Das Zyklusarmband des Zürcher Start-ups Ava berechnet mittels Sensortechnologie in Echtzeit die fruchtbaren Tage einer Frau. Die Jungfirma hat damit eine neue und genauere Methode zur Erkennung des Menstruationszyklus entwickelt. Diese Innovation verschaffte der Jungfirma am Mittwoch den ersten Platz bei der Preisverleihung der Top 100 Start-up 2017 in Schlieren, der vom Institut für Jungunternehmen verliehen wird.

Das Unternehmen hat sich damit gegen über 100 000 Bewerber als Sieger durchgesetzt. Valerio Stallone, Europa Marketing Leiter von Ava sagt: «Dieser Preis ist für uns als Schweizer Unternehmen von grosser Bedeutung.» Noch grösser ist die Freude über den ersten Platz. In den vergangenen beiden Jahren sicherte sich das Start-up immerhin Ränge unter den ersten 100 Top-Firmen.

Dass die Lancierung des Zyklusarmbandes einen Nerv getroffen hat, zeigen laut Stallone die Kundenfeedbacks. «Eine Kundin von uns versuchte seit über einem Jahr, ein Kind zu bekommen. Als sie unser Armband zu tragen begann, war sie bereits nach dem zweiten Menstruationszyklus schwanger», sagt Stallone.

Präzision reduziert Stresslevel

Weil das Zyklusarmband während dem Schlaf unter anderem den Ruhepuls, die Hauttemperatur, die Atem- und Herzfrequenz sowie die Durchblutung misst, kann es mit einer Genauigkeit von 89 Prozent das fruchtbare Zeitfenster angeben. Zudem sind dank den körperlichen Werten mehr fruchtbare Tage berechenbar – im Durchschnitt 5,3 Tage pro Zyklus – als mit den herkömmlichen Ovulationstests. Die unterschiedlichen Körperwerte werden mittels Sensoren am Armband mit der App auf dem Smartphone synchronisiert.

Ein Algorithmus errechnet dann die Menstruationsphase. Während der Schwangerschaft liefern die während der Nacht gemessenen Werte zudem Angaben über die körperliche Veränderung. «Unser Armband vereinfacht die Familienplanung erheblich und reduziert die damit häufig verbundenen Stressfaktoren», so Stallone.

Dass das Ava-Armband genauer ist als herkömmliche Methoden für die Berechnung der Fruchtbarkeit, läge daran, dass die gemessenen Körperwerte mit den weiblichen Fortpflanzungshormonen Estradiol und Progesteron zusammenhängen. Im Rahmen einer einjährigen Untersuchung am Universitätsspital in Zürich wurden diese Werte bei 37 Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren analysiert. Keine der bisherigen Methoden zur Erkennung der Fruchtbarkeit war laut der Studie annähernd so präzise, so Stallone. Denn diese Praktiken messen lediglich die morgendliche Körpertemperatur und den Wert des Eisprung fördernden Hormons im Urin. Diese Angaben aber reichen nicht aus für eine präzise Berechnung der fruchtbaren Phase.

Diese Erfahrung teilt auch einer der vier Mitgründer des Zürcher Start-ups. «Der Prototyp von Ava ist aus einer persönlichen Problematik entstanden. Mehr noch: Auch das erste Ava-Baby lebt bereits», verrät Stallone über die Entstehungsgeschichte des Zyklusarmbandes. Seit dem Sommer 2016 ist das Zürcher Start-up damit in Amerika auf dem Markt. Nach Europa hat die Firma zu Beginn dieses Jahres expandiert. Die Zahlen sprechen für sich: Mittlerweile zähle Ava Direktkunden im zweistelligen Tausenderbereich, wie Stallone sagt.

Dass die Firma aber noch mehr will, zeigt ihre Vision. Ava soll irgendwann nicht nur für die Familienplanung eingesetzt werden können, sondern auch als hormonfreie Verhütungshilfe dienen. «Damit dies gelingt, braucht es weitere klinische Studien. Unser Produkt soll für jede Frau relevant sein und sie in jeder Phase begleiten. Das ist das Ziel», sagt Stallone.