Dietikon

Denkmalpflege schaltet sich ein: Minigolfpark ist jetzt im Inventar der Denkmalschutzobjekte

Wie lange werden im Minigolfpark in Dietikon noch Bälle eingelocht? Bis im Herbst 2020, lautet der erste Teil der Antwort. Für immer, lautet hingegen die Antwort, wenn es nach der kantonalen Denkmalpflege geht.

2020 wird die letzte Minigolf-Saison in Dietikon, danach sollen auf der Mühlematt Wohnungen gebaut werden. Doch jetzt durchkreuzt die Denkmalpflege die Pläne des Grundeigentümers.

Dietikon ohne Minigolf ist schwer vorstellbar. Doch so soll es kommen. Der Betreiber des Minigolfparks Mühlematt, Walter Wiederkehr, und der Grundeigentümer haben sich geeinigt, den bis 2027 geltenden Baurechtsvertrag per Herbst 2020 aufzulösen. Dies nachdem Wiederkehr hierfür auf den Eigentümer zugegangen war. Die frühzeitige Auflösung des Vertrags bedeutet: Im Herbst 2020 wird auf der weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebten Anlage letztmals ein Minigolf-Ball rollen. Walter Wiederkehr und der Ort, in den er so viel Schweiss und Herzblut steckte, werden dann verabschiedet.

Wiederkehr bestätigt: «Meine Hoffnung war, dass die Stadt Dietikon die Minigolfanlage übernimmt, denn sie ist etwas Schönes für die ganze Bevölkerung. Da Dietikon aber kein Geld oder kein Interesse hat, heisst das für mich, dass es sowieso fertig ist im Jahr 2027. Ich musste mir überlegen, ob ich den Minigolfpark tatsächlich noch bis dahin betreiben will.» Wiederkehr und seine Frau entschieden sich dagegen. Denn man darf nicht vergessen: Wiederkehr arbeitet zu hundert Prozent bei einem Dietiker Garagenbetrieb, die Minigolfanlage führen er und seine Frau Esther Wiederkehr nebenbei in der Freizeit. «Acht Monate im Jahr arbeiten wir sieben Tage pro Woche. Mit 59 Jahren bin ich nicht mehr der Jüngste, ich muss auf die Gesundheit achten. Zudem stellt sich auch die Frage nach nötigen Investitionen in die Anlage.»

«Sie bis 2027 zu betreiben, wäre nur eine Verzögerung»

Wiederkehr führt die 1969 erbaute Anlage seit 1997. «Ich liebe diese Anlage, sie ist wunderschön, und es ist unbegreiflich, dass sie wegkommt. Sie bis 2027 weiterzubetreiben, wäre nur eine Verzögerung, keine Rettung. Es tut weh, ich hatte viel Arbeit und habe immer gedacht, irgendwie wird es vielleicht weitergehen», sagt er.

Auch politisch gab es ein Engagement. Doch im Frühling zog Gemeinderätin Manuela Ehmann (EVP) ihr Postulat für den Kauf der Minigolfanlage durch die Stadt zurück. Der Stadtrat hatte ihr den Rückzug nahegelegt, da die Stadt sich noch mehr Zeit für Abklärungen erbat. Später stellte die Stadt dann gegenüber Ehmann klar, dass es nicht zu einem Kauf kommen wird. «Letztlich kamen die politischen Bemühungen zu spät. Das bedaure ich sehr. Ich kann der Bevölkerung nur empfehlen, jeweils möglichst früh auf die Parlamentarier zuzukommen», bilanziert Ehmann.

Es ist also aus, im Herbst 2020 rollt der letzte Ball. Danach sollen die Bagger auffahren. Die Primobilia AG aus Wallisellen, der das grosse Landstück ob dem Marmoriweiher gehört, will dort ein Mehrfamilienhaus erstellen. Etwa acht bis zehn Wohnungen an bester Lage sind geplant. Die Wohnlage ist höchst attraktiv: mit der Bushaltestelle Marmoriweiher und der im Vergleich zu anderen Achsen nicht sehr lauten Hasenbergstrasse und dem Marmoriweiher in nächster Nähe. «Entsprechend der Lage wird es schöne, grosse Mietwohnungen in einem guten Standard geben. Dies zu erschwinglichen Preisen. Denn wir wollen hier nicht nur für eine bestimmte Klasse bauen», sagt Rolf Schuhmacher, Geschäftsleiter der Primobilia AG. Das Unternehmen hat bereits einen sechsstelligen Betrag investiert, so zum Beispiel für die Arbeit des Architekten und weitere Leistungen. «Das Baugesuch werden wir noch diesen Oktober einreichen», stellt Schuhmacher in Aussicht.

