbild)

Tausende wurden mit dem neuen Gesetz ausgesteuert. Auf das Dietiker Sozialamt ist aber kein Run ausgebrochen. (Symbolbild)

Oliver Menge

Per 1. April 2011 ist das revidierte Arbeitslosengesetz in Kraft getreten; schweizweit wurden auf einen Schlag Tausende Arbeitslose ausgesteuert. Die Angst bei den Sozialämtern vor einem Ansturm neuer Sozialhilfebezüger war gross. Der Dietiker Sozialvorstand Johannes Felber (CVP) rechnete im Interview mit der az Limmattaler Zeitung vom 1.April 2011 noch «mit einer Zunahme von gegen 60 bis 80 Prozent, die neu auf Sozialhilfe angewiesen sein werden.»

Johannes Felber (CVP).

Johannes Felber (CVP).

Zur Verfügung gestellt

Auch wenn die Freude über den ausbleibenden Ansturm gross ist, bleibt Felber vorsichtig: «Der Schweizer Arbeitsmarkt hat sich im letzten Jahr – im Gegensatz zum Rest von Europa – gut entwickelt. Die Konsequenzen der Gesetzesrevision werden erst bei einem Einbruch des Arbeitsmarktes spürbar.» Und Felber betont, dass zwar die Fälle in der Stadt Dietikon nicht merklich zugenommen hätten, wohl aber die Kosten – beispielsweise für Fremdplatzierungen und Mietkosten.

Leidensdruck hat sich erhöht

Den Grund für die positive Entwicklung ortet auch Greif in erster Linie im gesunden Schweizer Arbeitsmarkt. Aber nicht nur: Der Leidensdruck auf die Arbeitslosen habe sich durch die Gesetzesrevision deutlich erhöht. «Der Druck auf die Arbeitssuchenden, auch eine Stelle anzunehmen, die nicht zu 100Prozent den Vorstellungen oder dem Ausbildungsstand entspricht, hat zugenommen.»

Die Gesetzesrevision bedeutete nicht nur eine Umstellung für die Arbeitslosen, sondern auch für die zuständigen Ämter. «Der Druck und die Anstrengungen, die Stellensuchenden so rasch als möglich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sind gross», sagt Sozialvorstand Felber.

Beim RAV wurden ganze Arbeitszyklen umgestellt: «Die Stellensuchenden werden noch einen Schritt schneller beraten», sagt Greif. Die Beratungen seien absolut zielorientiert aufgebaut, die Stellensuchenden werden noch enger betreut. «Die Qualifizierungsangebote sind neu modular aufgebaut, sodass die Stellensuchenden schneller in die Kurse aufgenommen werden können», so Greif.

Rege genutztes Bewerbungsbüro

Zudem wurde das RAV-interne Bewerbungsbüro ausgebaut. «So können Stellensuchende ohne eigenen Computer Lebensläufe und Bewerbungsschreiben direkt im RAV erstellen lassen», sagt Greif. Das Angebot werde rege genutzt. Wer im Umgang mit Computern geübt ist, kann an einer der sechs Arbeitsstationen die Unterlagen selbstständig zusammenstellen.