Schon bei der Fusion des HC Dietikon und Urdorf/Stapo zum HC Dietikon-Urdorf im Jahr 1993 war der Niedergang nicht mehr aufzuhalten. Jener hat mit der Entwicklung der Sportart in der Schweiz im Allgemeinen und im Raum Zürich im Speziellen zu tun. Spätestens mit der Fusion der zwei NLA-Klubs GC und Amicitia 2010 ist klar, wie schwer der Stand des Leistungshandballs in und um die Stadt ist.

Der HCDU und der Leistungsgedanke – zwei Begriffe, die sich in den letzten Jahren bissen. Für das Gros der Mannschaft stand und steht der Sport nicht an erster Stelle hinter der Arbeit und der Ausbildung, sondern deutlich dahinter. Absenzen im Training sind keine Seltenheit, jeder Trainer ist deshalb an seinem Vorhaben gescheitert, drei Einheiten wöchentlich durchzuführen. Jüngst wurde Karsten Hackel seiner Illusionen beraubt. Er wählte in der vergangenen Woche den Abgang vor dem Ende der Abstiegsrunde und damit vor der nun feststehenden Relegation. Dennoch geht er als Abstiegstrainer in die Geschichte ein. Das Hin und Her um seinen kürzlich verlängerten Vertrag sowie sein – teamintern kritisiertes – manchmal selbstherrliches Auftreten haben der Mannschaft in den schwierigen Situationen nicht geholfen.

Der Abstieg ist kein Zusammentreffen von unglückhaften Umständen. Er ist strukturell, hat sich also lange abgezeichnet. Zu Beginn der 2000er-Jahre war der HCDU in der NLB in einer fast identischen Situation wie zuletzt. Das Talent Einzelner und der grosse Zusammenhalt reichten lange, um den erstmaligen Abstieg aus der zweithöchsten Liga zu verhindern. 2005 war es dann so weit. Wie damals gilt heute die einfache Feststellung: Irgendwann musste es das Team erwischen. Der in der Führung ausgedünnte Verein konzentriert sich seit längerem – zu Recht – auf die Nachwuchsarbeit. Die erste Mannschaft ist lange sich selbst überlassen worden. Der Mix aus der Philosophie, kein Geld fliessen zu lassen, dem Fehlen einiger
Juniorenjahrgänge, und dem Schicksal, dass die grössten Talente sich in Zürich versuchen, fordert seinen Tribut. Natürlich wogen in der aktuellen Saison auch die plötzlichen Abgänge von Guitton, Wallisch und
Hilkinger schwer. Die Relegation wäre mit ihrem Zutun aber höchstens aufgeschoben worden.

Im ersten Moment ist der Abstieg zwar bitter, auf weitere Sicht aber gut für den HCDU. Denn er bringt die dringend benötigte Zeit mit sich, einen Schritt zurückzutreten und sich Fragen zu stellen. Der Verein kann sich Gedanken darüber machen, wo er sich in Zukunft
im Aktivhandball positionieren will. Der neue Trainer kann ohne den immerwährenden Druck des Abstiegskampfs behutsam eine hungrige Mannschaft aufbauen um Stützen der Zukunft wie Daniel Burla oder Francesco Biffiger. Vereins-Rekordtorschütze Daniel Imhof kann sich gegebenenfalls ohne schlechtes
Gewissen aus der ersten Mannschaft verabschieden. Die schliesslich kann durch Siege wieder Spass am Handball entwickeln und so vielleicht auch wieder mehr Interesse dafür in der Region wecken. Durch den Abstieg erhält der Verein zum ersten Mal die Zeit für einen echten sportlichen Neuanfang.