Schlieren
Denkmalpflege: Wird nun ein Stück Schlieremer Geschichte zerstört?

Ein altes Wohnhaus mit Scheune, Schopf und Waschhaus, das als schützenswert beurteilt wurde, musste aus dem Inventar der kulturhistorischen Objekte gestrichen werden.

Florian Niedermann
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Laut Denkmalpflege ist der Hof am Alten Zürichweg ein wichtiger «bau- und siedlungsgeschichtlicher Zeuge».

Laut Denkmalpflege ist der Hof am Alten Zürichweg ein wichtiger «bau- und siedlungsgeschichtlicher Zeuge».

Florian Niedermann

Der Schlieremer Stadtrat musste einen Hof am Alten Zürichweg 70a wider Willen aus dem Inventar der kulturhistorischen Objekte entlassen. Die Stadt hatte zuvor ein Gutachten der kantonalen Denkmalpflege eingeholt, das zum Schluss kam, dass das Wohnhaus mit Scheune, Schopf und Waschhaus gemäss Planungs- und Baugesetz ein «wichtiger bau- und siedlungsgeschichtlicher Zeuge» sei.

Anordnung innert Jahresfrist

Dass der Stadtrat den Gebäudekomplex dennoch aus dem Inventar entliess, hängt mit seiner Praxis im Umgang mit solchen Gebäuden zusammen: Die Eigentümer stellten im August 2009 ein Provokationsbegehren. Dieses zwingt den Stadtrat dazu, innert Jahresfrist abzuklären, ob und in welchem Umfang ein im Inventar verzeichnetes Gebäude unter Schutz zu stellen ist. Dabei würden die Schutzmassnahmen definiert, die bei einem Um- oder Ausbau getroffen werden müssten. Der Verbleib im Inventar fällt dahin, wenn der Stadtrat nicht innert Jahresfrist eine dauernde Anordnung verfügt.

Inventarisierung: Ein Quell der Unmut

Die Inventarisierung kulturhistorischer Objekte sorgte in Schlieren schon verschiedentlich für Unmut.

Zuletzt erhitzten sich die Gemüter, als der Stadtrat im September 2009 57 Objekte neu ins Inventar aufnahm. Für rote Köpfe sorgte damals insbesondere, dass die Hauseigentümer von der Inventarisierung erst aus der Presse erfuhren. Die Exekutive hatte es versäumt, sie im Vorfeld zu informieren.

Im Februar 2011 lud der örtliche Hauseigentümerverband zu einer Aussprache mit dem Stadtrat, der kommunikative Fehler eingestand. Schon damals erklärte die Stadt, dass es ihre Absicht sei, die Differenzen mit Eigentümern von inventarisierten Gebäuden einvernehmlich zu besprechen und eine gütliche Einigung zu erzielen.

In Leserbriefen wurde diese Praxis seit 2009 mehrfach kritisiert. Darin warfen Hauseigentümer der Stadt «willkürliche Unterschutzstellungen» vor und verurteilten die «beängstigende Abhängigkeit von einzelnen Beamten, Behörden oder rekursfreudigen Personen». (fni)

Die Stadt verfährt in der Regel in solchen Fällen so, dass sie mit den Gesuchstellern einvernehmlich zu vereinbaren versucht, welche baulichen Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit der Stadtrat von einer Unterschutzstellung absieht, wie Bauvorstand Jean-Claude Perrin (SVP) erklärt. Das Objekt würde in diesem Fall im Inventar verbleiben, und bei weiteren Bauvorhaben wieder von Neuem überprüft, bevor ein Projekt bewilligt oder eine Unterschutzstellung erwirkt würde. Dieses Vorgehen bringe beiden Parteien Vorteile, erklärt Perrin. Die Stadt habe weiterhin die Kontrolle über Bauvorhaben am inventarisierten Gebäude. Der Bauherrschaft bliebe dafür erspart, dass sie sich nach unwiderruflich festgesetzten denkmalschützerischen Vorgaben richten müsse.

Im Fall des Hofes am Alten Zürichweg konnte der Stadtrat aber nicht erreichen, dass das Objekt im Inventar verbleibt. Während der Verhandlungen wurde die gesetzlich vorgeschriebene Jahresfrist überzogen. «Deshalb haben wir konsequenterweise die rechtlichen Schritte zur Entlassung aus dem Inventar veranlasst», so Perrin.

Bauherren teilen Ansichten

Wird nun ein Stück Schlieremer Geschichte zerstört? «Nein», sagt Perrin. Theoretisch könnte der Bauherr nun zwar weiter reichende Änderungen am Hof und den dazugehörigen Gebäuden zur Prüfung beantragen, dies sei aber nicht zu erwarten. Bei den Gesprächen mit Vertretern der Bauherrschaft habe sich herausgestellt, dass sie die bewahrenden Ansichten der Stadt in den meisten Punkten teilen würden, so Perrin: «Das Umbauprojekt am Alten Zürichweg ist auf gutem Weg.» Die Bauherrschaft sei in ihrer Bautätigkeit ohnehin nicht völlig frei. «Die Gebäudegruppe steht in der Landwirtschaftszone, dort gelten verschärfte Bauvorschriften.» Der Eigentümer und Bauherr der Liegenschaft weilt derzeit im Ausland und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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