Konzert
Den Blues im Blut: Piano Connection ist auf der Bühne zu Hause

Drei Limmattaler spielen den Blues, als stammten sie aus den Südstaaten der USA. Dementsprechend voll und laut wurde es im Stadtkeller Dietikon – stillsitzen unmöglich.

Florian Schmitz
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Thomas Pfann in seinem Element.

Thomas Pfann in seinem Element.

Ohne ihre chaotisch-verspielten Hemden, die Karomuster, Streifen und Punkte zu einem Kleidungsstück vereinen, würden die drei älteren Herren bei Unkundigen einen leicht biederen Eindruck hinterlassen. Doch im Limmattal ist die «Piano Connection» dank zahlreicher Auftritte längst zur festen Grösse geworden.

Kein Wunder, ist der Stadtkeller bis auf den letzten Platz besetzt. Schon nach wenigen Takten ist klar: völlig zu Recht. Die drei Vollblutmusiker sind Meister ihres Fachs. Beim schmissigen Boogie-Woogie zum Auftakt bleibt kein Körper regungslos, die beschwingten Melodien gehen dank dem präzisen Klavierspiel in Fleisch und Blut über.

«Wir könnten genauso gut bei uns zu Hause in der Stube sein, denn wenn ich so in die Runde schaue, glaube ich, dass wir fast jeden hier persönlich kennen», begrüsst Pianist und Gitarrist Thomas Pfann das Publikum nach dem Einstieg. Für ihn, den Pianisten Jürg Bärtschi und den Drummer Beat Theiler ist der Auftritt im Dietiker Stadtkeller quasi ein Heimspiel.

Pfann ist selbst Dietiker und hier hat die Band zum 30-Jahr-Jubiläum vor vier Jahren ihr erstes Live-Album aufgenommen.

Angefangen hat alles im Jahr 1980. Alle drei Bandmitglieder waren bereits damals mit dabei, als die Gruppe sich unter dem Namen «Chruselbeerischaber» — zu Deutsch: Barbier – ihre ersten Sporen verdiente.

Wegen ihres Namens seien sie immer für eine Guggenmusik gehalten worden, erzählt Pfann: «Wenn der Februar kam, meinten die Leute zu uns: Jetzt gibts bestimmt wieder viele Auftritte.» Doch schon damals schlug ihr Herz für Blues und Boogie-Woogie. Als die Band 1988 ein Jahr in Neuseeland und Australien tourte, war klar, dass ein neuer Name her musste: Die «Piano Connection» war geboren.

In Indien im Knast

Auch dank dem Abstecher ans andere Ende der Erde nahm die internationale Musikkarriere der drei Limmattaler ihren Lauf. Seither sind sie viel rumgekommen in der Welt und haben einiges zu erzählen.

Etwa die Geschichte, als Drummer Theiler Ende der 1980er-Jahre in Indien kurzfristig im Knast landete und die drei Freunde daraufhin den Klassiker «Istanbul Blues» auf ihre Situation adaptierten. «Das war ein guter Tag für uns», scherzt Pfann.

Über all die Jahre hat sich ihr Zusammenspiel perfektioniert — und die geballte Erfahrung ist auf der Bühne zu spüren. Nach dem Exkurs in den Boogie-Woogie überzeugt die «Piano Connection» beim verschleppten, in Melancholie getränkten Blues ebenso.

Auch russische Einflüsse finden sich im Blues der Band wieder. Beim Lied «Kalinka», dessen bekannte Melodie immer wieder von bluesigen Intermezzi unterbrochen wird, geht das Publikum klatschend die vielen Tempoveränderungen mit.

Pfann, Bärtschi und Theiler haben offensichtlich Freude an der Musik. Auf der Bühne wird viel gelacht, etwa als Pfann einen Blues mit der Melodie von «Alle meine Entchen» beendet. Aber der Abend im Stadtkeller ist auch — vermeintlich — lehrreich.

So verrät Pfann, dass der Blues nicht wie allgemein vermutet aus den USA stamme: «Er kommt natürlich aus St. Moritz. Dort oben hatten wir auch schon oft den Blues», fügt er scherzend an. Dort, im schönen Engadin, wird die «Piano Connection» auch heute Abend wieder für beschwingte Zuhörer sorgen. Denn nach all den gemeinsamen Jahren ist ihnen die Bühne ein Zuhause geworden.