Feuerwerk, Raketen und Böller: Am Nationalfeiertag lässt es das Limmattal krachen. Doch die bunten Kunstwerke am Himmel am 1. August haben auch ihre Kehrseiten. Grossfeuerwerke verscheuchen Wasservögel, wie zwei aktuelle Studien der Schweizerischen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz zeigen. Am Tag nach dem Zürcher «Silvesterzauber» halten sich laut Studie jeweils ein Drittel weniger überwinternde Wasservögel am unteren Zürichsee auf. Und ein Feuerwerk Anfang September vertrieb gar über 95 Prozent aller Wasservögel rund um die Insel Mainau am Bodensee.

Altvögel verlassen ihre Jungen

Bei sommerlichen Feuerwerken komme es vor, dass Altvögel ihre Jungen verlassen und diese dann einfachen Beutegreifern zum Opfer fallen, sagt Christa Glauser, Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Dietikon. Flucht bedeute für Vögel immer Stress, was sich auch körperlich auswirke, sagt sie. Mausernde Wasservögel wie Haubentaucher – also solche, die regelmässig ihre Federn abwerfen und deshalb nicht wegfliegen könnten – versuchten sich in der Regel in Schilfbestände in Deckung zu bringen oder sonst irgendwo zu verstecken. «Da sie es schwierig haben zu fliehen, geraten sie auch leichter in grosse Panik», sagt Glauser.

Feuerwerk sei aber nicht nur für Wasservögel problematisch, sagt die Expertin. Man könne am 1. August auch immer wieder beobachten, dass andere Vogelarten bei Feuerwerken erschreckt herumfliegen würden. Bei Wasservögeln lasse sich der Effekt jedoch leichter nachweisen, da eine Anzahl Vögel auf dem Gewässer einfacher zu zählen sei als beispielsweise im Wald, so Glauser. «Andere Vögel erschrecken genauso wie wir wegen einem Knall. Sie assoziieren diesen mit Jagd, sprich dem Tod, was sofort einen Fluchtreflex auslöst», sagt Glauser. Die lange Zeitdauer, bis sich Vögel wieder zurückgetrauten, zeige auch, dass der Effekt der Knallerei enorm sei.

Feuerwerke auf Feld loslassen

Glauser rät, dass Feuerwerke im Limmattal am besten auf freiem Feld abgelassen werden sollten. «Problematisch und unbedingt zu vermeiden sind Standorte an der Limmat», sagt sie. Letzten Silvester sei es leider sogar vorgekommen, dass Leute im Naturschutzgebiet Dietikon Feuerwerk abgelassen hätten. Ebenso problematisch seien Standorte in Waldnähe oder im Wald, so Glauser. Neben den Vögeln reagierten im Siedlungsraum auch Hunde und Katzen zum Teil extrem auf den Lärm oder im Wald die Wildtiere.

Stefan Werner, der für die Studie am Bodensee Vögel und deren Reaktion auf Feuerwerke beobachtete, sieht geräuscharme Feuerwerke als einen vielversprechenden Lösungsansatz an. Seine Beobachtungen auf der Insel Mainau deuten darauf hin, dass solche Feuerwerke mit geringer Lärmentwicklung nur geringe Störungen der Wasservögelverursachen. Ähnlich sieht das auch Glauser: «Das Ablassen von Feuerwerken sollte sich daher auf den Abend des 1. August beschränken und sich nicht über mehrere Tage erstrecken.» Reine Knallkörper sollten überhaupt nicht abgelassen werden.