Zwar soll das Minigolf verschwinden. Aber Schuhmacher und seine Firma wollen sich anderweitig für die Dietiker Bevölkerung engagieren. «Es ist denkbar, dass wir am Ufer des Weihers einen Streifen Land abgeben, damit die Stadt einen Uferweg rund um den Marmoriweiher realisieren könnte. Für unsere Bewohner ist es vielleicht nicht optimal, wenn viele Leute den Marmoriweiher aufsuchen. Trotzdem helfen wir gerne mit, wenn er als schönes Erholungsgebiet besser zugänglich gemacht wird», sagt Schuhmacher. Einziges Problem: Man müsste auch noch andere Anstösser für ein solches Uferwegprojekt begeistern, um es tatsächlich verwirklichen zu können.

Konkrete Verkaufsverhandlungen für das ganze Mühlematt-Grundstück hat die Primobilia AG mit der Stadt nie geführt. Die Stadt habe sich aber nach dem Marktwert erkundigt. Dieser wird auf etwa 3 Millionen Franken geschätzt. Der Kaufpreis würde aber wohl nochmals anders aussehen. Zu viel für die Stadt.

«Schutzzweck: Substantieller Erhalt aller Minigolfbahnen»

Fazit: Es gibt noch das eine oder andere zu klären, aber die Primobilia AG hat klare Vorstellungen, was nun passieren wird. Und der Weg ist frei dafür, denn der Baurechtsvertrag mit Walter Wiederkehr läuft im Herbst 2020 aus und die Stadt will sich das Grundstück nicht unter den Nagel reissen. Damit ist das Ende der Anlage besiegelt.

Aber jetzt spricht eine weitere Stelle mit: der Kanton, konkret die kantonale Denkmalpflege, die dem Amt für Raumentwicklung der Baudirektion angegliedert ist. Per 13. September 2019 hat sie die Minigolfanlage Mühlematt als neues Denkmalschutzobjekt in ihr Inventar aufgenommen. «Schutzzweck: Substantieller Erhalt aller 18 Minigolfbahnen in ihrer Lage, Bauweise in Beton sowie der zugehörigen Ausstattungen, namentlich Pilzlampen, Metallständer mit Schreibunterlagen und Abfallbehältern. Substantieller Erhalt der parkartigen Bepflanzung sowie der bauzeitlichen Betonplatten und -stufen. Erhalt des Terrassenbereichs am Kioskgebäude», heisst es im Inventarblatt, das der Limmattaler Zeitung vorliegt.

Von der Stadt hat Schuhmacher von der Primobilia AG zwar mal inoffiziell erfahren, dass sich der Kanton das Grundstück anschaut. Dass es nun zum Denkmalschutzobjekt wurde, hat ihm bisher aber niemand gesagt – bis ihm gestern die Limmattaler Zeitung die Nachricht telefonisch überbrachte. Schuhmacher, dessen Firma Grundeigentümerin ist und als solche die von der Schweizer Verfassung geschützte Eigentumsgarantie hat, zeigte sich gestern irritiert. «Wir sind noch nie von der Denkmalpflege kontaktiert worden, haben kein offizielles Schreiben erhalten. Es ist grundsätzlich sehr schade, wenn eine Behörde so etwas einfach verfügt, ohne die Betroffenen zu informieren. Sollte uns durch den Denkmalschutz ein Schaden entstehen, müsste dieser natürlich entschädigt werden», sagt Schuhmacher.

Was bedeutet nun die Aufnahme des Minigolfparks ins Inventar der Denkmalschutzobjekte? «Das Inventar bildet die Grundlage für die Arbeit der Denkmalpflege», sagt ein Sprecher der Baudirektion. Im Inventar seien alle Objekte enthalten, die aus denkmalpflegerischer Sicht von Interesse sind. Es sei behördenverbindlich, entfalte aber keine direkte rechtliche Wirkung auf die Grundeigentümer. «Ein Objekt im Inventar steht nicht unter Schutz. Das Inventar sichert jedoch die Mitsprache der Denkmalpflege bei der Projektierung oder im Lauf des Baubewilligungsverfahrens. Ob ein Bauwerk im Inventar unter Schutz gestellt wird und in welchem Umfang, wird meist im Zusammenhang mit einem Baugesuch geprüft und in enger Absprache mit der Bauherrschaft entschieden. Die meisten Objekte im Inventar werden nicht unter Schutz gestellt, sondern bei Veränderungen lediglich von der Denkmalpflege begleitet.»

Veränderungen? Beim Minigolfpark geht es um einen Abriss. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens könnte die Schutzwürdigkeit vertieft abgeklärt werden, um zu entscheiden, ob er wieder aus dem Inventar erlassen wird, um den Weg für das Überbauungsprojekt definitiv freizumachen. Letztlich würde darüber der Baudirektor entscheiden. Danach steht der Rechtsweg offen: Gegen einen allfälligen Schutz-Entscheid des Baudirektors könnte die Eigentümerschaft vor das Baurekursgericht ziehen.

Gefragt, ob die Baudirektion den Eigentümer in die Vernehmlassung zur Inventarisierung einbezog, sagt der Sprecher, dass das nicht gemacht werde. «Denn die Aufnahme eines Objekts ins Inventar ist lediglich behördenverbindlich. Für die Grundeigentümer zieht das keine direkten rechtlichen Folgen nach sich.» Aber es macht die Sache komplizierter.

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