Limmattal
Den sauberen Badeplausch verdanken wir dem Glarnerland

Gestern veröffentlichte Daten zeigen: Die Limmat ist sauberer als vor 30 Jahren. Doch die Region zehrt von dünn besiedelten Teilen des Flusses, was das Bild verfälscht.

Anina Gepp
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Die Limmat weist einen Abwasserwert von vier bis fünf Prozent auf, was realtiv wenig ist. Kritisch wird es ab der Überschreitung von 10 Prozent.

Die Limmat weist einen Abwasserwert von vier bis fünf Prozent auf, was realtiv wenig ist. Kritisch wird es ab der Überschreitung von 10 Prozent.

Sophie Rüesch

Schon mit der morgendlichen Dusche nehmen wir Einfluss auf die Qualität der Fliessgewässer in unserer Umgebung. Wie lange der Limmattaler unter der Brause steht und mit welchem Duschgel er sich wäscht, hat einen Einfluss darauf, wie stark beispielsweise die Limmat oder die Reppisch belastet werden.

Wie es um die hiesigen Fliessgewässer wirklich steht, ist dank der gestern kommunizierten Ergebnisse aus dem Projekt «Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität» (NAWA) des Bundesamtes für Umwelt klar. Die Schweiz verfügt nun über eine umfassende Datengrundlage zum Zustand der Fliessgewässer. Die gute Nachricht vorab: Unsere Gewässer sind heute sauberer als noch vor 30 Jahren. Und gerade die Limmat steht im Vergleich zu anderen Flüssen im Kanton gut da. Dennoch sind Gewässer nach wie vor die am meisten bedrohten und beeinträchtigten Lebensräume der Schweiz. Fast die Hälfte aller Fischarten ist akut gefährdet, bereits jede siebte Fischart ist ausgestorben und über 60 Prozent der Wasserpflanzen sind bedroht. Das teilt die Gewässerschutzorganisation «Aqua Viva» gestern mit.

Fischpopulationen gehen zurück

Auch in der Limmat sind besonders Fische die Leidtragenden. «Mikroverunreinigungen führen zu einer hormonellen Verweiblichung von Fischen, wodurch die Populationen verschiedener Arten zurück gehen», sagt Christian Bühler, ehemaliger Leiter der Abwassereinigungsanlage Limeco in Dietikon und Geschäftsführer von Uniqtech. Da Fische relativ einfach zu bestimmen sind und ihre Ökologie gut bekannt ist sind sie geeignet, neben Stossbelastungen auch chronische Belastungen anzuzeigen. Durch ihre hohen Ansprüche an den Lebensraum weisen sie auf Defizite der Wasserqualität sowie des morphologischen und hydrologischen Zustands der Gewässer hin.

Für den Menschen hingegen stellen die Verunreinigungen keine Gefahr dar. «Das Trinkwasser weist eine sehr gute Qualität auf», sagt Pius Niederhauser vom Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL).

Zürich profitiert vom Glarnerland

Einer der Standorte für Messungen der Wasserqualität befindet sich oberhalb der ARA Dietikon. Die generell gute Wasserqualität der Limmat sei auf die geringe Anzahl Bevölkerung im Vergleich zum Einzugsgebiet zurückzuführen, so Niederhauser. Im Glarnerland, wo die Limmat entspringe, sei der Raum dünn besiedelt und die Verunreinigung deshalb geringer, so Niederhauser. «Der Raum Zürich zehrt sozusagen vom tiefen Wert des Glarnerlands». Das verfälsche das Bild etwas, da natürlich in den dichter besiedelten Teilen des Flusses am Zürichseeufer die Verschmutzung auch höher sei.

Defintiv schlechter aufgestellt sind andere Gewässer im Kanton Zürich wie die Glatt oder der Furtbach, ein rechter Zufluss der Limmat. Dort liege der Abwasseranteil bei bis zu 20 Prozent, so Niederhauser. Kritisch werde es bei über 20 Prozent. Die Limmat weise einen Wert von ungefähr vier bis fünf Prozent auf, was realtiv wenig sei.

Damit die Wasserqualität in der ganzen Schweiz verbessert werden kann, sollen bis in 20 Jahren alle grossen Anlagen in der Schweiz modernisiert worden sein. Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Dietikon ist bereits auf dem neusten Stand. Dennoch muss auch diese in den nächsten 20 Jahren wie alle grossen Anlagen in der Schweiz mit einem Eliminationsverfahren gegen Mirkroverunreinigungen erweitert werden. Die mittelgrossen Anlagen werden dort ausgebaut, wo der Abwasseranteil überdurchschnittlich hoch ist. Ziel sei es, dass dank zusätzlichen Stufen bis zu 80 Prozent der Mikroverunreinigungen im Wasser zu eliminieren, so Niederhauser.

Die Wasserqualität an der Messstelle in Dietikon unterscheidet sich nur wenig von derjenigen in Zürich Hönggersteg. Dank der guten Reinigungsleistung der ARA Zürich Werdhölzli und eines sehr guten Verdünnungsverhältnisses von Fluss zu gereinigtem Abwasser, wird die Wasserqualität der Limmat durch die ARA Werdhölzli kaum beeinträchtigt. Die Messungen wurden im Jahr 1990 aufgenommen und erfüllen alle Parameter die Zielvorgaben.
An jeder Messstelle in Dietikon wird zwischen März und Oktober einmal pro Monat eine Stichprobe genommen. Jede untersuchte Stelle liefert somit pro Jahr acht Monatsstichproben.